Ausblick 2022

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Die Manager von GAM Investments stellen ihren Ausblick für 2022 für ihre jeweiligen Anlageklassen vor.

22. Dezember 2021

Niall Gallagher, Investment Director, European Equities

Wir sind der Auffassung, dass wir in ein ganz anderes Umfeld eintreten werden, als wir es in den letzten rund 15 Jahren hatten. Die letzten 15 Jahre seit der globalen Finanzkrise waren von einem recht geringen Wirtschaftswachstum, einer sehr niedrigen Inflation und sinkenden Anleiherenditen geprägt. In diesem Umfeld, das auch vom Schuldenabbau und geringen Sachinvestitionen gekennzeichnet war, schnitten bestimmte Aktienarten sehr gut ab. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um Qualitätsaktien; Unternehmen mit geringer Volatilität und beständigem Cashflow und auch Wachstumsunternehmen, da diese Unternehmen vor dem Hintergrund geringen Wachstums gut abschnitten und bei den sinkenden Anleiherenditen viele Qualitäts- oder Wachstumstitel neu bewertet wurden. Nachdem wir die Pandemie überwunden haben, dürften wir in ein Umfeld mit einer etwas stärkeren Inflation eintreten. Das Wachstum wird wahrscheinlich hoch sein.

Wir glauben aber auch, dass wir in einen hervorragenden Zyklus für Kapitalinvestitionen eintreten, der teilweise von Regierungen angetrieben wird, die die Wirtschaft mit mehr Investitionen unterstützen wollen. Darüber hinaus wird der Übergang zu Netto-Null sehr hohe Investitionen in die gesamte Bandbreite der Branchen, die Energienetze und auch in Bereichen wie Wohnimmobilien erfordern. In den letzten anderthalb oder zwei Jahren haben wir darüber nachgedacht, das Engagement in einigen dieser sehr starken strukturellen Wachstumstrends schrittweise zu erhöhen.

Die offensichtliche Sorge ist, dass die Mutationen des Coronavirus dazu führen, dass wir in eine Situation wiederholter Lockdowns kommen. Die zweitweise Panik der Regierungen war schädlich, aber wir glauben, dass die meisten Unternehmen ziemlich gut aufgestellt sind, selbst wenn wir uns auf ein gewisses Hin und Her einstellen müssen; eine Ausnahme könnten Unternehmen aus der Reisebranche bilden, die beeinträchtigt werden könnten. Ich denke, das ist das grösste Risiko. Das andere Risiko, das ich für nicht wesentlich halte, besteht darin, dass die Inflation stärker ansteigen könnte, als die politischen Entscheidungsträger eingestehen. Wir glauben, dass die Zentralbanken der Entwicklung hinterherhinken. Ich bin mir nicht ganz sicher, was einige von ihnen lesen, weil das, was wir sagen, sich deutlich von dem unterscheidet, worüber sie gesprochen haben. Auch wenn ich der Auffassung bin, dass wir für ein Umfeld mit einer höheren Inflation gut aufgestellt sind, könnte dieses Umfeld für bestimmte Anlageklassen auch ziemlich verheerend sein.

Paul McNamara, Investment Director, Emerging Markets Fixed Income

Unser Einschätzung für lokale Schwellenländeranleihen bleibt zum Jahresende weitgehend unverändert. Die Anlageklasse ist wenig nachgefragt, und wenn das globale Wachstum wie von uns erwartet bis 2022 stabil bleibt, könnte sie vom Potenzial für positive Gesamtrenditen profitieren. Das ist etwas, das sich im festverzinslichen Bereich als selten erweisen könnte, wenn die Renditen von US-Treasuries steigen (und die Preise sinken), da die Fed beginnt, die Anleihenkäufe zu drosseln und die Zinsen anzuheben. Wir sehen erste Anzeichen einer Stabilisierung der Wirtschaftsaktivität in China und halten trotz der Sorgen wegen der Omikron-Variante von Covid-19 strenge Lockdowns selbst in Europa für unwahrscheinlich. Sollte sich dies so fortsetzen, dürften das US-zentrierte globale Wachstumsmuster und die entsprechende Stärke des US-Dollars, die für 2021 so charakteristisch waren, nachlassen, insbesondere angesichts negativer fiskalischer Impulse in den USA. Wir glauben, dass die Bewertungen der Schwellenländer attraktiv sind und ein erhebliches Renditepolster im Vergleich zu den Industrieländern und den meisten als billig eingestuften Währungen bieten – obwohl es, wie die Türkei gezeigt hat, sehr wichtig ist zu differenzieren.

Swetha Ramachandran, Investment Manager, Luxury Equities

Die starke Performance des Luxusgütersektors wird durch anhaltende positive Gewinnentwicklung unterstützt. Das Wachstum wird durch strukturelle Faktoren angetrieben: den kontinuierlichen Aufstieg der neuen asiatischen Mittelschicht, den Einfluss jüngerer Verbraucher und die Digitalisierung – sowohl um die Kapitalintensität des Sektors zu reduzieren, indem die Verbraucher zu niedrigeren Kosten bedient werden, als auch um neue Einnahmequellen im Metaversum zu erschliessen. Das Bindeglied zu diesen Wachstumstreibern ist auch die wachsende Rolle von Nachhaltigkeitsbelangen im Verbraucherverhalten: „weniger und dafür besser kaufen“ ist de facto das Motto in der Luxusbranche. Der Markt unterschätzt unseres Erachtens die Preissetzungsmacht des Sektors, die das Margenwachstum vor dem Hintergrund einer weiter robusten Nachfrage im Jahr 2021 bis weit ins Jahr 2022 hinein vorantreiben dürfte. Wir gehen davon aus, dass sich die anhaltende Handelsdynamik bis zum Jahresende bei den günstigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen als Katalysator für eine fortwährende Outperformance des Sektors erweisen wird.

Romain Miginiac, Fondsmanager und Head of Research, Atlanticomnium

Das Durchlaufen von Covid-19 war ein positiver Katalysator für nachrangige Schuldtitel, der die Widerstandsfähigkeit des Finanzsektors und die Stärke der Fundamentaldaten widerspiegelt. Die Banken kamen mit einer sehr soliden Kapitalausstattung durch die Krise, wobei das harte Kernkapital (Common Equity Tier 1, CET1) nun ein Rekordhoch von 15,8 % erreichte; ein GFC (Global Financial Crisis) -Szenario wäre zu bewältigen gewesen, ohne die zusätzlichen Coupons der AT1-Anleihen zu gefährden. Die Regulierung hat sich als äusserst günstig für die Anleihegläubiger erwiesen, zumal die Banken vor der Covid-19-Krise Kapital angesammelt hatten und das Überschusskapital während der Krise anstieg. Die Kapitalpositionen werden zwar gegenüber den Rekordwerten leicht zurückgehen, nachdem die Banken die Dividendenausschüttung wieder aufnahmen, doch die Tatsache, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Obergrenze für Dividenden aufhob, stellte ein Vertrauensvotum für die Widerstandsfähigkeit des Sektors dar und ist daher auch für Anleihegläubiger positiv.

Die Bewertungen erscheinen attraktiv, insbesondere angesichts des jüngsten Ausverkaufs. Wir sind der Meinung, dass langfristig ein Aufwärtspotenzial besteht; die Spreads liegen derzeit bei etwa 340 Basispunkten gegenüber 270 Basispunkten vor dem Tiefststand von Covid-19. Obwohl AT1-Anleihen neuerer Art weniger anlegerfreundliche Merkmale aufweisen (Trigger, höheres Couponrisiko usw.), wird dies durch die robusten Fundamentaldaten der Emittenten mehr als ausgeglichen.

Auch das Angebot dürfte im Jahr 2022 ein starker Katalysator sein; es dürfte das erste Jahr mit einem negativen Nettoangebot auf dem AT1-Markt sein (mehr Tilgungen als Neuemissionen). In der Vergangenheit entwickelte sich das Angebot zu einem negativen Faktor für AT1-Anleihen, da in den meisten Jahren seit 2014 sehr viele Emissionen zur Deckung des Bedarfs von USD 30 Mrd. oder mehr getätigt wurden. Zusätzlich zu dem negativen Nettoangebot im Jahr 2022 werden angesichts der Grandfathering-Frist im Dezember 2021 verstärkt Altanleihen aus dem Markt genommen, was das reale" Nettoangebot in den negativen Bereich bringt.

Unserer Ansicht nach ist ein ganzheitlicher Ansatz bei der Anlage in nachrangige Schuldtitel für langfristige Anleger entscheidend. Obwohl wir AT1-Anleihen von Banken bevorzugen, sind wir der Meinung, dass sich Anleger auf robuste Strukturen konzentrieren sollten, deren risikobereinigter Wert derzeit besser ist (europäische Kernemittenten, Anleihen mit geringem Verlängerungsrisiko, kürzere Kündigungsfristen). Im Versicherungssektor bieten Restricted Tier 1s (RT1s) weiterhin einen attraktiven Wert, mit ähnlichen Spreads wie AT1s und einer anlegerfreundlicheren Struktur (geringeres Couponrisiko, keine Bail-in-Regelung). Altanleihen sind nach wie vor ein attraktiver Bereich, in dem es gilt, nach spezifischen Themen zu suchen.

Adrian Owens, Investment Director, Global Macro & Currency Fixed Income

Obwohl noch unklar ist, wie sich Omikron in den kommenden Monaten auf die Wirtschaftstätigkeit auswirken wird, sind wir sicher, dass es, egal wie es ausgeht, für die Inflation nicht hilfreich sein wird. Wenn die Regierungen restriktivere Massnahmen zur Bekämpfung des Virus ergreifen, wird dies die Angebotsseite der Wirtschaft weiter schädigen und das derzeitige Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nur noch verschärfen. Dies dürfte auch zu einem noch langsameren Abbau der von den Zentralbanken zur Verfügung gestellten Liquidität führen. Wenn Omikron hingegen keine nennenswerten Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit zeigen sollte, sind wir wieder beim Status quo der grossen Zentralbanken, die der Entwicklung hinterherhinken und das volle Ausmass des herrschenden Inflationsdrucks nicht erkennen.

Tom Mansley, Investment Director, Asset Backed Fixed Income

Die Angebots- und Nachfragefaktoren, die die Hausse am Wohnimmobilienmarkt ausgelöst haben, dürften noch einige Zeit anhalten. Wir rechnen daher mit einem weiteren, wenn auch künftig langsameren Anstieg der Eigenheimpreise. Die Ausfallraten bei Hypotheken sind seit ihrem Anstieg im zweiten Quartal 2020 stark gesunken. Wir gehen davon aus, dass die Zahlungsausfälle, Zwangsvollstreckungen und Verluste aufgrund der niedrigen Arbeitslosenquote und des erheblichen Eigenkapitals, das Eigenheimbesitzer jetzt in ihren Häusern investiert haben, weiter zurückgehen werden. Obwohl die Kreditspreads einen Grossteil ihres Verlustes aus dem grossen Ausverkauf im März 2020 wettgemacht haben, haben sie an den Märkten für nichtstaatliche hypothekenbesicherte Wertpapiere (non-agency MBS) ihr Vor-Covid-Niveau noch nicht wieder erreicht, sodass wir in diesen Märkten im Vergleich zu anderen festverzinslichen Sektoren immer noch gutes relatives Wertpotenzial sehen.

Thomas Funk, Investment Director, Switzerland Equities

Das Wirtschaftssystem hat eine enorme Fähigkeit, sich in einem dynamischen Prozess wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Nach einer massiven Störung ist es jedoch oft anders als vor der Störung, d. h. es wird ein neues Gleichgewicht mit anderen Marktbedingungen gefunden. Im Bereich der Halbleiterfertigung ist beispielsweise bereits von höheren Lagerbeständen in der Zukunft die Rede, da die Kosten für Produktionsausfälle deutlich höher sind als die von höheren Lagerbeständen. Auch die Produktion wird zunehmend internationalisiert und regionalisiert. Unabhängig vom genauen weiteren Verlauf der Covid-19-Pandemie ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Wertschöpfungsketten und Unternehmen zunehmend an die Situation anpassen. In früheren Krisen war immer wieder zu beobachten, wie geringe Beiträge einzelner Marktteilnehmer durch die koordinativen Kräfte einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung zu einer Lösung der Probleme führten. Dies dürfte auch im Jahr 2022 schrittweise geschehen. In diesem Entwicklungsprozess gewinnen agile, lösungsorientierte Unternehmen, die neue Situationen und Chancen zu nutzen wissen.

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