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Anlässlich des jüngsten Active Thinking Forum von GAM Investments erörtert David Dowsett die ersten Anzeichen einer Marktstabilisierung, und Ernst Glanzmann gibt einen optimistischen Ausblick auf japanische Unternehmen und Anlagechancen in der Robotik.

23. Mai 2022

David Dowsett – Global Head of Investments

Der stärkst Druck auf die Märkte konzentriert sich weiterhin auf spekulative Wachstumswerte und Kryptowährungen. Wir beobachten die Neubewertung von Risikoanlagen aufgrund höherer Nominal- und Realzinsen. Der Ausverkauf würde unseres Erachtens noch gravierender ausfallen, sollte es zu einem Ereignis wie einer drohenden Zahlungskrise kommen, die mit den derzeitigen Verlusten bei Technologiewerten und Kryptowährungen einhergehen würde. Wir sind der Ansicht, dass dies nicht der Fall sein wird und dass es sich um eine Neubewertung von Risikoaktiva und nicht um eine Kreditklemme handelt. Wir halten es zwar für angebracht, das Risiko eines unmittelbaren und schwerwiegenden Marktereignisses im Auge zu behalten, da es sich erheblich auf die Neubewertung auswirken würde, doch sehen wir dies derzeit nicht im Preisgeschehen, im Verhalten der Banken oder im Kontrahentenisiko, wie wir es derzeit messen.

So schwierig es auch sein kann, über die tägliche Volatilität hinwegzusehen, so sind wir dennoch davon überzeugt, dass erste Anzeichen einer Marktstabilisierung zu erkennen sind, die meisten davon im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere. An den Märkten für Staatsanleihen ist eine gewisse Stabilisierung der Renditen zu beobachten. Die Renditen von Staatsanleihen lagen im Wochenvergleich um 20 Basispunkte (Bp) niedriger. Dies beunruhigt uns nicht, da wir der Meinung sind, dass die Stabilisierung den wichtigeren Aspekt darstellt. In diesem Zusammenhang gibt es möglicherweise auch erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Rendite-Spreads von erstklassigen Anleihen gegenüber HY-Anleihen, auch wenn sich dies noch nicht eindeutig nachweisen lässt. Derzeit befinden wir uns in den niedriger eingestuften Bereichen des Credit-Markts auf Renditeniveaus, die in der Vergangenheit mit einer viel versprechenden Break-even-Analyse und guten Einstiegspunkten verbunden waren. Diese Stimmung breitet sich zunehmend auf den Finanzmärkten aus, und die Investmentbanken sprechen vermehrt Kaufempfehlungen für Credit-Märkte mit der Begründung höherer Renditen aus. Bevor die Stabilisierung auf andere Risikoaktiva übergreifen kann, müssen wir sie zunächst bei den festverzinslichen Wertpapieren eindeutig feststellen.

In den Sommermonaten erwarten wir eine “Bärenmarkt”-Rallye, bevor wir uns später im Jahr mit der Frage auseinandersetzen, wie stark die Inflation im System verankert ist.

Ernst Glanzmann – Japanische Aktien

Wir erlebten soeben das Ende der Q1-Ergebnissaison in Japan. Insgesamt sieht die Bilanz unseres Erachtens solide aus, mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von rund 10 % im Jahresvergleich für die Bestandteile des TOPIX-Index. Diese Ergebnisse bestätigten die monatlich veröffentlichten Mikrodaten und stellten daher keine allzu grosse Überraschung dar. Schwieriger für die japanischen Unternehmen ist die operative Ebene bzw. die Ebene des Nettogewinns, wo wir Druck durch die steigenden Material-, Produktions- und Transportkosten sehen. Insbesonders ausgeprägt ist dies im verarbeitenden Gewerbe. Im Gegensatz zu den USA oder Europa sind die japanischen Unternehmen bei der Weitergabe der steigenden Produktionskosten an die Verbraucher vorsichtig, obwohl wir erwarten, dass sich dies in den nächsten Quartalen verändern wird.

Ende März endete das Geschäftsjahr in Japan, und zu diesem Zeitpunkt gaben viele Unternehmen ihre finanziellen Aussichten für 2022/23 bekannt. Auffallend war hierbei, dass sowohl die Investitionspläne als auch dei Anzahl umfangreicher neuer Aktienrückkaufprogramme und die Dividendenerhöhungen für das kommende Jahr im Vergleich zu 2021/22 deutlich zugenommen haben. Dies deutet darauf hin, dass zahlreiche Unternehmen unverändert über gute Auftragsbücher verfügen, optimistisch sind und daher bereit sind, in Produktionsanlagen zu investieren. Dennoch ist klar, dass sich die Unternehmen der Risiken in Bezug auf die Lieferketten und der Herausforderungen, denen sie sich im Zusammenhang mit den Kosten gegenübersehen, sehr bewusst sind.

Generell sehen wir in Japan weiterhin einen Aufwärtstrend bei den Robotikaufträgen, auch wenn es von Monat zu Monat einige Schwankungen gab. Auch der Bau von Produktionsanlagen und Kraftwerken nimmt in Japan deutlich zu, was mit dem bereits erwähnten Anstieg der Investitionspläne der Unternehmen übereinstimmt.

Der japanische Aktienmarkt hat sich seit vielen Jahren strategisch unterdurchschnittlich entwickelt, und wir sind davon überzeugt, dass ein offensichtlicher Höhepunkt der Inflationsentwicklung in den USA eine Trendwende einleiten könnte. Wir beobachten derzeit eine Abflachung der Energie- und Rohstoffpreise auf hohem Niveau. Sollte sich diese Stabilisierung fortsetzen oder sogar ein Rückgang der Preise zu beobachten sein, wäre dies eine positive Entwicklung. Sollte die US-Notenbank ihre Zinserhöhungen verlangsamen oder sogar einstellen, wäre dies nach unserer Einschätzung sehr positiv für den japanischen Aktienmarkt und zahlreiche weitere Märkte. Kurzfristig müssen wir jedoch den derzeitigen wirtschaftlichen Rückschlag in China, der durch strenge Abriegelungsmassnahmen verursacht wird und sich auf die Rohstoffpreise auswirken dürfte, sehr genau beobachten. Einer der schwierigsten Risikofaktoren bleibt nach unserer Ansicht die chinesische Null-Covid-Politik, die sich auf die Beschaffung und die Produktion auswirkt und zu Lieferengpässen in ganz Asien sowie für viele Unternehmen in den USA und Europa führt.

Der japanische Aktienmarkt befindet sich in Bezug auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf einem 10-Jahres-Tief, während die Dividendenrendite auf attraktivem Niveau liegt, insbesondere im Vergleich zum japanischen Anleihenmarkt, wo man erwartet, dass die Bank of Japan gezwungen sein könnte, die Zinsen demnächst anzuheben. Eines der grossen Themen am Markt ist derzeit die bessere Wertentwicklung von liquideren “Large-Cap”-Aktien gegenüber “Small-/Mid-Cap”-Aktien sowie die Outperformance von Substanz- gegenüber Wachstumswerten.

Hinsichtlich der Investitionsmöglichkeiten im Investitionsgütersektor dürften die Covid-19-Pandemie sowie der Krieg in der Ukraine zu einer verstärkten Nachfrage nach Modernisierung und Erneuerung von Produktionsmaschinen führen, die zum Umweltschutz, zur Kraftstoffeffizienz, zur Dekarbonisierung und zur Produktivitätssteigerung beitragen. Gleichzeitig nimmt die Automatisierung und der automatisierte Betrieb von Produktionslinien, Logistik und Lagern weiter zu, und der Kundenstamm für Halbleiter, Werkzeugmaschinen und Industrieroboter wächst.

Wir bevorzugen Aktien, die in der Lage sind, steigende Rohstoff- und Energiepreise weiterzugeben, sowie Qualitätsunternehmen, deren Aktienkurse angepasst wurden und die eine gute Unternehmensführung aufweisen.

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David Dowsett

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Ernst Glanzmann

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