Diese Seite verwendet Cookies

Um Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu bieten, verwendet die GAM-Website Cookies. Sie können vollständige Informationen über die Verwendung von Cookies hier lesen. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig und wir empfehlen Ihnen, unsere Datenschutzerklärung hier zu lesen.

Ok

Eine Welt im tiefgreifenden Wandel

11. Juni 2020

Die Covid-19-Krise führte – zusammen mit anderen Schocks – zu signifikanten Veränderungen und einer Beschleunigung wichtiger Trends. Niall Gallagher, Investment Director bei GAM Investments, untersucht einige der Themen, die durch die Krisen verstärkt wurden und wie Anleger mit ihnen umgehen können.

Wir leben in einer Welt des tiefgreifenden Wandels. Die Weltwirtschaft wurde durch eine Reihe heftiger und miteinander verbundener Schocks erschüttert: Covid-19 und die dadurch veranlassten politischen Massnahmen führten zu einem rekordhohen Nachfrageeinbruch und gleichzeitig belastet der Rohölpreisverfall die Förderländer ohne den Verbraucher-Regionen entsprechende Vorteile zu verschaffen. Der anfänglich rasante Verschuldungsabbau und die heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten wurden durch die ausserordentlichen geld- und fiskalpolitischen Massnahmen mit massiven Liquiditätsspritzen etwas gelindert. Dennoch war dies so etwas wie ein perfekter Sturm.

Die Industriestaaten – die USA und insbesondere Europa – befanden sich im Epizentrum der Gesundheits- und Wirtschaftskrise. Die Sterblichkeitsraten sind erheblich höher als in Asien und den Entwicklungs- und Schwellenländern, allerdings mit bedeutenden Unterschieden in den einzelnen Ländern. Die Ansätze zur Eindämmung der Virusausbreitung und Begrenzung der Todesraten unterscheiden sich erheblich zwischen Asien, Europa und den USA, insbesondere jedoch unter den Ländern Europas. Dies könnte zu markanten Unterschieden bei der wirtschaftlichen Erholung in diesen Ländern sowie zwischen Sektoren und Unternehmen führen. Die Volkswirtschaften der Schwellenländer (EM) tragen nahezu ebenso viel zu den Einnahmen der Aktiengesellschaften bei wie die europäischen Länder: Mehr als 50% der Umsatzerlöse werden ausserhalb Europas erwirtschaftet. Insbesondere im asiatischen Raum erholt sich die Wirtschaft seit der Wiederöffnung sehr schwungvoll. Aus diesem Grund bieten einige Unternehmen in der Europäischen Union (EU) das kräftige Wachstum von Schwellenländern, jedoch mit Corporate Governance-Leitsätzen und Kapitalkosten von Industrienationen.

Abbildung 1: Regionale Verteilung der Umsatzerlöse europäischer Aktiengesellschaften

 
Quelle: Redburn. Prognosedaten von März 2019.

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Hinweis für die zukünftige Wertentwicklung bzw. aktuelle oder zukünftige Trends.


Derzeit wird viel darüber debattiert, welche Form die Konjunkturerholung aufweisen könnte – V-, U- oder W-förmig – und wie gross die Wahrscheinlichkeit dauerhafter Schäden ist. Wir sind nicht davon überzeugt, dass dies die richtige Frage ist. Nach unserer Meinung führt die Krise zu einer bedeutenden Akzentuierung und Beschleunigung wichtiger struktureller Trends.

Wir konnten fünf derartige Trends identifizieren, die durch die Ereignisse dieses Jahres besonders verstärkt werden.

  • Verlagerung des relativen Konsumwachstums in die Schwellenländer bzw. nach Asien und Aufstieg der Mittelschicht in Asien. Die Region litt (bisher) erheblich weniger unter Covid-19 und es gibt Anzeichen einer V-förmigen Erholung sowie eines vergleichsweise schnelleren Wachstums in Asien. Bis zum Jahr 2030 dürften zwei Drittel der globalen Mittelschicht auf Asien entfallen1. Damit kommt der Region ausserordentliche Bedeutung zu.
  • Umstieg vom Offline- auf den Online-Handel. Diese Entwicklung ist in allen Sektoren zu beobachten und dürfte sich auch nach den Lockdowns fortsetzen. Treibende Kräfte dafür sind die Vorsicht der Konsumenten im physischen Einzelhandel und die neue, positive Erfahrung im digitalen Raum.
  • Umstieg von Bargeld auf elektronische Zahlungen. Elektronische Zahlungen profitierten von der Zunahme des Online-Handels. Die Konsumenten schrecken zudem vermehrt davor zurück, physisches Geld in die Hand zu nehmen.
  • Telearbeit und der digitale Wandel trieben die Nachfrage nach Cloud Computing, externen Rechenleistungen und digitaler Infrastruktur an. Microsoft-Chef Satya Nadella erklärte dazu: «Die aktuelle Cloud-Architektur erwies sich als sehr hilfreich. Sie unterstützte die gesamte Wirtschaft bei der Umstellung auf diese neue Arbeitsweise.» Wir erwarten dauerhafte Veränderungen der globalen Arbeitsmuster.
  • Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und «grüne Agenda»/elektrische Revolution. Europa ist beim Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor führend. Unternehmen in diesem Bereich dürften von der staatlichen Unterstützung profitieren, zum Beispiel in Form von Abwrackprämien.

Der Aufstieg der Mittelschicht in Asien wirkt sich insbesondere auf Themen wie Luxus, Urbanisierung und das Wachstum von «Megastädten», Gesundheit und Wellness sowie Elektromobilität aus. Im Luxusbereich fällt China unverändert die Schlüsselrolle zu, da ein Drittel der globalen Ausgaben für Luxusartikel auf chinesische Konsumenten entfällt. Europa ist bei Luxusmarken weltweit führend, unter anderem mit Traditionsmarken wie LVMH und Pernod Ricard. Andererseits gibt es einige Unternehmen, die zum Beispiel vom Umstieg auf den Online-Modeeinzelhandel, der Beschleunigung des Online-Bankings, dem Wachstum im Bereich Online-Wetten und -Gaming sowie vom zunehmenden Einbau von Aufzügen in Mehrfamilienhäusern und der Entwicklung «intelligenter» Fabriken profitieren.

Nach unserer Meinung bestehen unverändert überzeugende Gründe für Aktien europäischer Unternehmen. Europa ist Sitz einiger weltweit führender Unternehmen, die an der Spitze globaler Wachstumstrends stehen. Wir erkennen einzigartige Anlagechancen in disruptiven Technologien: Wir unterscheiden hier drei Arten von Unternehmen: sog. «Enabler», also Unternehmen, die diese Entwicklung durch die Bereitstellung von Basistechnologien entscheidend unterstützen, sog. «Disruptoren», also Unternehmen, die zum Beispiel vom Umstieg auf Online-Vertriebskanäle profitieren und diesen Wandel vorantreiben, sowie Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle erfolgreich anpassen. Einige europäische Unternehmen profitieren darüber hinaus vom Trend zur Nachhaltigkeit, da sie eine kostengünstige Umsetzung von gesellschaftspolitischen Zielen ermöglichen.

Nach unserer Meinung bewährt sich vor diesem sich verändernden Hintergrund das aktive Management: Aktive Manager spüren Anlagechancen auf, die Alpha erzielen können, vermeiden jedoch Bereiche des Marktes, die bisher und möglicherweise auch zukünftig unter diesen Entwicklungen leiden.

1Quelle: «The Geography of the Global Middle Class. Where they Live, How they Spend», Visa, August 2019. Diese Studie zum Konsum der globalen Mittelschicht entstand in Zusammenarbeit von Visa mit Oxford Economics. Die Studie stützt sich auf Projektionen von Visa und Oxford Economics bis Ende 2030.
Wichtige rechtliche Informationen
Quelle: GAM, sofern nicht anders angegeben. Die Informationen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und spiegeln den Standpunkt des Managers im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld wider. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für die aktuelle oder zukünftige Entwicklung. Die erwähnten Finanzinstrumente werden nur zu Illustrationszwecken zur Verfügung gestellt und sind nicht als direktes Angebot, Anlageempfehlung oder Anlageberatung zu verstehen. Die Bezugnahme auf ein Wertpapier ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dieses Wertpapiers. Mai 2020