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Schweizer Aktien: Vom Gegenwind zum Rückenwind

Dienstag, 9. Mai 2017

Nach der globalen Finanzkrise reagierten überall in der industrialisierten Welt Führungskräfte von Unternehmen mit einem Abbau der Verschuldung in den aufgeblähten Bilanzen und Kostensenkungen auf die ausserordentliche Geldpolitik und die schwache Konjunkturdynamik. Die Anstrengungen der Unternehmen zum «Abspecken» sind zwar allgemein lobenswert, doch die Bemühungen der Schweizer Unternehmen verdienen besondere Erwähnung, hatten diese doch während dieses Prozesses mit einem kräftigen Gegenwind zu kämpfen.

In den USA beispielsweise hat die US-Notenbank für die Unternehmen günstige Rahmenbedingungen mit einer hohen Liquidität und wenig Volatilität geschaffen. Die geldpolitischen Bemühungen der Schweizerischen Nationalbank zielten hingegen in erster Linie darauf ab, die unablässige Stärke des Schweizer Franken zu zügeln und die damit einhergehende Verschärfung der geldpolitischen Bedingungen zu begrenzen. Dies hat sich als ein recht einseitiger Kampf entpuppt, bei dem Systemkrisen und geopolitische Ereignisse die Akteure an den Devisenmärkten darin bestärkten, nach als «sicher» geltenden Währungen Ausschau zu halten.

Nach der Lehman-Pleite von 2008 folgte sehr bald die Griechenland-Krise von 2010. Und während die Länder in Europas Südhälfte mit der Finanzierung ihrer Schulden Mühe hatten, konnte die Schweizerische Nationalbank (SNB) die gewaltige Nachfrage nach dem Schweizer Franken nicht zügeln, obwohl sie allein im Jahr 2016 Fremdwährungen für CHF 67 Mrd. kaufte. Alles in allem wertete der Franken zwischen Ende 2007 und Mitte 2011 um fast 50% auf. Die SNB führte anschliessend im September desselben Jahres die Untergrenze von CHF 1.20 je Euro für den Wechselkurs ein – eine Massnahme, an der sie mehr als drei Jahre lang festhielt, um Zeit für den Anpassungsprozess der Wirtschaft und der Unternehmen zu gewinnen. Doch es kam, wie es kommen musste: Der erzwungene, aber doch unerwartete Entscheid der SNB vom Januar 2015, die Kopplung an den Euro aufzugeben, wurde zum Auslöser für eine weitere Aufwertung des Franken.

In diesem schwierigen Umfeld ergriffen die Schweizer Unternehmen weitreichende Schritte, um ihre Effizienz zu verbessern. Dies war ein besonders wichtiger Schwerpunkt für Unternehmen, die auch Auslandserträge erwirtschaften. Sie litten stärker unter den vorherrschenden Bedingungen als Unternehmen, die auf die Binnenwirtschaft ausgerichtet sind. Folglich beruhte die Rally, die wir bei Schweizer Aktien beobachten konnten, nicht auf höheren Gewinnen, sondern auf einem Anstieg der Bewertungen – auch wenn in den letzten zwölf Monaten erfreulicherweise steigende Gewinne festzustellen sind.

Anleger, die in Schweizer Aktien investiert sind, stehen nun vor der wichtigen Frage, wie sie sich vor potenziellen Abwärtsrisiken schützen können, die auf die anscheinend erhöhten Bewertungen zurückgehen. Wir glauben, die Antwort liegt darin, nach Unternehmen Ausschau zu halten, die ihre Erträge und Umsätze organisch steigern können, da sich dies rasch auf die Gewinne niederschlägt. Hierbei sollte berücksichtigt werden, dass die Bewertungen attraktiver werden, wenn höhere Gewinne erzielt werden, ohne dass der Aktienkurs im selben Masse steigt. Die Merkmale, auf die wir achten, sind daher strukturelles Wachstum, eine gute Wettbewerbsstellung, hohe Kapitalrenditen, Margensteigerungen und eine internationale Ausrichtung.

Für die unmittelbare Zukunft erkennen wir in der Tat zwei wichtige Faktoren, welche die Entwicklung am Schweizer Aktienmarkt antreiben dürften:

Erstens – auf der Mikroebene – die Unternehmen, die nun sehr «schlank» sind, nachdem sowohl die Zulieferketten als auch die Produktion optimiert wurden. Ausserdem hat die Konjunkturschwäche in der Eurozone den Anstoss zu Wachstumsinitiativen, zum Ausbau der geografischen Präsenz und zu beträchtlichen Innovationen gegeben. Zweitens – auf der Makroebene – die Länder in Europa und die Schwellenländer, die sich in den letzten Jahren zwar als besonders schwach entpuppt haben; die Daten fallen nun allerdings deutlich ermutigender aus. Diese Kombination, dass Unternehmen zum einen in einer guten Verfassung sind und zum anderen Rückenwind von der Konjunktur erhalten, dürfte zu Anhebungen der Gewinnprognosen führen. Angesichts dessen halten wir eine stark übergewichtete Position in Small und Mid Caps, da diese ein grösseres Gewinnsteigerungspotenzial besitzen. Wir erwarten, diese Positionierung beizubehalten, solange wir keine Belege für eine bevorstehende Rezession erkennen und die Bewertungsdifferenz nicht zu gross wird.

Insgesamt schätzen wir Schweizer Aktien trotz der hohen Bewertungen nach wie vor positiv ein, da wir glauben, dass das Niedrigzinsumfeld weiterhin Unterstützung bieten wird. Ein Risiko geht natürlich von einem etwaigen markanten Anstieg der Anleihen Renditen aus; weitere Gefahren würde eine globale Rezession bergen. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass eines dieser Szenarios in naher Zukunft eintreten wird.


Wichtige rechtliche Hinweise
Die Angaben in diesem Dokument dienen lediglich zum Zwecke der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und geben die Ansicht von GAM unter den derzeitigen Konjunkturbedingungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Die vergangene Performance ist kein Indikator für die laufende oder künftige Wertentwicklung.
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