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China nimmt Vorreiterstellung bei grünen Anleihen ein

13. Februar 2020

In den vergangenen drei Jahren konnten wir hautnah miterleben, wie China eine komplette Kehrtwende vom Umweltsünder zu einem Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel vollzog. Vielen Anlegern bereitet der Klimawandel erhebliche Sorgen. China zählt mittlerweile zu den grössten Emittenten grüner Anleihen. Amy Kam, Leiterin von Asian Credit bei GAM Investments, schildert den Aufstieg grüner Anleihen und Chinas Rolle in einer Weltwirtschaft, die beginnt, sich ökologisch auszurichten.

Zusammenfassung: 

  • Konsumenten und Anleger widmen dem Thema Klimawandel zunehmend mehr Aufmerksamkeit.
  • Wir sind bestrebt, Anleiheemittenten aus Schwellenländern zu umweltfreundlicherem Handeln zu beeinflussen.
  • Nach unserer Einschätzung werden Nachhaltigkeitsaspekte einen anhaltenden Trend begünstigen, der zu einer langfristigen Outperformance für Anleger und einer günstigeren Finanzierung für sog. «grüne» Unternehmen führen wird.
  • Als weltweit zweitgrösster Emittent grüner Anleihen liegt China hinter den USA und vor Frankreich.

Wie Davos 2020 zeigte, ist Grün das neue Schwarz der Wirtschaftspolitik. Obwohl die Klimabewegung häufig mit extremen Randgruppen in Verbindung gebracht wird, einte das jährliche Weltwirtschaftsforum dennoch Aktivisten, Monarchen, Politiker, Milliardäre, Konsumenten und Anleger unter dem Motto «Eine in sich geschlossene und nachhaltige Welt». Ungeachtet der politischen Ausrichtung oder Allianzen lässt sich nicht leugnen, dass der Klimawandel inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. 

Die veränderte Haltung der Verbraucher zu Kunststoff als Verpackungsmaterial oder Flugreisen wird – um nur zwei Beispiele zu nennen – das Verhalten der Unternehmen unweigerlich beeinflussen. Gleichzeitig führte der Wunsch der Anleger nach Nachhaltigkeit zu einem Wachstum des sehr treffend als solchen bezeichneten «grünen» Anleihemarktes. Faire, nachhaltige und ethisch unbedenklich produzierte Mode fasziniert mich nicht nur privat, sondern auch als Anleger. Laut einer Studie der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2018i verursacht die Modeindustrie 20% des globalen Abwasseraufkommens und 10% der globalen CO2-Emissionen – das übersteigt die Summe des CO2-Emissionsvolumens aller internationalen Flüge und der weltweiten Seeschifffahrt. Zudem wird weniger als 1% der für die Herstellung von Kleidung eingesetzten Materialien für neue Kleidung wiederverwertet. Dies entspricht einem jährlichen Materialwertverlust von USD 100 Milliardenii.  Wir sind davon überzeugt, dass sich diese Entwicklung nicht fortsetzen lässt. 

Das Forum in Davos verdeutlichte die anhaltende, bedeutende Verschiebung zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (ESG) und hob die Notwendigkeit und Dringlichkeit einer einheitlichen ESG-Definition in Verbindung mit einem einheitlichen Berichtswesen hervor. Darüber hinaus liess sich beim Gipfel in Davos die immer lauter werdende Forderung der Konsumenten nach einer nachhaltigen Zukunft vernehmen. 

Es ist offensichtlich, dass sich die überwiegende Mehrzahl der globalen Bevölkerung und der weltweiten Regierungen eine grünere Welt wünschen. Ein einheitlicher, durchsetzbarer Standard stärkt zweifellos unsere gemeinsamen Anstrengungen erheblich.

«Grüne» Aspekte stellen einen festen Bestandteil unserer Fundamentalanalyse dar, die die Grundlage für unsere Anlageentscheidungen bildet. Im Gegensatz zu Ratingagenturen und einigen Anlegern, die diese Aspekte aus einer Risikoperspektive betrachten, gehen wir proaktiv vor und unterstützen nachhaltige Anlagemöglichkeiten mit einer positiven Ausrichtung. Entgegen der herrschenden Meinung, Anleihenanleger könnten die Entscheidungen der Emittenten nicht beeinflussen, zeigt unsere ständige Kommunikation mit Emittenten, dass Anleiheanleger das Verhalten von Unternehmen sehr wohl beeinflussen. Ich bin davon überzeugt, dass die ESG-Thematik eine langfristige Entwicklung darstellt, die zu einer günstigeren Unternehmensfinanzierung beiträgt.

Zur Überraschung einiger Marktteilnehmer entwickelte sich China mittlerweile zu einem Vorreiter der globalen Ökobewegung. Präsident Xi Jinping ermutigt Behörden, trotz einer anfänglichen Zurückhaltung der Unternehmen, aktive Eigeninitiative zu zeigen. Durch die Verpflichtung, Umweltdaten zu veröffentlichen, sowie ein massives Drängen zur Investition in grüne Anleihen, entwickelte sich China zu einem Vorbild des Wandels. Beispielsweise sank die Belastung durch Schwefeldioxid in Peking in den Jahren 2013 bis 2017 um 70%. 

Vor diesem Hintergrund bleiben Fragen zu Chinas Ansatz beim Klimawandel sowie seiner Haltung zur Kohleverstromung offen. Der Markt ist derartig gross, dass wir uns auf grüne Elemente konzentrieren und nach internationalen Massstäben Einfluss auf eine nachhaltigere Wirtschaftstätigkeit nehmen können.

Als weltweit zweitgrösster Emittent grüner Anleihen liegt China aktuell hinter den USA und vor Frankreich. Chinas Emissionen von international ausgerichteten grünen Anleihen beliefen sich im Jahr 2018 auf USD 31,2 Milliardeniii.  Zudem sank der Anteil an grünen Anleihen aus China, die nicht ausdrücklich international anerkannten Standards entsprechen, von 38% im Jahr 2017 auf 26%. Diese Zahlen belegen Chinas Übergang zur Transparenz und Anpassung: Die Mehrheit der chinesischen Emittenten veröffentlicht mittlerweile Berichte, die den Anforderungen der People’s Bank of China entsprechen.

Wir konnten die Nachfrage nach einer Weiterentwicklung des grünen Anleihemarktes in China hautnah erleben. Im August 2019 besuchte ich Peking im Rahmen der Due Diligence-Prüfung für grüne Anleihen und führte dort auf der Gruppen- und Projektebene Gespräche mit Anleiheemittenten. Dabei konzentrierten wir uns auf die verwendeten Umwelttechnologien sowie auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit dieser meist öffentlich-privaten Partnerschaften (ÖPP). Alle im Rahmen dieser Reise analysierten Projekte beinhalteten Aspekte der sozialen Entwicklung wie eine grundlegende Infrastruktur und sozioökonomische Fortschritte. 

Ich bin davon überzeugt, dass die gesellschaftliche Schubkraft dieser Projekte für die Bewilligung von Genehmigungen und Darlehen bedeutend ist. Es ist deutlich spürbar, dass Unternehmen, die grüne Anleihen ausgeben, strenge internationale Standards in den Bereichen Wasser, Abfallverwertung und Recycling setzen und einzuhalten versuchen. Ich bin davon überzeugt, dass die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen für Schwellenländer wichtig sind und in einen zukünftigen, in sich geschlossenen ESG-Standardwerk einfliessen sollten.

Die Entscheidung der chinesischen Regierung für mehr Nachhaltigkeit lässt sich zumindest teilweise auf die internationale ESG-Entwicklung zurückführen. In den vergangenen Jahren hat sich China zunehmend für internationale Anleger geöffnet. Beispielsweise ist das Land bei der Nutzung von Elektrobussen weltweit mit grossem Abstand führend (400 000 in China gegenüber 300 in den USA), und Anwohnern in Shanghai, die ihren Müll nicht korrekt trennen, drohen Minuspunkte auf dem Sozialkonto. Derweil wurde mit der Ankündigung von JP Morgan, China in seine Indizes für Staatsanleihen der Schwellenländer (EM) aufzunehmen, ein Meilenstein im Finanzbereich erreicht. Diese Aufnahme dürfte monatlich USD 3 Milliarden in Chinas Anleihemarkt spülen, der, wie bereits ausgeführt, rasant grüner wird. 

Nun liegt es an uns, die nächsten Schritte zu überdenken, die wir als Konsumenten und Investoren für eine sicherere Zukunft ergreifen können. Dabei können die Anleiheinstrumente, in die wir investieren, ebenso eine Rolle spielen, um ein grüneres und gesünderes Ökosystem für uns, unsere Kinder und deren Kinder zu erschaffen.

  

[i] https://www.unenvironment.org/news-and-stories/story/putting-brakes-fast-fashion

[ii] https://www.ellenmacarthurfoundation.org/assets/downloads/publications/A-New-Textiles-Economy_Summary-of-Findings_Updated_1-12-17.pdf

[iii] Quelle: Bericht «Climate Bonds Initiative China Green Bond Market 2018»
https://www.climatebonds.net/resources/reports/china-green-bond-market-2018

Wichtige rechtliche Hinweise
Die Angaben in diesem Dokument dienen lediglich zum Zwecke der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und geben die Ansicht von GAM unter den derzeitigen Konjunkturbedingungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Die vergangene Performance ist kein Indikator für die laufende oder künftige Wertentwicklung.