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China aktuell

Nach der erfolgreichen Eindämmung der COVID-19-Pandemie hat Chinas Wirtschaft den Schlag abgewendet, den seine regionalen und globalen Rivalen erlitten. Mit Blick auf die Zukunft erklärt Julian Howard von GAM Investments, dass die eigentlichen Argumente für ein Investment in chinesische Aktien das Wachstum der chinesischen Wirtschaft und die relative Unterrepräsentation seiner Kapitalmärkte in den Weltindizes seien.

21. Januar 2021

Eines der bemerkenswerteren Ergebnisse des durchaus ereignisreichen Jahres 2020 war die schiere Widerstandsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft und des chinesischen Aktienmarktes inmitten der COVID-19-Pandemie. Obwohl das Virus dort seinen Ursprung hatte, war Chinas Wirtschaft im Jahr 2020 kaum belastet, und seine Expansion und seine zunehmende Bedeutung in der Welt scheinen nicht mehr aufzuhalten zu sein. Kein Vergleich zu den hochentwickelten Volkswirtschaften, die unter der Last hoher Fallzahlen, stumpfer «Lockdown»-Massnahmen und nur langsam voranschreitender Impfraten zu kämpfen haben. Chinas Aktienmärkte erzielten ebenfalls eine enorme Wertsteigerung: Der MSCI China Index (HKD) beendete das Jahr 2020 mit einem Kursanstieg um mehr als 26 %. Auch wenn der „Aufstieg Chinas“ keine neue Geschichte darstellt, bleibt die Möglichkeit bestehen, dass 2020 das Jahr war, in dem dieser Prozess einen Gang zugelegt hat. Die Frage für Anleger ist, ob ihre Allokation in diese globale Supermacht sowohl ausreichend als auch direkt genug ist und was sie unternehmen können, sollte dies nicht der Fall ist.

Es wird wohl noch jahrelang heftig darüber gestritten werden, wie China das aus Wuhan stammende Coronavirus so schnell zurückdrängen konnte. Tatsache bleibt, dass es gelang und sich die Wirtschaft schnell erholt hat. Wer Zweifel an der offiziellen Statistik hat, kann sich die Umsatzerlöse von chinesischen Niederlassungen westlicher Unternehmen ansehen, die ohne Ausnahme eine bemerkenswerte Erholung der Aktivitäten ab dem Frühjahr verzeichnen. Parallel dazu weist der weltwirtschaftliche Ausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Oktober 2020 für China ein erwartetes BIP-Wachstum von 1,9 % aus, verglichen mit -3,3 % für die Schwellenländer insgesamt, -4,3 % für die USA, -8,1 % für Lateinamerika und -8,3 % für die Eurozone. Für das Jahr 2021 prognostiziert der IWF ein Wirtschaftswachstum von mehr als 6 % für China, so dass das Land die sogenannten hochentwickelten Volkswirtschaften weit hinter sich lassen wird. Da die Unternehmensumsätze im Allgemeinen (aber nicht vollumfänglich) das zugrunde liegende Wachstum ihrer Volkswirtschaften widerspiegeln, bietet diese Wirtschaftsleistung den chinesischen Aktienmärkten in den kommenden Monaten und Jahren eine einzigartige fundamentale Unterstützung.

Grafik 1: Entschlossen voran und auf diesem Kurs bleiben – China hatte eine „positive Pandemie“:

Quelle: Weltwirtschaftlicher Ausblick des IWF. Daten vom 31. Dezember 1992 bis zum 31. Dezember 2025. * Prognose von 2020. Die Performance in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance oder auf aktuelle oder zukünftige Entwicklungen. Nur zur Veranschaulichung.

Die Attraktivität chinesischer Aktien hat jedoch noch weitere Gründe als nur die Entwicklung der zugrunde liegenden Wirtschaft. Sie beruht auch darauf, wie unterrepräsentiert chinesische Aktien in den Weltindizes im Verhältnis zur Grösse ihrer Volkswirtschaft sind. Ende 2020 betrug Chinas Anteil im MSCI AC World Index kaum mehr als 5 %, obwohl die chinesische Volkswirtschaft einen Anteil von über 17 % an der weltweiten Wirtschaftsleistung aufweist. Die Festlegung von Benchmark-Gewichten ist ein Prozess, für den die Ausschüsse der Indexanbieter verantwortlich sind. Diese Ausschüsse müssen letztendlich die wachsende Marktkapitalisierung von Märkten wie den chinesischen in den Indizes widerspiegeln, wenn das Interesse der Anleger an den betreffenden Märkten wächst. Dies ist für sich genommen vermutlich einer der überzeugendsten Gründe, chinesische Aktien über einen längeren Zeitraum zu halten. Es stellt eine offensichtliche Anomalie dar, dass die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt mit lediglich rund 5 % im weltweit führenden Aktienindex vertreten ist, dem Millionen von Investmentunternehmen und Privatanlegern folgen. Im Gegensatz dazu erfreuen sich die USA im MSCI AC World Index eines Gewichts von nahezu 60 %, obwohl sie nur knapp zu einem Viertel der Weltwirtschaft beitragen. Zugegebenermassen ist der US-amerikanische Technologiesektor hierfür ein wichtiger (und verdienter) Faktor. China verfügt jedoch ebenfalls über innovative Branchenführer im Technologie- und Finanzsektor. Es wäre eine absolut legitime Strategie, chinesische Aktien einfach „überzugewichten“, da es in den kommenden Jahren zu einem Prozess der breit angelegten Anerkennung seiner Bedeutung kommen wird.

Es stellt sich dann die Frage, wie man am besten an dieses Thema herangeht. Die aktive Titelauswahl erscheint attraktiv, nicht zuletzt deshalb, weil sie die potenzielle Möglichkeit bietet, einige der Fallstricke zu vermeiden, die mit Anlagen in Schwellenländern im Allgemeinen und in China im Besonderen verbunden sind. Zu diesen Fallstricken zählen die Undurchsichtigkeit rund um die Unternehmensführung (Corporate Governance) und die allgegenwärtige Gefahr staatlicher Eingriffe, sobald eine Unternehmensführung in Ungnade fällt. Bezüglich des letztgenannten Punktes liefern der kürzlich gescheiterte Börsengang (IPO) der Ant Group und öffentlich geäusserte aufsichtsrechtliche Bedenken hinsichtlich des angeblichen Monopolstatus von Alibaba zwei eklatante Beispiele dafür, wie Unternehmen kurzfristig in ihre Schranken verwiesen werden können. Darüber hinaus gilt es Spannungen mit ausländischen Volkswirtschaften wie den USA und Europa zu bewältigen. Die New Yorker Börse (New York Stock Exchange) hat kürzlich beschlossen, ihren Kurs umzukehren und drei vom US-Finanzministerium ausgewählte chinesische Telekommunikationsgiganten von ihrer Plattform auszuschliessen, was bei den Anlegern für Verwirrung sorgte. Ein kürzlich angekündigtes chinesisches Investitionsabkommen mit Europa erinnerte alle daran, dass der Umgang mit China garantiert mit Problemen behaftet ist. In ihrer Erklärung zu dem Abkommen – und sehr zum Entsetzen der Chinesen – sprach die Europäische Union (EU) kühl von „China als Partner, China als Wettbewerber und China als systembedingtem Rivalen“. All diese Faktoren deuten darauf hin, dass für Anleger in chinesischen Unternehmen, die sowohl im Inland als auch weltweit tätig sind, Volatilität, Verstimmungen und Überraschungen zu erwarten sind. Diese unerwünschten Überraschungen können durch eine aktive Titelauswahl umgangen werden.

Sind jedoch die eigentlichen Argument für eine Investition in chinesische Aktien das Wachstum der chinesischen Wirtschaft und die Unterrepräsentation seiner Kapitalmärkte im Verhältnis zur Grösse dieser Wirtschaft, so können diese Anleger davon profitieren, indem sie einfach mehr chinesische Aktien halten als der MSCI AC World Index, wenn sie darauf abzielen, den Index zu übertreffen, und die Struktur dieser Übergewichtung zumindest zu Beginn relativ einfach halten. Dies könnte zu einem einfachen Index-Engagement durch Instrumente führen, die den MSCI China Index abbilden, wodurch unter anderem Onshore-A-Aktien, in Hongkong börsennotierte H-Aktien und in den USA notierte American Depositary Receipts (ADRs) vertreten wären. Allerdings ist die Aktienkonzentration in diesem Index hoch. Die zehn grössten Aktien repräsentieren dank grosser Unternehmen wie Alibaba und Tencent 50 % des Index. Eine Alternative und vermutlich reinere Replikation der inländischen Entwicklung Chinas könnte darin bestehen, sich nur auf die A-Aktien zu konzentrieren, die an den Börsen in Shanghai und Shenzhen gehandelt werden, aber für internationale Anleger über das „Stock Connect“-System erwerbbar sind. Dies würde zu einer geringeren Konzentration (beispielsweise sind Finanzwerte stärker vertreten) und zu der Aussicht auf ein Engagement in dem Bereich des chinesischen Aktienuniversums führen, in dem die meisten chinesischen Privatanleger handeln - ein Bereich, der aufgrund der Vor-Ort-Ansiedelung ausländischer Vermögensverwalter in Zukunft wachsen wird.

Grafik 2: Unterrepräsentiert – Chinas Aufnahme in den MSCI AC World Index bleibt hinter seiner Wirtschaftskraft zurück:

Quelle: IWF, GAM. Daten vom 31. Dezember 2000 bis zum 31. Dezember 2025. * IWF-Prognose von 2019. Die Performance in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die zukünftige Performance oder auf aktuelle oder zukünftige Entwicklungen. Nur zur Veranschaulichung.

Chinas Aufstieg ist kein neues Phänomen. Das Jahr 2020 scheint jedoch einen Wendepunkt für das Land zu markieren. Chinas´ Wirtschaft wurde zu keinem Zeitpunkt so hart getroffen wie die regionalen und globalen Konkurrenten, und in den nächsten Jahren scheinen alle Faktoren auf eine Fortsetzung des starken Wachstums hinzudeuten. Anleger, die eine strukturelle Übergewichtung in Chinas Aktienmärkten beibehalten, die über die derzeit im MSCI AC World Index festgelegte dürftige Allokation hinausgeht, erwartet möglicherweise eine bedeutende Anlagechance. Volatilität und aktienspezifische Rückschläge werden unweigerlich ein Merkmal der Schmerzen sein, die mit dem Wachstum des chinesischen Marktes einhergehen. Unabhängig davon, ob sich die Anleger für eine aktive Wertpapierauswahl, Onshore-A-Aktien oder einfach den MSCI China Index selbst entscheiden; der grösste Renditetreiber wird sicherlich die anfängliche «Top-Down»-Entscheidung sein, aggressiver in diesen Markt zu investieren, bevor er seinen verdienten Platz sowohl in der Weltwirtschaft als auch auf den Kapitalmärkten der Welt einnimmt.

Wichtige rechtliche Informationen
Die Informationen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und gelten nicht als Anlageberatung. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Bewertungen können sich ändern und geben den Standpunkt von GAM im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen wird keine Haftung übernommen. Die Performance in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf aktuelle oder zukünftige Entwicklungen.

Julian Howard

Lead Investment Director, Multi Asset Solutions.

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