Diese Seite verwendet Cookies

Um Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu bieten, verwendet die GAM-Website Cookies. Sie können vollständige Informationen über die Verwendung von Cookies hier lesen. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig und wir empfehlen Ihnen, unsere Datenschutzerklärung hier zu lesen.

Ok

Digitaler Luxus: Die Revolution in Form von Tokens

Swetha Ramachandran, Investment Manager, Luxury Brands, erläutert die faszinierende Welt des digitalen Luxus. Mit der Ausbreitung des "Metaversums" verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen der physischen und der virtuellen Welt zugunsten neuer Investitionsmöglichkeiten.

11. Juni 2021

Eine Branche, deren Exklusivität bislang mit der Idee von Beständigkeit und Zeitlosigkeit in Verbindung gebracht wurde, verändert sich in rasantem Tempo. Es entstehen innovative Unternehmen, welche durch die Verschmelzung der Gaming-, Mode- und Kryptowelt eine neue Kultur und ein neues Umfeld für den Konsum von digitaler Kunst, Mode sowie Luxus-Sammlerartikel schaffen. Inwieweit diese Entwicklung sich als Ergänzung, als integraler Bestandteil oder letztlich als dominante Neuerscheinung gegenüber dem vorherrschenden Marken- und Einzelhandelsparadigma behaupten wird, ist die grosse Frage, vor der die Luxusindustrie steht.

Hierzu einige erstaunliche Beispiele:

  • Im Jahr 2019 verkaufte das niederländische Mode-Start-up «The Fabricant» das weltweit erste ausschliesslich in digitaler Form geschaffene Kleid mit dem Namen «Iridescence» über die Blockchain für 9'500 US-Dollar. Das Objekt existiert lediglich online und kann im Netz vollständig verfolgt und gehandelt werden. Der Gründer der Marke, Kerry Murphy, gab seine Überzeugung öffentlich bekannt, dass sein Unternehmen das erste Milliarden Dollar-Unternehmen der digitalen Modebranche werden wird. Mehr darüber finden Sie hier.
  • Im Mai 2021 veranstaltete das italienische Luxusgüterhaus Gucci im Rahmen der Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum einen Auftritt auf der Spieleplattform «Roblox», wodurch ein virtueller «Gucci Garden»-Erlebnispark im «Metaversum» entstand, in den der Teilnehmer vollständig eintauchen konnte - was anschliessend zum Wiederverkauf einer digitalen, als Sammlerstück eingestuften «Queen Bee Dionysus»-Handtasche zum Preis von 4'115 US-Dollar führte - gegenüber 3'400 US-Dollar für ein Exemplar «aus der realen Welt».
  • Am 12. Juni 2021 veranstaltete die im Vereinigten Königreich ansässige digitale Couture-Marke Auroboros ihre erste «Ready-to-Wear»-Show im Rahmen der Londoner Modewoche. Die exklusive 14-teilige Digital-Kollektion wurde dabei als Film präsentiert und von einem physischen Model getragen.

Plus ça change…

Die Luxusindustrie verändert sich, frei nach einem Zitat von Hemingway, «zunächst zögerlich, dann schlagartig». Seit ihren Anfängen in ruhigeren Tagen, als Gepäckhersteller oder Juweliere für Könige und Wohlhabende, erlebte die Welt des Luxus in jüngster Zeit zahlreiche Revolutionen: das in den 90er Jahren eingeleitete und von Bain als «sortie du temple» bezeichnete Phänomen, als Luxusmarken allmählich den Weg aus ihrem exklusiven Milieu heraus wagten, um ein breiteres Publikum anzusprechen, konsolidierte sich die Branche mit der Phase der «Demokratisierung» bzw. umfassenderen Verfügbarkeit in den frühen 2000er Jahren. Anschliessend entwickelte sich ab den frühen 2010er Jahren mit dem Aufstieg der chinesischen Mittelschicht eine bedeutende Konsumentenklientel, und schuf letztendlich die sogenannte «E-Commerce-Revolution», welche im Zuge der Covid-19-Krise aus dem Status des «nice to have» zu einer neuen Religion aufstieg.

Luxus in anderer Form als Ihre Eltern ihn kannten

Die aktuelle Umwandlung verspricht, die «revolutionärste» Entwicklung aller Zeiten zu werden - ein virtuelles Umfeld oder Metaversum (ein komplett einvernehmender, erweiterter und gemeinschaftlich besuchter virtueller Raum), in dem sich Luxusmarken etablieren können. Luxusmarken bezwecken dadurch nicht lediglich die Vermarktung oder den Verkauf ihrer Produkte, sondern vielmehr die Vermittlung ihrer Markenidentität, die Interaktion mit «Communities» und kreativen Akteuren sowie die Aufrechterhaltung des Vertrauens und der Loyalität zur Marke durch die Nutzung der Blockchain - eine von den so genannten «digital natives»- (Generation Z) und «digital biased»- (Millennials, oder Generation Y) Verbrauchern vorangetriebene Anforderung, deren Anteil auf die bis im Jahr 2025 zwei Drittel der gesamten Luxusausgaben entfallen könnten .1


Eine Revolution in Form von Tokens

Laut einer Deloitte-Umfrage zu digitalen Medientrends geben 87 % der Generation Z-Konsumenten an, dass sie mindestens einmal pro Woche Videospiele auf ihren Smartphones, Spielekonsolen oder Computern spielen. Darüber hinaus wird angenommen, dass diese Generation im Vergleich zum Konsum von Unterhaltungsmedien Videospiele um mehr als das Zweifache bevorzugt. Die daraus entstehende Verschmelzung der Grenzen zwischen der physischen Persönlichkeit der jüngeren Konsumenten und ihren virtuellen, in Spielen verkörperten Avataren eignet sich ideal für die sogenannte «Tokenisierung» – eine Dateneinheit, welche auf einem digitalen Logbuch bzw. einer Blockchain gespeichert ist und dabei Handel und Besitz (als einen von unterschiedlichsten Anwendungsvarianten) von angebotsbeschränkten Luxus-Sammelgegenständen ermöglicht, sowohl in Verbindung mit einem physischen als auch bei einem reinen Online-Kauf. Die fälschungssichere Token (non-fungible token, NFT)-Kunst der digitalen Sneaker-Marke RTFKT Studios und des Künstlers FEWOCiOUS führten zu einem Umsatz von 3,1 Millionen US-Dollar innerhalb von lediglich sieben Minuten auf dem NFT-Marktplatz Nifty Gateway. Jeder digitale Sneaker ist mit einer physischen Produktversion gekoppelt - für die Markenhersteller bietet sich somit die ideale Gelegenheit, ihre Lieferketten zu optimieren, indem sie eine digitale Version des begehrten Produkts verkaufen, während der Verbraucher auf die physische Version wartet. Eine Diskussion über NFTs aus einer anderen Perspektive finden Sie hier in einem aktuellen Artikel von Mark Hawtin von GAM Investments mit dem Titel "Crypto, NTFs and Blockchain".

Schöne neue Welt

Es wird gelegentlich behauptet, dass Menschen zur Übertreibung neigen und deshalb Ausmass und Geschwindigkeit kurzfristiger Entwicklungen überschätzen, während gleichzeitig die langfristigen Veränderungen stark unterschätzt werden. Unabhängig von der gegenwärtigen Begeisterung für NFTs zeichnet sich die Richtung einer hybriden, "phygitalen" Zukunft für die Luxusindustrie ab, mit einer Vielzahl etablierter Marken, welche zunehmend ihre Spuren hinterlassen, während die vollständig digital arbeitenden Start-ups mit voller Kraft voranschreiten. Ein partnerschaftlicher Ansatz, wie die Entwicklung der weltweit ersten globalen Luxus-Blockchain durch LVMH, Prada und die zu Richemont gehörende Marke Cartier, könnte den Weg für zukünftige branchenweite Initiativen ebnen. Das Zusammenspiel beider Alternativen könnte bedeuten, dass wir weniger als ein Jahrzehnt vom ersten rein digitalen Luxuskonglomerat der Welt entfernt sind. Als aktive Investoren werden wir diese fliessenden Entwicklungen weiterhin aufmerksam verfolgen, um das Investitionspotenzial des Luxussektors bestmöglich zu nutzen. Sicher ist, dass diese Revolution bereits im vollen Gange ist.


1Quelle: Bain-Altagamma Luxury Study 19th Edition 2020

Wichtige rechtliche Informationen
Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen dienen ausschliesslich zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und spiegeln die Sichtweise von GAM im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld wider. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen wird keine Haftung übernommen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse oder aktuelle oder zukünftige Trends. Die erwähnten Finanzinstrumente werden nur zur Veranschaulichung zur Verfügung gestellt und sind nicht als direktes Angebot, Anlageempfehlung oder Anlageberatung zu verstehen. Die aufgeführten Wertpapiere wurden aus dem von den Portfoliomanagern abgedeckten Wertpapieruniversum ausgewählt, um dem Leser ein besseres Verständnis der dargestellten Themen zu ermöglichen und werden nicht notwendigerweise von irgendeinem Portfolio gehalten oder stellen Empfehlungen der Portfoliomanager dar. Es gibt keine Garantie, dass Prognosen realisiert werden.

Swetha Ramachandran

Investmentmanagerin

In Verbindung stehende Artikel

Nachhaltigkeitsgebundene Anleihen («Sustainability-linked bonds, SLBs»): Welche Vorteile bieten sie Anlegern?

Andrew Dewar

The Disruptive Strategist - Halbleiter: Alles anders als bisher?

Mark Hawtin

Asset Manager übernehmen die Initiative bei der Bekämpfung des Klimawandels

Investment-Meinungen
Invalid MyFavouriteContentDialogViewModel detectedTitleText or MessageText is not populated