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China steht auf eigenen Beinen

18. Februar 2020

Angesichts der Turbulenzen des abflauenden Handelsstreits bietet Ali Miremadi von GAM Investments eine globale Perspektive zum blühenden E-Commerce-Markt in China.

Zusammenfassung:

  • Nach unserer Einschätzung wird der chinesische Privatkonsum auch im nächsten Jahrzehnt eine der grössten und wachstumsstärksten langfristigen Kräfte für die Weltwirtschaft bleiben. 
  • Den Konsensprognosen zufolge wird der chinesische E-Commerce in den nächsten fünf Jahren mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 24% wachsen, während sich die chinesische Mittelschicht von 300 Millionen auf 600 Millionen Menschen verdoppeln dürfte.
  • Die Natur des E-Commerce ermöglicht unterschiedlichen Branchen und Geschäftsbereichen die Nutzung einer gemeinsamen Infrastruktur. 
  • Es steht zu erwarten, dass sich das Volumen der Online-Transaktionen in China in den nächsten fünf Jahren verdoppeln wird. 

Im vergangenen Jahrzehnt entwickelte sich der chinesische Privatkonsum in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt zur treibenden Kraft und löste Infrastrukturinvestitionen von dieser Position ab. Nach unserer Einschätzung wird der Konsum auch im nächsten Jahrzehnt eine der grössten und wachstumsstärksten langfristigen Kräfte für die Weltwirtschaft bleiben. Derartige enorme langfristige Themen treten selten auf und eignen sich nicht immer für Investments. Ein wichtiger Grundsatz von Anlagephilosophien und -prozessen auf Basis einer intensiven fundamentalen Titelauswahl lautet, dass es am Investor liegt, ein geeignetes Anlageinstrument zu finden, derartige Chancen zu nutzen. Mit anderen Worten: Ein grosses Thema ist nutzlos, falls es nicht gelingt, diejenigen Unternehmen zu finden, die von diesem Thema am meisten profitieren. 

China entwickelte sich zu einer Wirtschaft, die stärker von der internen Nachfrage angetrieben wird als vom internationalen Handel. Einige Investoren liessen sich jedoch durch den Wirbel über den laufenden Handelskonflikt zwischen den USA und China täuschen. Das erinnert an die Fehleinschätzung der japanischen Wirtschaft in den frühen 1990er Jahren, als zahlreiche internationale Anleger, denen die grössten Exportmarken (wie Toyota und Sony) ein Begriff waren, jedoch die wichtige Tatsache übersahen, dass Japan damals wie heute eine vom Konsum getragene Wirtschaft aufweist. Selbstverständlich unterscheidet sich China in vielerlei Hinsicht von Japan und entwickelte sich erst vor Kurzem zu einer vom Konsum getragenen Wirtschaft. Einige internationale Anleger unterliegen einem ähnlichen Irrtum wie seinerzeit. 

Der inländische E-Commerce-Sektor ist ein grosser Gewinner des chinesischen Privatkonsums. Den Konsensprognosen zufolge wird der E-Commerce in den nächsten fünf Jahren mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 24% wachsen, während sich die chinesische Mittelschicht von 300 Millionen auf 600 Millionen Menschen verdoppeln dürfte. 

Chart 1: Abbildung 1: China ist der grösste E-Commerce-Markt der Welt

Quelle: eMarketer und Bernstein Analysis. Nur zur Veranschaulichung. 

Dadurch konnte das chinesische E-Commerce-Umfeld den Grossteil der westlichen Industriestaaten abhängen. Mit 21% des gesamten Einzelhandels ist der Anteil des E-Commerce in China in etwa so gross wie im Vereinigten Königreich und grösser als im Rest der Welt. Hinter dieser Zahl verbergen sich jedoch Trends, die das Vereinigte Königreich weit in den Schatten stellen. Wer in China online Lebensmittel kauft, kann davon ausgehen, dass seine Bestellung innerhalb einer Stunde ausgeliefert wird (häufig sogar in der Hälfte der Zeit). Ein neuer Kunde in einem modernen Geschäft in China wird innerhalb von Minuten in das WeChat-Messaging-Netzwerk des Geschäfts aufgenommen und die meisten Konsumenten in den chinesischen Metropolen bezahlen ausschliesslich mit ihren Smartphones für Waren und Dienstleistungen. 

Abbildung 2: Zahlungen über Dritte und Online-Durchdringung

 

Quelle: Schätzungen und Analysen von iResearch, NBS und Bernstein. Nur zur Veranschaulichung. 

Das Erlebnis eines unserer Teammitglieder auf einer Research-Reise nach Shenzhen im vergangenen Monat veranschaulicht dies sehr gut: Der Kassierer war fassungslos, als unser Kollege versuchte, Geschenke, die er für seine Kinder kaufen wollte, mit einem anachronistischen Zahlungsmittel wie einer physischen Kreditkarte zu bezahlen. 

Ein Paradebeispiel dafür, wie sich ein chinesisches E-Commerce-Unternehmen das Wachstum des Privatkonsums zunutze macht und es in Richtung Digitalisierung lenkt, ist Alibaba. Das Unternehmen hat nicht nur das Einzelhandelsumfeld umgekrempelt, sondern auch beherzt auf die Finanztechnologie gesetzt. Alipay, der Zahlungsservice der Gruppe, hat nicht nur einen riesigen und zunehmend internationalen Marktanteil erobert, sondern beabsichtigt auch in andere Bereiche vorzudringen, sowie gestützt auf sein Zahlungssystem darüber hinaus Privatkredite, Vermögensverwaltungs- und Versicherungsprodukte anzubieten. 

Dem Geflecht der Dienstleistungen, die Alibaba anbietet, liegt eine wichtige Logik zugrunde – alles wirkt zusammen, um die Macht des Kerngeschäfts E-Commerce zu vergrössern. Obwohl es im chinesischen E-Commerce-Bereich zahlreiche weitere Unternehmen gibt, sehen wir in Alibaba einen typischen Repräsentanten für das Potenzial dieser Unternehmen. Es steht zu erwarten, dass sich das Volumen der Online-Transaktionen in China in den nächsten fünf Jahren verdoppeln wird. Daher verzeichnen inländische E-Commerce-Unternehmen unverändert ausserordentlich gute Chancen, das Wachstum ihrer internationalen Konkurrenten zu überflügeln. 

Als globale Anleger befinden wir uns in der privilegierten Position, alle Arten von Unternehmen untersuchen, vergleichen und einander gegenüberstellen zu können. Nach unserer Einschätzung verdienen Unternehmen mit klar erkennbarem Wachstumspotenzial, Wettbewerbsvorteilen, strategischer Vision, guten Cashflows und soliden Bilanzen die Aufmerksamkeit der internationalen Anleger am meisten.

Obwohl die jüngsten Ereignisse in China im Zusammenhang mit dem Coronavirus das Wirtschaftswachstum kurzfristig belasten, ändert das nach unserer Einschätzung nichts am mittel- bis langfristigen Wachstum der privaten Konsumausgaben. Sehr kurzfristig betrachtet könnte der Virusausbruch sogar den Trend der Abkehr vom Einkauf in Ladengeschäften beschleunigen und den Anteil der digitalen Ausgaben noch schneller vergrössern. 

Wichtige rechtliche Hinweise
Die Angaben in diesem Dokument dienen lediglich zum Zwecke der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und geben die Ansicht von GAM unter den derzeitigen Konjunkturbedingungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Die vergangene Performance ist kein Indikator für die laufende oder künftige Wertentwicklung.