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Chinas wachsender Einfluss auf die Weltmärkte

Dienstag, 17. Juli 2018

Chinas aufblühende Mittelschicht sorgt für ein enormes Konsumwachstum in verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel bei den Luxusgütern. Dies macht sich nicht nur in der Binnenwirtschaft, sondern auch auf den globalen Märkten bemerkbar. Investmentmanager von GAM Investments erklären, welchen Einfluss China auf ihre jeweiligen Bereiche hat.

Ein langfristiger Wachstumstrend

Niall Gallagher, Investment Director für europäische Aktien

Ausgewählte europäische Aktien profitieren von langfristigen konjunkturunabhängigen Wachstumstrends. Ein Teil dieses strukturellen Wachstums beruht auf dem steigenden Konsum der Mittelschicht in Schwellenländern in Bereichen wie Luxusgütern, Spirituosen und im Bereich Healthcare. China hat einen besonders grossen Einfluss auf die Weltwirtschaft. So hat eines unserer Teammitglieder kürzlich Unternehmen in Shenzhen besucht, obwohl wir uns eigentlich auf europäische Aktien konzentrieren. Schätzungen zufolge werden 80% des in den nächsten zehn Jahren weltweit in der Mittelschicht erzielten Haushaltswachstums aus Asien kommen – der Grossteil davon aus China.

Wir interessieren uns vor allem für Unternehmen, die von diesen steigenden Konsumausgaben der chinesischen Mittelschicht profitieren. Und die gute Nachricht für uns lautet, dass einige der am besten aufgestellten Unternehmen in Europa zu finden sind. Dazu gehören unter anderem LVMH mit der Marke Louis Vuitton sowie einigen Cognac- und Champagnermarken, Richemont mit Cartier und anderen Uhrenmarken, aber auch Unternehmen wie Pernod Ricard. Der Aufzughersteller Schindler ist ebenfalls interessant. Derzeit werden weltweit zwei Drittel aller neuen Aufzüge in China eingebaut. Zusammen mit der Urbanisierung, der zunehmenden Wohndichte in den Städten und dem Wunsch nach einer höheren Wohnqualität treibt dieses Wachstum der Haushalte mit mittleren Einkommen in diesem Bereich ein starkes und langfristig nachhaltiges Wachstum an.

Vom Inlandsfokus zur internationalen Ausrichtung

Jian Shi Cortesi, Portfoliomanagerin für chinesische und asiatische Aktienstrategien

Für chinesische Unternehmen ist die internationale Expansion definitiv eine langfristige Zielsetzung. Kurzfristig konzentrieren sich aber immer noch viele auf den Binnenmarkt, der sehr gross ist und weiterhin wächst. Chinesische Unternehmen haben nicht viel Erfahrung an den internationalen Märkten. Vor allem Hersteller von Verbrauchsgütern und Basiskonsumgütern brauchen in puncto Marketing und Branding ein gutes Know-how und viel Erfahrung. Wir haben beobachtet, wie Gesundheits- und Automobilunternehmen versuchen, im Ausland Fuss zu fassen. Eine andere Strategie besteht darin, Übernahmeziele in Europa oder den USA ins Auge zu fassen, um Unternehmen mit höherer technischer Kompetenz zu kaufen. Ein Beispiel dafür ist der Kauf von Volvo durch den Automobilkonzern Zhejiang Geely.

Insgesamt werden chinesische Konsumenten zur treibenden Kraft für das Wirtschaftswachstum, insbesondere in Sektoren wie Kosmetik, Mode, Reisen, Unterhaltung und Autos. Derzeit gibt es über 400 Millionen Millennials in China. Seit die ersten von ihnen in den Achtzigerjahren zur Welt kamen, ist das chinesische BIP um mehr als das Zwanzigfache gewachsen. Deshalb sind sie zuversichtlich und rechnen mit einem weiteren Aufschwung. Sie geben viel mehr Geld aus als die Generation ihrer Eltern, und wir erkennen unterschiedliche Ausgabenmuster: Sie zahlen mehr für Qualitätsmarken, die Einzigartigkeit bieten, und vor allem für Dinge wie eine hübsche Verpackung und witzige Markennamen. Ein familienorientiertes Marketing kommt bei ihnen allerdings häufig ebenfalls gut an.

Rohstoffpreise und Währungen

Larry Hatheway, Group Head of GAM Investment Solutions und Chefökonom

Als zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt (die sich laut einiger Kennzahlen bald zur grössten Volkswirtschaft entwickeln dürfte) hat der Aufschwung Chinas Auswirkungen auf viele Sektoren, vor allem jedoch auf die Rohstoffpreise. Das rasante Wachstum, der hohe Energieverbrauch je Einheit des BIP und die rapide Urbanisierung haben die Energie- und Industriemetallpreise gut unterstützt. Deshalb hatte die veränderte Einschätzung des chinesischen Wachstums eine erhöhte Volatilität dieser Rohstoffe zur Folge. Die chinesische Nachfrage nach Rohstoffen stärkte wiederum die sogenannten Rohstoffwährungen wie den australischen Dollar, den Neuseeland-Dollar oder den chilenischen Peso.

In den Jahren unmittelbar nach der globalen Finanzkrise nahm der Beitrag Chinas zum globalen BIP-Wachstum erheblich zu. Damit wurde China zu einem wichtigen Barometer für Risikobereitschaft oder Risikoaversion, beispielsweise im Sommer 2015 oder im ersten Quartal 2016.

Anfang der 2000er Jahre war China aufgrund seines hohen Leistungsbilanzüberschusses gezwungen, dem Rest der Welt massiv Geld zu leihen – damals hauptsächlich in Form der Ansammlung von Devisenreserven mit einem überproportionalen Anteil an US-Treasuries. Die daraus resultierende „globale Sparflut“ hatte zur Folge, dass die Zinssätze in den USA und anderen Ländern über den Niveaus verharrten, die für eine Marktbereinigung nötig gewesen wären. Dies trug wiederum zu den Exzessen an den Immobilienmärkten in den USA und Europa bei, die in der globalen Finanzkrise gipfelten. Heute ist der chinesische Aussenhandelsüberschuss zwar erheblich geringer, doch die Anleger verfolgen angespannt alle Meldungen über eine mögliche Verlagerung der chinesischen Rücklagen. In der letzten Zeit lag der Schwerpunkt auf ausländischen Direktinvestitionen einschliesslich Private-Equity-Investitionen in Industrieländern.

Während China die Beschränkungen für seine Kapitalbilanz reduziert, eröffnen sich Anlagechancen für ausländische Anleger. Im Vergleich zur Grösse der Wirtschaft ist das Chancenspektrum aber immer noch relativ klein. Viele Anleger ziehen es ausserdem vor, über Rohstoffe oder Zweitnotierungen wie ADRs (American Depositary Receipts) auf China zu setzen.

Wachstum im Tourismus

Michael Lai, Investment Director für Asia-Pacific-Aktien

Die Reisebranche ist ein anschauliches Beispiel für die zunehmend bedeutendere Rolle chinesischer Millennials und ihrer Ausgabegewohnheiten. 2018 ist das Jahr des chinesischen EU-Tourismus, nachdem sich die Zahl der Nächte, die Touristen aus China in der EU verbringen, in den letzten zehn Jahren bereits verdreifacht hat. Morgan Stanley schätzt, dass die Zahl der chinesischen Auslandsreisenden bis zum Jahr 2020 auf über 400 Millionen steigen könnte. Chinas Wandel zu einer einkommensstärkeren Wirtschaft wird zu einer grösseren Mobilität führen und dafür sorgen, dass sich mehr Chinesen eine Auslandsreise leisten können. Dies kommt weltweit vielen Volkswirtschaften zugute.

Fluggesellschaften und Hotels, aber auch Betreiber von Touristenattraktionen sind die offensichtlichen Nutzniesser dieses Trends. Luxusgüterunternehmen und Duty-free-Shops dürften ebenfalls von chinesischen Konsumenten profitieren, die schätzungsweise 70 Prozent zum aktuellen Wachstum der Luxusbranche beitragen. Nach einem beeindruckenden Anstieg ihrer Ausgaben in den letzten zwei Jahrzehnten sind Chinesen weltweit die grössten Käufer von Luxusgütern.

Internationale Unternehmen

Daniel Häuselmann, Leiter des Schweizer Aktienteams

Investments in Schweizer Aktien können am langfristigen Wachstum der Schwellenländer, einschliesslich Chinas, partizipieren, das für viele Unternehmen eine wichtige Rolle spielt. Schweizer Unternehmen sind in der Regel aus geografischer Sicht sehr breit positioniert. Der Schweizer Binnenmarkt ist sehr klein. Deshalb müssen die Unternehmen ihr Geschäft international ausrichten. Die meisten Unternehmen sind weltweit aktiv und setzten schon sehr früh auf die Schwellenmärkte. Die meisten davon haben eine starke Position in China, sofern ihr Marktsegment dort entwickelt ist. Healthcare-Unternehmen sind dafür ein gutes Beispiel.

 
Wichtige rechtliche Hinweise
 
Die Angaben in diesem Dokument dienen lediglich zum Zwecke der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und geben die Ansicht von GAM unter den derzeitigen Konjunkturbedingungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Die vergangene Performance ist kein Indikator für die laufende oder künftige Wertentwicklung.
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