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Technologie ist überall

21. Januar 2020

Kann der Technologiesektor in seinem eigenen Vakuum existieren, wenn keine Branche vor dem Phänomen Disruption gefeit ist? Mark Hawtin von GAM Investments untersucht die allgegenwärtige Natur von Technologie und hinterfragt die Effektivität der aktuellen Benchmarkindizes.

In den vergangenen zehn Jahren veränderte sich der Einsatz von Technologie in allen Branchen grundlegend. Dank des Siegeszugs des Smartphones ist die Welt mittlerweile über Milliarden von Geräten vernetzt. Dies bietet grossen neuen plattformbasierten Unternehmen die Möglichkeit, traditionelle Geschäftsmodelle zu revolutionieren. Amazon dominiert den weltweiten Einzelhandel. Google und Facebook eroberten einen Grossteil der globalen Werbebranche. Netflix veränderte das Gesicht des Medienkonsums und Tesla das Autofahren. Im abgelaufenen Jahrzehnt entwickelte sich die Technologie von einer von Soft- und Hardware dominierten vertikalen Strukturierung zu einer wirtschaftlichen, horizontal durchdrungenen Struktur, in der die Art und Weise, wie Technologie eingesetzt wird, eine erheblich wichtigere Rolle spielt als die Technologie selbst.

Wir streben immer danach, Technologie als eine Möglichkeit zu nutzen, in die weltweit wachstumsstärksten Themen zu investieren. Die Kombination aus einem traditionellen Treiber gemäss dem mooreschen Gesetz (das besagt, dass die Geschwindigkeit und die Leistungsfähigkeit von Computern zunehmen, während die Kosten sinken) mit dem neueren Effekt des metcalfeschen Gesetzes (das das Wachstum eines Telekommunikationsnetzes misst) bedeutet, dass die Technologie nicht mehr der vorrangige Treiber der Effizienz und Produktivität von bestehenden Geschäftsmodellen ist. Vielmehr bietet sie Unternehmen die Chance, bei Null anzufangen und in jedem konsum- oder unternehmensorientierten Sektor wahrhaft disruptive und konkurrenzfähige neue Modelle zu entwickeln. Kurz gesagt durchdringt die Technologie alles und es erscheint nicht mehr sinnvoll, den Technologiesektor als einen vernünftigen Massstab dessen zu betrachten, was die Technologie heute bietet. Tatsächlich könnte ein aktiv gemanagter Fonds, der sich ausschliesslich an der traditionellen Technologiedefinition orientiert, viele der disruptivsten Unternehmen verpassen, die sich mittlerweile auf dem Markt befinden.

Dies ist auch den Indexanbietern S&P und MSCI nicht entgangen, die im 4. Quartal 2018 die bisher tiefgreifendste Veränderung an ihren Indizes vorgenahmen. Um den Endmarkt für Technologie besser zu reflektieren, verschoben sie Facebook und Google vom Technologiesektor in den Kommunikationssektor. Ebenso wurden Netflix und Disney vom Sektor der zyklischen Konsumgüter in den Kommunikationssektor umgesiedelt. Gemessen an der Marktkapitalisierung wurden insgesamt 10% der Indizes neu klassifiziert. Dies ist das bisher deutlichste Anzeichen der Auswirkungen der Technologie. Im weitesten Sinne stellt der Gesamtmarkt die wahre Benchmark für die Technologie und ihre disruptive Natur dar. Wir sind jedoch der Ansicht, dass der globale «Growth»-Index die eindeutig zutreffendste Unterkategorie repräsentiert, da darin Unternehmen enthalten sind, deren Wachstum primär auf dem Einsatz von Technologie beruht.

Nach unserer Einschätzung wird der Netzwerkeffekt die disruptive Kraft der Technologie in Verbindung mit neueren, schnell wachsenden Technologien wie künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, Big Data und Blockchain zusätzlich antreiben und die Polarisierung zwischen Gewinnern und Verlierern wird zunehmen. Denken Sie an die letzten zehn Jahre im Einzelhandel, in denen der «E-Commerce» das traditionelle Geschäft zerstörte und bedeutende Anteile des Werbemarktes zu digitalen Anbietern wie Facebook und Google abgewanderten. Stellen Sie sich nun diesen Grad der Veränderung bei Finanzdienstleistungen, im Gesundheitswesen, im Sektor für langlebige Konsumgüter und in anderen Bereichen vor. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Weshalb sollte die vertikal ausgerichtete Struktur des Technologiesektors in der Lage sein, dieses Thema sinnvoll darzustellen? Nach unserer Einschätzung trifft dies schlicht nicht mehr zu.

Die offensichtlich hervorragende Performance des Technologiesektors im vergangenen Jahr verkompliziert das Bild ein wenig. Diese Entwicklung wurde davon angetrieben, dass die Welle der Disruption alle Boote unaufhaltsam (und nach unserer Einschätzung zu Unrecht) mit sich nahm. Dies berücksichtigt nach unserer Überzeugung jedoch nicht die Tatsache, dass es mittlerweile seit zehn Jahren keinen Konjunkturabschwung mehr gab. Daher gibt es keine Möglichkeit, die zyklische Komponente zu messen, die insbesondere im Halbleiter- und Hardwaresektor eine Rolle spielen wird, sollte der Zyklus nach unten drehen. Nach unserer Einschätzung werden ein Abschwung und ein vollständiger Zyklus deutlicher zeigen, dass die wertvollsten und effektivsten Technologieinvestments nicht mehr in der Technologievertikale anzutreffen sind und der Technologie-Index daher keine angemessene Benchmark mehr darstellt.

Um dies deutlicher zu veranschaulichen, untersuchten wir die Performance wichtiger Unternehmen seit dem Höchststand des S&P 500 vor der grossen Finanzkrise. Das war am 11. Oktober 2007 – die seither vergangene Zeit entspricht einem nahezu vollständigen Zyklus, der vom Höchststand zur Talsohle und von dort aus wieder zum nächsten Höchststand verläuft. Der viel gepriesene Halbleiterindex ist seit diesem Datum um das 3,6-Fache und damit wesentlich schneller als der breitere MSCI World Technology Index gestiegen, der in dieser Zeit um das 2,6-Fache stieg (in beiden Fällen bei Wiederanlage der Dividenden).

Wie war die Performance der meisten disruptiven Modelle in diesem Zwölfjahreszyklus: Der Wert von Apple, dem Marktführer bei Smartphones, stieg in dieser Zeit um das 11-Fache. Netflix, der Schöpfer eines völlig neuen Modells für den Medienkonsum, verzeichnete einen atemberaubenden Höhenflug um das 97-Fache. Amazon, der digitale Disruptor im Einzelhandel, stieg um das 19-Fache, während Visa und MasterCard, die Disruptoren der Barzahlung, um das 12- bzw. 17-Fache kletterten. Sie alle stellten Teilsektoren (wie die Halbleiterbranche), die derzeit so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, während wir auf der Scheitelwelle einer zehnjährigen Hausse schwimmen, weit in den Schatten. Vergleichen Sie damit die Performance von ausgereiften Technologien aus der Welt vor den Smartphones: Der Wert von Nokia und Ericsson fiel um 87% bzw. 35%. Blackberry verschwand mit einem Minus von 93% fast völlig von der Bildfläche. Den langjährigen Giganten etablierter Technologien erging es nicht viel besser: Cisco legte in diesen zwölf Jahren 40% zu, Intel 120%, Dell 11% und IBM 14%, während die Unternehmenswerte von Juniper und HP Inc. fielen.

Letztendlich geht es bei Investments in Technologie nicht mehr um das, was Technologie eigentlich darstellt. Es dreht sich nicht mehr um Chips, Gehäuse und Basissoftware – die Sektoren, die den grössten Teil des Technologie-Index ausmachen. Es geht darum, wie diese Technologien und ihre neueren Erscheinungsformen tatsächlich zur Gestaltung von Geschäftsmodellen verwendet werden, und um Unternehmen, die die Investitionen in diese «Rohstoffe» nutzen, um vielfach höhere Erträge zu erzielen. Dies ist der Grund für unsere feste Überzeugung, dass ein breiterer Index nicht nur aussagekräftiger wäre, sondern unerlässlich ist. Das ist auch der Grund für unsere Einschätzung, dass der «alte» Technologiesektor bald nur noch als eine andere Version des Grundstoffsektors angesehen werden wird – vielleicht mit etwas mehr Flair als Kupfer oder Eisenerz, aber im Grunde eben doch zyklisch und ohne die disruptiven Merkmale der wahren Gewinner von heute.

Wichtige rechtliche Hinweise
Die Angaben in diesem Dokument dienen lediglich zum Zwecke der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und geben die Ansicht von GAM unter den derzeitigen Konjunkturbedingungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Die vergangene Performance ist kein Indikator für die laufende oder künftige Wertentwicklung. Die genannten Unternehmen wurden aus dem von den Portfoliomanagern abgedeckten Anlageuniversum ausgewählt, um der Leserschaft die vorgestellten Themen besser zu verdeutlichen. Die Unternehmen sind nicht notwendigerweise in einem Portfolio enthalten, und die angeführten Beispiele stellen keine Empfehlungen der Portfoliomanager dar.