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Ausblick 2021: Selektive Aktienauswahl in Zeiten turbulenten Wandels

22. Dezember 2020

Die Covid-19-Pandemie beschleunigt unvermindert den Strukturwandel verschiedener Branchen und führt zu deutlicher Polarisierung zwischen Gewinnern und Verlierern. Amanda Lyons, Niall Gallagher und Ali Miremadi von GAM Investments lassen ein aussergewöhnliches Jahr des Wandels Revue passieren und erläutern die Bedeutung einer selektiven Aktienauswahl auf dem Weg ins Jahr 2021.

Die Covid-19-Krise hat mehrere grundlegende strukturelle Trends im Jahr 2020 stark akzentuiert und vorangetrieben, darunter die schnelle Umstellung auf digitale Technologien, die Verlagerung des Handels von „Offline“ zu „E-Commerce“ sowie eine verstärkte Konzentration der globalen Führungskräfte und Unternehmen auf die Themen Kohlenstoffreduzierung und „grüne Agenda“. Mit dem Fortschreiten der Impfprogramme im 1. Quartal 2021 werden bzw. sollten die Einschränkungen des täglichen Lebens zurückgenommen werden. Mit der Aussicht auf eine Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität dürfte das Verbrauchervertrauen wieder zunehmen. Infolgedessen erscheint es zwar als unwahrscheinlich, dass die bedeutenden strukturellen Trends abebben, zahlreiche Gewinner des Jahres 2020 weisen jedoch nicht unbedingt die aussichtsreichsten Chancen für das Jahr 2021 auf, während die im auslaufenden Jahr in Ungnade gefallenen Unternehmen bereits attraktiver werden. Im Hinblick auf das nahende Jahr 2021 sind Amanda Lyons, Niall Gallagher und Ali Miremadi, Investmentmanager bei GAM Investments, der Überzeugung, dass in ihren jeweiligen Anlageklassen erhebliche Chancen bestehen, wobei eine sorgfältige Einzelwertauswahl weiterhin entscheidend sein wird.

Amanda Lyons, Investmentmanager Technology Equities, über disruptives Wachstum

Die Covid-19-Pandemie führte zu einer Polarisierung des Marktes in sogenannte Covid-19-Gewinner und -Verlierer. Zahlreiche Tech-Aktien fallen in die Kategorie der Gewinner. Im Jahr 2020 gab es eine deutliche Verlagerung in Richtung „E-Commerce“ und Digitalisierung zu Lasten der „Offline“-Wirtschaft. Viele Unternehmen geben an, das Wachstum mehrerer Jahre in nur wenigen Monaten erzielt zu haben. Das vielleicht herausragendste Thema des Jahres war jedoch die Hinwendung zum „Homeoffice“ bzw. zur Fernarbeit. Technologie wurde zum Hauptthema in den Vorstandsetagen. Die Unternehmen stellten sicher, dass ihre Systeme robust genug waren, um gesamte Belegschaften aus der Ferne arbeiten zu lassen. Der bis dahin kaum bekannte Akteur in der Nische der Konferenzsoftware Zoom entwickelte sich schnell zu einem Gattungsbegriff für diese Technik.

Während sich viele der Gewinner des Jahres 2020 aktuell auf einem höheren Wachstumspfad als vor der Krise befinden, sind wir in zahlreichen Fällen der Überzeugung, dass sie nicht unbedingt die erfolgversprechendsten Anlagekandidaten für 2021 darstellen. Stattdessen werden einige der weniger beliebten Unternehmen des Jahres 2020 attraktiver, vorausgesetzt, die Covid-19-bedingten Einschränkungen werden aufgehoben. Die Reiseaktivitäten kamen nahezu über das gesamte Jahr 2020 zum Erliegen. Darunter litten naturgemäss Geschäftsreiseunternehmen und Reiseveranstalter. Jüngste Umfragedaten deuten darauf hin, dass insbesondere das touristische Reisen zu den wichtigsten Wünschen zählt, die Menschen sich nach der Krise erfüllen möchten. Hier besteht offensichtlich ein enormer Nachholbedarf. Gleichzeitig gehen die Konsensschätzungen davon aus, dass sich die vollständige Erholung der Reisebranche erst in einigen Jahren einstellen wird. Diese Lücke zwischen der geschätzten Erholung und der aufgestauten Nachfrage bietet eine Chance für Anleger.

Unabhängig von dieser potenziellen Rotation bei zyklischen Titeln befindet sich der Markt an einem Wendepunkt eines dauerhafteren Strukturwandels. Wir gehen von einer Welt mit Milliarden Endgeräten (Digital 3.0) in eine Welt mit Billionen Geräten (das Zeitalter des Internet der Dinge oder Digital 4.0) über. Fortschritte in Künstlicher Intelligenz (KI), die Fähigkeit, Daten zu verarbeiten, zu nutzen und zu speichern, sowie die Verbreitung von 5G ermöglichen diese rasante Entwicklung. Von diesem Thema sind unterschiedliche Wirtschaftsbereiche betroffen, insbesondere das Gesundheits-wesen, das Verkehrs- und Transportwesen, die Robotik und die Automatisierung der Informationsverarbeitung. Das zentrale Kernstück von Digital 4.0 ist die Cloud. Da die Durchdringung mit Cloud-Diensten unverändert unter 10 % liegt, sind die vor uns liegenden Möglichkeiten enorm.

Nach unserer Ansicht wird das Jahr 2020 ein Wendepunkt sein, an dem die digitale Transformation an die Spitze der Prioritätenliste rückt. Unternehmen, die im Jahr 2021 und darüber hinaus erfolgreich Technologie zu ihrem Schwerpunkt machen, werden sich von jenen abheben, die dies nicht tun. Wir beobachten diese Polarisierung seit geraumer Zeit und sie wird noch zunehmen.

Niall Gallagher - Investment Director, European Equities

Wir gehen davon aus, dass mit dem Fortschreiten der Covid-19-Impfprogramme im ersten Quartal 2021 die Einschränkungen zurückgenommen werden, das Verbrauchervertrauen wieder zunimmt und die Wirtschaftstätigkeit sich in den am stärksten betroffenen Bereichen deutlich beschleunigt. Viele Verbraucher haben dank staatlich geförderter Programme zur Erhaltung der Arbeitsplätze ihren Job nicht verloren. Angesichts der eingeschränkten Möglichkeiten für Konsumausgaben im Jahr 2020 führte dies zu einem historisch hohen Geldbestand auf den Bankkonten der Verbraucher und zu Rekord-Sparquoten. Nach unserer Meinung dürfte ein Grossteil dieser ausserplanmässigen Sparguthaben im Jahr 2021 ausgegeben wird. Allerdings wird diese Flut nicht allen Unternehmen gleichermassen zu Gute kommen, sondern es wird vermutlich weiterhin eine hohe Streuung der Erträge aufgrund von spezifischen Merkmalen einzelner Aktien geben.

Wir gehen daher unverändert sehr selektiv vor. Die Aktien europäischer Unternehmen mit starker Marktposition, hohen Erträgen über den Wirtschaftszyklus und soliden Bilanzen sollten nach unserer Meinung gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Eine starke wirtschaftliche Erholung wird die strukturellen Trends, über die wir bereits seit einiger Zeit diskutieren und die sich im Jahr 2020 beschleunigen, nicht aus der Spur bringen; dazu zählen der Aufstieg der Mittelschicht in Asien, die Umstellung von Offline- zum Online-Handel, die digitale Transformation, die Kohlenstoffreduzierung und die „Grüne Agenda“. In vielerlei Hinsicht wird das Epizentrum des Wachstums in den Teilen der Welt liegen, deren Wandel die grösste Dynamik aufweist. Es erscheint jedoch als wahrscheinlich, dass es an den europäischen Aktienmärkten zu einer verstärkten Auswahl und Chancen bei Aktien sowie anderweitig soliden Unternehmen in Bereichen kommen wird, die derzeit unverhältnismässig stark von der Covid-19-Krise betroffen sind. Strukturelle Trends werden womöglich nicht monatelang die Schlagzeilen beherrschen. Sie werden dennoch weiterhin das kombinierte operative Wachstum spezifischer, gut positionierter Unternehmen, in die wir investieren, vorantreiben.

Ali Miremadi - Investment Director, Global Value Equities, zu US-Aktien

Das Umfeld für US-Aktien wird im Jahr 2021 von mehreren mächtigen Faktoren bestimmt, die selten gleichzeitig zu beobachten sind: eine potenziell ausgeprägte wirtschaftliche Erholung, die durch Massenimpfungen ermöglicht wird. Eine unverändert ausserordentlich lockere Geldpolitik und zusätzliche stimulierende Haushaltsmassnahmen sind darüber hinaus als wahrscheinlich einzustufen. Allein schon vor diesem Hintergrund sind die Aussichten für Aktienanlagen als positiv einzuschätzen. Dem gegenüber stehen zwei wichtige Aspekte: die im historischen Vergleich hohe Bewertung von Aktien und die Inflationsaussichten. Wir erwarten kurzfristig die Fortsetzung der marktweit zu beobachtenden Outperformance von Value- und zyklischen Titeln aufgrund der jüngsten Aufholjagd. Andererseits gehen wir davon aus, dass relativ bald, womöglich bereits im ersten Quartal 2021, die Marktrenditen titelspezifischer und weniger systemisch ausfallen werden. Die Logik dahinter ist einfach. Seit der globalen Finanzkrise sind Aktienerträge weitgehend Beta- und Faktor-getrieben. Kurz zusammengefasst: in einer Welt mit niedrigem Wachstum und sehr niedrigen Zinsen lauteten die beiden erfolgreichen Ansätze, in Risikopapiere wie Aktien zu investieren und innerhalb dieser Assetklasse möglichst hoch in Wachstumstiteln engagiert zu sein. Der wichtigste einzelne Treiber dafür war der anhaltende Rückgang der langfristigen Zinsen von 2008 bis 2020. Es ist rein mathematisch unmöglich, dass sich dies wiederholt. Das bedeutet, dass Anleger für die Zukunft nicht die gleiche zwangsläufige Höherbewertung wachstumsorientierter Titel erwarten können. Stattdessen erwarten wir, dass in Zukunft das durch Titelselektion generierte Alpha das dominierende Performance-Merkmal des US-Aktienmarktes sein wird.

Kurzfristig werden die Gewinnmargen voraussichtlich im vierten Quartal 2020 ihren Tiefpunkt erreichen und sich anschliessend schnell erholen. Das Umsatz-Gewinn-Verhältnis („Operating Leverage“) sollte sich mit der Erholung der Wirtschaft deutlich verbessern. Die Aussichten für den Arbeitsmarkt lassen es unwahrscheinlich erscheinen, dass der Lohndruck von Bedeutung sein wird. Es gibt einige mögliche politische Massnahmen, die dieses Bild beeinflussen könnten. Der designierte Präsident Biden befürwortet die Anhebung des landesweiten Mindestlohns auf 15 USD pro Stunde sowie die Anhebung der Körperschaftsteuer von 21 % auf 28 % auf Bundesebene. Es ist möglich, dass eine weniger merkantilistische Aussenhandelspolitik auch die Zölle von derzeit insgesamt 3,2 % unter der aktuellen Regierung senken könnte. In diesem Zusammenhang wird das Ergebnis der Stichwahl zum Senat in Georgia Anfang Januar wichtig sein.

Wir gehen davon aus, dass die Marktbreite zunehmen wird. Big Tech dürfte beim Gewinnwachstum im S&P 500 in Zukunft voraussichtlich weniger dominieren, als es im Jahr 2020 der Fall ist. Zu Beginn des Jahres 2021 sollten sich nach unserer Meinung Industrie- und Rohstoffwerte gut entwickeln. Wir erwarten, dass sich die relative Outperformance von Unternehmen mit positiver ESG-Bilanz fortsetzen wird. Titel aus dem Gesundheitswesen sollten sich nach der Pandemie gut entwickeln, unterstützt durch den Fortfall der mit der US-Wahl verbundenen politischen Unsicherheit. Einige Teile des Technologiesektors sind nach jedem Massstab eindeutig sehr teuer. Dennoch finden wir unverändert selektive Chancen für Engagements in längerfristige Themen wie 5G und das Internet der Dinge. Darüber hinaus existieren Möglichkeiten für Engagements im Bereich E-Fahrzeuge zu angemessenen Bewertungen. Wir präferieren derzeit Aktien der Wohnungswirtschaft, wo eine jahrelange Zurückhaltung im Wohnungsbau das Angebot beeinträchtigte. Wir erkennen hier eine starke Nachfrage, die durch die Finanzierbarkeit dank historisch niedriger Hypothekenzinsen angetrieben wird. Darüber hinaus fördert die am Ende der Pandemie solide Finanzlage der Privathaushalte das Vertrauen. Die jüngste Verlagerung der Immobiliennachfrage von der Stadt ins Umland wirkt zudem positiv für Bauherren, die mehr an Häusern als an Stadtwohnungen interessiert sind.

Wichtige Hinweise
Die Angaben in diesem Dokument dienen nur der unverbindlichen Information und sind nicht als Anlageberatung zu verstehen. In diesem Dokument enthaltene Meinungen und Beurteilungen können sich ändern und entsprechen dem Standpunkt von GAM im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen wird keine Haftung übernommen. Die genannten Finanzinstrumente werden nur zur Veranschaulichung angegeben und sind nicht als direktes Angebot, Anlageempfehlung oder Anlageberatung zu verstehen. Die in der Vergangenheit erzielte Wertentwicklung ist kein verlässlicher Hinweis für die laufende oder zukünftige Entwicklung.
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