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Chinesische Aktien: Chancen in langfristigen Wachstumsthemen

22. Juli 2020

Chinesische Aktien verzeichneten jüngst eine gesunde Konsolidierung, die hauptsächlich auf die geld- und fiskalpolitische Feinabstimmung zurückzuführen war. Nach Einschätzung von Rob Mumford, Portfoliomanager bei GAM Investments, bieten attraktive langfristige Wachstumsthemen weiterhin Chancen für Anleger.

Die moderate Virusausbreitung in China, die massive politische Unterstützung und die Konzentration auf den Binnenkonsum führten zu einer beeindruckenden Konjunkturerholung, die seit Jahresbeginn in beachtlichen Aktienmarkterträgen resultierte. Zunehmende Anzeichen der politischen Feinabstimmung, Schäden durch Überschwemmungskatastrophen und anhaltende geopolitische Spannungen führten zuletzt zu einer gesunden Konsolidierung. Nach unserer Einschätzung sollten Anleger offensiv bleiben und ihr Engagement in aktiv gemanagten chinesischen Aktienfonds angesichts der starken mehrjährigen und konjunkturunabhängigen Wachstumstrends anheben.

Kräftige Erholung trifft auf politische Feinabstimmung

Der chinesische Aktienmarkt (MSCI China) stieg in den ersten zwei Juliwochen um 15%, getrieben durch die beeindruckende Erholung vom Virusausbruch. Dazu zählten unter anderem gute makroökonomische Daten wie der Gesamt-Einkaufsmanagerindex, der im Juni mit 54,2 Punkten auf den höchsten Stand seit Anfang 2018 kletterte. Die Stärke dieser Erholung vor dem Hintergrund der extrem lockeren Finanzierungsbedingungen könnte einen Grund zur Sorge darstellen, da die Geld- und Fiskalpolitik gestrafft werden könnte, was die Aktienmärkte belasten würde. Tatsächlich konsolidierte der Aktienmarkt zuletzt, obwohl für das 2. Quartal ein beeindruckendes BIP-Wachstum von 3,2% im Jahresvergleich gemeldet wurde, das damit deutlich über der Prognose von 2,4% lag.

Obwohl Ende Juni einige Benchmarkzinsen am Geldmarkt gesenkt wurden, zogen die Interbanksätze in den vergangenen Wochen kontinuierlich an. Im Einklang mit diesem Trend und dem Umfeld der hohen Risikobereitschaft tendierten die Renditen chinesischer Staatsanleihen deutlich aufwärts, sodass die Rendite der massgeblichen zehnjährigen Anleihe von ihrem Tiefstwert von 2,48% von Ende April bis Anfang Juli auf 3,1% stieg (zuletzt notierte sie bei 2,95%).

Obwohl die oben beschriebenen Konjunkturdaten ein rosiges Bild zeichnen, blenden sie dennoch die problematische Beschäftigungssituation im Inland, die schwache Wirtschaftslage im Ausland und das Risiko erhöhter aussenpolitischer Spannungen aus. Darüber hinaus kam es in den vergangenen Wochen in dutzenden Provinzen in Süd- und Zentralchina zu schweren Überschwemmungen, durch die Millionen von Menschen ihr Zuhause verloren. Die Unterstützung dieser Regionen erfordert hohe Investitionen.

Die grundsätzliche Ausrichtung der Geld- und Fiskalpolitik wird infolgedessen auf geraume Zeit expansiv bleiben. Angesichts der Euphorie in einigen Marktsegmenten überraschte es somit nicht, dass die Behörden mit einer politischen Feinabstimmung gegensteuerten. Dies geschah in unterschiedlicher Weise, beispielsweise durch eine geringfügige Straffung der Liquidität und durch eine politisch motivierte Anweisung: Die chinesische Wertpapieraufsicht CSRC mahnte eine «gesunde Hausse» an und warnte vor bestimmten Aktienmarktaktivitäten, die von illegalen Margin-Krediten bis zu einer exzessiven Mittelbeschaffung reichten.

Ein weiterer Grund, weshalb das geld- und fiskalpolitische Umfeld vorteilhaft bleiben dürfte, sind die geopolitischen Aussichten. Sie werden vermutlich schwierig bleiben – insbesondere dann, wenn die US-Präsidentschaftswahlen in ihre Endphase eintreten. Nachdem Joe Biden in einer Reihe von Umfragen in Führung liegt, steht zu befürchten, dass ein zunehmend verzweifelter Präsident Trump seine chinafeindliche Politik intensivieren wird. Im Extremfall könnte dies bis zur Aufkündigung des «Phase-eins»-Handelsabkommens gehen. Andererseits besteht die Möglichkeit, dass China heftiger auf die bisherigen Massnahmen der USA reagiert. Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage in beiden Ländern und des Risikos, dass übertriebene Massnahmen oder Reaktionen signifikante Störungen hervorrufen könnten (was in jedem der beiden Länder die Unterstützung für die jeweilige Regierung untergraben könnte), erwarten wir, dass die Beziehungen zwischen den USA und China pragmatisch bleiben, selbst wenn sich die Rhetorik in den kommenden Monaten verschärfen dürfte.

Eine straffere Liquidität, politische Feinabstimmungsmassnahmen und die Gefahr erhöhter aussenpolitischer Spannungen könnten zumindest kurzfristig eine Konsolidierung an den Aktienmärkten auslösen. Aktiv gemanagte Fonds – mit einem Fokus auf solide langfristige Wachstumsthemen, die durch den Virusausbruch noch verstärkt wurden – bieten nach unserer Einschätzung eine Anlagechance. Zugleich halten wir es für sinnvoll, Marktbereiche zu meiden, die durch neue und fortgesetzte Veränderungen der wirtschaftlichen Struktur belastet werden könnten. Gleiches gilt – selbst in positiven Themenbereichen – für Branchen und Unternehmen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie am Ende die Last der politischen Massnahmen tragen müssen, sowie für überbewertete Marktsegmente.

Ein attraktiver Markt für Wachstums- und «Carry»-Anlagen; aber bleiben Sie wählerisch

Es ist von hoher Bedeutung, dass der chinesische Renminbi aufwertete, sodass der Kurs gegenüber dem US-Dollar in der vergangenen Woche unter die psychologisch wichtige Schwelle von Sieben fiel. Dies zeugt von einer besseren Entwicklung des Wachstums und der Renditen: Chinesische Staatsanleihen spiegeln ein Zinsumfeld mit einem signifikanten Aufschlag gegenüber den Industrieländern und asiatischen Schwellenländern mit höheren Ratings wider. Trotz des Wachstums- und Renditevorteils könnte die Entwicklung des Renminbi jedoch in der nächsten Zeit von Schwankungen geprägt sein. Die Erfahrung aus vergleichbaren Situationen in der Vergangenheit lehrt uns, dass erhöhte geopolitische Spannungen für erhebliche Unruhe sorgen können.

Wir sind dennoch davon überzeugt, dass die chinesischen Aktienmärkte wachstums-, wert- und renditeorientierten Anlegern ein gutes Ertragspotenzial bieten. Obwohl die Bewertungen in einigen Marktsegmenten angespannt sind, stellen die aktuellen Prognosen für den MSCI China im Jahr 2021 eine Gewinnrendite von 7%, eine Free-Cashflow-Rendite von 10% und eine Dividendenrendite von über 2% in Aussicht (in einigen Segmenten könnten die Renditen sogar höher ausfallen). Das Gewinnwachstum wird im Bereich um die 15% erwartet.

Die Marktbewertungen liegen im Vergleich zur Vergangenheit am oberen Ende der Bandbreiten. Dennoch existieren deutliche Verzerrungen, da sich das Gewicht von Internetplattformen erheblich erhöht hat und einige dieser Unternehmen erst seit relativ kurzer Zeit am Markt präsent sind. Der Lebensmittel-Lieferservice Meituan Dianping ging beispielsweise erst 2018 an die Börse und weist mittlerweile im MSCI China Index ein Gewicht von nahezu 4% auf. Klammert man diese Unternehmen aus, zeigt sich, dass der Grossteil des breiteren Marktes im Vergleich zur Vergangenheit mit attraktiven Bewertungen notiert, die in einigen Fällen sogar nahe an den Tiefstwerten der Krise liegen, während die Wirtschaft die steilsten Erholungstrends aufweist und primär auf den Binnenmarkt ausgerichtet ist.

Wir bevorzugen ausgewählte Engagements am inländischen A-Aktienmarkt. Anleger sollten darauf achten, eine Reihe potenzieller Fallen zu vermeiden. Dazu zählen beispielsweise Engagements in überteuerten Marktbereichen, in denen grosse Kapitalbeschaffungsmassnahmen und die aktive Beteiligung von Privatanlegern zu «blasenähnlichen» Bewertungen geführt haben. Wie in den Jahren 2015 und 2018 werden die Preise überteuerter Segmente des A-Aktienmarktes und überbewerteter Wachstumskonzepte korrigieren, wenn die Behörden beschliessen, die Euphorie, die Liquidität und die Fremdfinanzierung energischer zu zügeln. Weitere potenzielle Probleme betreffen unter anderem die zunehmende Pipeline an Belegschaftsaktien, die nach der Sperrfrist zum Verkauf stehen, sowie das wachsende Angebot von Aktien durch ein beschleunigtes Registrierungsverfahren bei Börsengängen.

Ausgeprägte konjunkturunabhängige Themen

Der jüngste Abschwung verstärkte ausgeprägte langfristige Themen in den Bereichen Konsumausgaben und -gewohnheiten, neue Technologie-Infrastruktur und erneuerbare Energien.

Einige Beispiele: Die führenden Internet-Plattformen für Konsumenten verzeichneten während des Virusausbruchs ein Wachstum ihrer Absatzmärkte und konnten ihre Marktanteile dank ihrer besseren Umsetzung auf Kosten kleinerer Konkurrenten steigern. Der Marktanteil von Online-Anbietern im Einzelhandel erreichte im ersten Halbjahr nahezu 30% und dürfte weiter wachsen, selbst wenn er im Zuge der Wiederöffnung der Wirtschaft geringfügig zurückgeht. Neue Infrastruktur wird auf diese Veränderungen ausgerichtet sein – mehr Arbeit im Home Office und Aktivitäten zu Hause (oder ausserhalb der Innenstädte). Dies hat zur Folge, dass die Nutzniesser dieser Trends in Upstream- (zum Beispiel Rechenzentren) und Downstream-Bereichen (5G-Komponenten) mit einem starken Gewinnwachstum in den kommenden Jahren rechnen können. Das Umschwenken auf einen gesünderen Lebensstil dürfte sich ebenfalls als nachhaltig erweisen. Generell ist ein solideres und effektiveres Gesundheitswesen wichtiger als je zuvor. Abgesehen von «Blasen» im Zusammenhang mit Impfstoff-Hoffnungen bieten sich in den Bereichen Pharma, Biowissenschaften und medizinische Dienstleistungen unverändert attraktive Anlagechancen. Generell dürften die Staatsausgaben wesentlich zielgerichteter erfolgen als während früherer Zyklen. Nach unserer Einschätzung werden «grüne Investitionen als Wirtschaftsmotor» noch viele Jahre ein wichtiger Fokus der Politik bleiben, und der neue Fünfjahresplan, der 2021 beschlossen werden soll, dürfte in dieser Hinsicht erheblich mehr Richtlinien enthalten. Daher beurteilen wir die Aussichten bestimmter Solarenergie-, Windkraft- und Abfallentsorgungsunternehmen zuversichtlich.

Eine Reihe von Marktbereichen schätzen wir als unattraktiv ein. Telekommunikationsdienste und grosse Banken werden möglicherweise einen grossen Teil der umfangreichen politischen Unterstützung mittragen müssen. Dies könnte ihre zukünftigen Erträge untergraben. Darüber hinaus sind einige Unternehmen mit Engagements in positiven Themen, einschliesslich der oben erwähnten Themen, insbesondere im Technologiesektor und in Segmenten des A-Aktienmarktes so teuer geworden, dass es ihnen schwerfallen dürfte, ein Wachstum zu erzielen, das diesen Bewertungen gerecht wird. Damit bieten sie derzeit ungünstige Risiko-Ertrags-Verhältnisse.

Letztendlich sind wir jedoch der Ansicht, dass sich chinesische Aktien in einer beneidenswerten Position befinden: Sie zeigen eine zyklische Robustheit (auch gegenüber dem Virus), ein kräftiges langfristiges Wachstum und ein zunehmend hochwertiges Wachstum zu attraktiven Bewertungen (dennoch ist Selektivität jederzeit erforderlich).

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Quelle: GAM wenn nicht anders vermerkt. Die Informationen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und den Standpunkt von GAM im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld widerspiegeln. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen übernommen. Die Performance in der Vergangenheit ist kein Indikator für die aktuelle oder zukünftige Entwicklung. Die Bezugnahme auf ein bestimmtes Wertpapier ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dieses Wertpapiers. Juli 2020
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