Diese Seite verwendet Cookies

Um Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu bieten, verwendet die GAM-Website Cookies. Sie können vollständige Informationen über die Verwendung von Cookies hier lesen. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig und wir empfehlen Ihnen, unsere Datenschutzerklärung hier zu lesen.

Ok

Digitaler Luxus: Ein Gespräch mit Karinna Nobbs – Teil eins

LOKALE PRODUKTE UND DIENSTLEISTUNGEN ANZEIGEN

Wählen Sie Ihr Land

Swetha Ramachandran von GAM Investments führte kürzlich ein Interview mit Karinna Nobbs – eine digitale Visionärin und Akademikerin, die auf den sich schnell entwickelnden Modebereich spezialisiert ist. Karinna beteiligte sich unlängst an der Gründung von The Dematerialized – einem erlebnisorientierten Marktplatz für digitale Mode, einschließlich eines White-Label-Betriebssystems für die Erstellung und den Handel von Non-Fungible Tokens (NFTs). Im ersten Teil ihrer Diskussion sprechen Swetha und Karinna über die Geschichte der digitalen Mode, ihre wachsende Attraktivität und die Vielfalt der beteiligten Verbraucher.

15. Juli 2021

Wie sind wir hierher gekommen? Dies ist nicht der Beginn der digitalen Mode

Swetha: Digitaler Luxus ist ein Bereich, der künftig viel mehr Aufmerksamkeit erfahren und wesentlich mehr Investitionen erhalten wird. Als Anleger dieser börsennotierten Unternehmen müssen wir meiner Meinung nach auf kreative Weise überlegen, wie wir dieses parallele Ökosystem gedeihen lassen können und wie auch die etablierten Unternehmen selbst über diese neuen Marken denken. Werden sie miteinander konkurrieren? Werden sie nebeneinander bestehen? Es ist ein Zusammenprall verschiedener Welten.

Karinna: Dies ist nicht der Beginn der digitalen Mode. Es gibt schon seit Langem die Spiele. Super Mario Brothers und Second Life haben sich beispielsweise schon vor einiger Zeit mit der digitalen Mode auseinandergesetzt. Es ist faszinierend, dass dieses Thema erst jetzt einen derartigen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Zweifellos hat die Pandemie die Notwendigkeit verstärkt und beschleunigt, unsere digitalen Identitäten zunehmend zu strukturieren und online zu kommunizieren. Ich denke, es wird eine natürliche Entwicklung bei der Optik von Profilbildern geben, z. B. ob die Leute einen Avatar haben möchten und welche Kleidung diese Avatare tragen werden. Aus Sicht der Branche war auch die Tatsache, dass viele Marken nicht in der Lage waren, physische Modenschauen aufzulegen, ein Punkt, der sie darüber nachdenken ließ, wie sie ihr Überleben durch digitale Kollektionen sichern könnten. Die Neugier der Verbraucher ist ebenfalls ein wichtiger Faktor.

Swetha: Second Life lag voll im Trend und geriet dann in Vergessenheit. Warum kann sich dieses Phänomen heute anders als vor 15 Jahren dauerhaft behaupten?

Karinna: Auswahl und Qualität, kurz gesagt. Wir haben jetzt mehrere Metaversen, Mini-Metaversen oder Spielumgebungen, auf die wir bauen können. Es gibt einen Spruch: „Nun, dafür gibt es eine App“. Wenn es ein Spiel gibt, das Ihnen gefällt, können Sie seine Ästhetik mögen und die Spiele reichen von hyperrealistisch bis zu diesen massiven Online-Multiplayer-Spielen – was bedeutet, dass die Wiedergabetreue viel stärker ist. Anders ist jetzt, dass für jeden etwas dabei ist. Vorher gab es eine Sache, die entweder diese Innovationskluft überwand oder aber auch nicht.

Swetha: Glauben Sie, dass wir in Bezug auf die erweiterte Realität und die virtuelle Realität an dem Punkt angelangt sind, an den die digitale Modebranche kommen muss, um diese Akzeptanz und Aufnahme wirklich zu beschleunigen?

Karinna: Nein. Als Verbraucher und selbst als Marken- oder Marktplatzbesitzer möchte ich, dass die Technologie heute besser ist, als sie es eigentlich ist. Davon abgesehen bin ich immer noch von vielen der unterschiedlichen Anstöße begeistert, die sich zu diesem exakten Zeitpunkt ergeben können, weil sie unsere Erfahrung und unser Verständnis fördern und uns dazu bringen, anders über Mode oder über die Marken, die diese gezielten Anstöße geleistet haben, zu denken. Betrachtet man Pixel-Streaming oder verschiedene Arten von räumlichen 3D-Umgebungen oder Augmented-Reality-„Try Ons“ zum Ausprobieren, ist das Potenzial in einzelnen Bereichen wirklich fantastisch, aber generell vielleicht nicht allzu verlässlich. Ich glaube nicht, dass es noch zwei bis drei Jahre dauern wird – ich würde sagen, in 12 bis 18 Monaten wird es große Sprünge geben.

„Ich denke, es wird eine natürliche Entwicklung bei der Optik von Profilbildern geben, z. B. ob die Leute einen Avatar haben möchten und welche Kleidung diese Avatare tragen werden.“ Karinna Nobbs.

Karinna Nobbs, Mitgründerin von The Dematerialised.

Digital Natives (in Sachen Mode)

Swetha: Die Modebranche wird heute von immer jüngeren Konsumenten bestimmt. Jüngere Millennials und die gesamte Generation Z sind effektiv sehr mit der digitalen Welt vertraut. Es gibt für sie keinen wirklichen Unterschied zwischen Online und Offline, die Grenzen scheinen sich ziemlich zu verwischen. Ist digitale Mode heute ein wirklich integrativer Raum oder wird sie in Wirklichkeit von einer Art „Krypto-Bros“ und Gamern geprägt? Denken Sie, dass sie über dieses sehr enge Segment, mit dem es begann, hinauswachsen kann?

Karinna: Vom Konzept her ist Digital Fashion irgendwie exklusiv – auch operativ gesehen – wenn man bedenkt, wer auf Instagram auf einen Augmented-Reality-Filter zugreifen kann. Die Eintrittsbarrieren sind bislang indes sehr niedrig, da man nur ein Smart Device und eine Internetverbindung benötigt. Betrachtet man jedoch den jüngsten Hype um den Bereich der digitalen Kunst und die NFTs innerhalb des Bereichs der Kunst, heißt es nun: „Oh, NFTs werden weitgehend vielleicht nur eine Modeerscheinung sein.“ Interessant ist aus meiner Sicht, dass die Blase in diesem Bereich auch von begeisterten Erstellern angetrieben wurde. Ich möchte nicht, dass das in der Modebranche passiert.

Swetha: Statistiken zeigen, dass 2.000 Käufer auf Rarible (einem Marktplatz für Kunst-NFTs) 80 % des Transaktionsvolumens ausmachen. Man bekommt leicht den Eindruck, dass alle auf diesen Zug aufgesprungen sind, während es sich tatsächlich nur um eine kleine Zahl von Leuten handelt, die da eine große Wette abschließen.

Karinna: Das ist wahr. Bei Dematerialised versuchen wir, diese Kurve etwas abzuflachen, um die Eintrittsbarrieren zu senken. Man benötigt beispielsweise kein Krypto-Wallet, um auf unserer Plattform einen NTF zu kaufen. Man kann ihn mit Fiat-Währung kaufen. Auf diese Weise beginnen wir, NFTs und digitale Mode für herkömmliche Kunden, die heute vielleicht noch über eine Haupteinkaufsstraße flanieren, leichter zugänglich zu machen.

Swetha: Dieser Verbraucher ist möglicherweise auch kein Gamer und kommt vielleicht aus einer anderen Subkultur, ist aber genauso interessiert. Das ist so ähnlich, als würde man sich eingeschüchtert fühlen, wenn man ein Louis Vuitton-Geschäft betritt, weil man vielleicht denkt, dass man nicht die Zielkundschaft ist.

Karinna: Ja, in der Tat haben wir drei sehr unterschiedliche Zielgruppen, die wir ansprechen – den Modekonsumenten, den Gaming-Konsumenten und den Krypto-Konsumenten. Sie sind in keiner Weise homogen und haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf die Benutzererfahrung; einige von ihnen wollen mehr narrative Inhalte, andere wollen eher Funktionalität. Eine weitere Tatsache, die auf jedem Markt immer wieder auftaucht, ist, dass mehr als 50 % der Verbraucher zuerst ein digitales Kleidungsstück einer Luxusmarke ausprobieren möchten. Einige von ihnen sagen, dass es darum geht, das Risiko in Zusammenhang mit einem physischen Kauf zu mindern. Es ist sehr interessant zu beobachten, welche Rolle digitale Mode im Entscheidungsprozess der Verbraucher beim Kauf physischer Güter spielen kann.

Swetha: Mich interessiert, wie Marken das Konzept der „Fangemeinde“ tatsächlich nutzen können. Ich sehe die Start-ups und die etablierten Unternehmen nicht unbedingt als Konkurrenten, sondern als recht gute Ergänzung.

Karinna: Das sehe ich auch so. Hier gibt es für jeden eine Chance und NFTs könnten in der Tat die alten Kundentreuekarten ersetzen, weil sie zur Erschließung von Erfahrungen dienen und als eine Art Ehrenzeichen verwendet werden können, um als Kenner zu gelten, weil man eben diese Dinge gesammelt hat. Menschen sind von Natur aus Sammler.

Swetha: Luxus am oberen Ende beruht auch effektiv auf der Begrenzung des Angebots, um die Begehrlichkeit zu steigern. Wie weit sind wir Ihrer Auffassung nach davon entfernt, bis es eine Art tokenisierte rein digitale Birkin-Tasche mit einer Warteliste oder einen Ferrari Testarossa in einer Farbkombination gibt, die nur dieser bestimmte Verbraucher hat? Oder warum kann man nicht ein Schmuckstück haben, das es aus physikalischen Gründen nicht geben könnte, das aber in der virtuellen Welt existieren kann?

Karinna: Es würde mich nicht wundern, wenn Hermes intern schon jetzt intensiv über diese Idee nachdenkt. Die Luxusautoindustrie wird hier wahrscheinlich schneller voranschreiten als die Mode. Und dann denke ich, dass Schmuck schneller vorankommen wird als Mode. Es ist auch einfacher, Schmuck in 3D zu modellieren. Gebrauchsgüter sehen im digitalen Format fantastisch aus.

Quelle: The Dematerialised.

Swetha: Der chinesische Verbraucher macht über ein Drittel der gesamten Luxusindustrie aus und treibt den größten Teil ihres Wachstums an, wobei viele Innovationen in der Regel in China stattfinden, bevor sie anderswo aufkommen. Ist das auch im Bereich digitale Mode und NFT zu beobachten?

Karinna: Ich habe das weniger im NFT-Bereich gesehen, aber ich würde Ihnen definitiv zustimmen, wenn es um Dinge wie die Neigung zum Kauf von virtuellen Gütern geht. Egal, ob es sich um eine virtuelle Rose für einen virtuellen Influencer oder eine virtuelle Rose für einen realen Influencer handelt, diese Barrieren sind viel niedriger und auch die Integration dieser Funktionen in die in China weit verbreiteten Plattformen ist viel einfacher. In China lässt sich mit einem kleinen Anstoß ein großes Publikum gewinnen. Beim Live-Shopping wird es interessant, wenn das stärker auf einen holografischen Kontext oder das Live-Streaming übergeht, digitale Mode jedoch als Augmented Layer verkauft wird. Bislang habe ich noch nichts Derartiges gesehen, aber es würde mich nicht überraschen, wenn das bald kommt.

„NFTs könnten tatsächlich die alten Kundentreuekarten ersetzen, weil sie zur Erschließung von Erfahrungen dienen können. Menschen sind von Natur aus Sammler.“ Karinna Nobbs.

Swetha: Glauben Sie, dass dieses Konzept der digitalen Mode in westlichen Ländern, in denen viele Menschen schon seit Langem physisch viel besessen haben, besser ankommt? In einigen anderen Ländern, die wie China an einem früheren Punkt in ihrer Konsumkurve stehen, scheint der Wunsch zum Erwerb physischer Güter immer noch sehr stark zu sein.

Karinna: Ich denke, das beruht eher auf der Persönlichkeit als auf der Geografie, weil ich Beispiele für beides gesehen habe. Das ist wirklich sehr durch die Situation und die Persönlichkeit bedingt. Es hängt auch von der Verfügbarkeit dessen ab, was Sie in Ihrer unmittelbaren Umgebung wünschen. Beispielsweise erklären einige der Softwareanbieter, mit denen wir gesprochen haben und die Dinge wie virtuelle Anprobe-Technologien erstellen, dass Länder wie die Philippinen und Indien zu den größten Nutzern ihrer Technologie gehören – und die Marken, die die Verbraucher ausprobieren, sind diejenigen, die in diesen Ländern keine starke physische Präsenz haben. Sie stellen außerdem fest, dass die Technologie von einigen Personen verwendet wird, deren physische Eigenschaften außerhalb der Standards liegen. Diejenigen Verbraucher, die in Bezug auf die Größen unter oder über der Norm liegen und somit unterversorgt sind, gehören also zu den Anwendern der neueren Technologien.

Wichtige rechtliche Informationen
Die Informationen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und gelten nicht als Anlageberatung. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Bewertungen können sich ändern und geben den Standpunkt von GAM im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen wird keine Haftung übernommen. Die Performance in der Vergangenheit ist kein Hinweis auf aktuelle oder künftige Entwicklungen. Die erwähnten Finanzinstrumente werden nur zur Veranschaulichung genannt und dürfen nicht als ein direktes Angebot oder als eine Anlageempfehlung oder Anlageberatung aufgefasst werden. Die Bezugnahme auf ein Wertpapier ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dieses Wertpapiers. Die aufgeführten Wertpapiere wurden aus dem von den Portfoliomanagern abgedeckten Wertpapieruniversum ausgewählt, um den Leser beim besseren Verständnis der vorgestellten Themen zu unterstützen. Die enthaltenen Wertpapiere werden nicht zwangsläufig von einem Portfolio gehalten und stellen keine Empfehlungen der Portfoliomanager dar.

Swetha Ramachandran

Investmentmanagerin

In Verbindung stehende Artikel

China nicht abschreiben - seine Wachstumsgeschichte setzt sich unaufhaltsam fort

Jian Shi Cortesi

Nachhaltigkeitsgebundene Anleihen («Sustainability-linked bonds, SLBs»): Welche Vorteile bieten sie Anlegern?

Andrew Dewar

The Disruptive Strategist - Halbleiter: Alles anders als bisher?

Mark Hawtin

Investment-Meinungen
Invalid MyFavouriteContentDialogViewModel detectedTitleText or MessageText is not populated