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Die US-Wahl und ihre Auswirkungen

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11. November 2020

Nachdem nun feststeht, dass Joe Biden der 46. Präsident der Vereinigten Staaten wird (ungeachtet der Anfechtung des Ergebnisses durch Trump), befassen sich die Fondsmanager von GAM Investments mit den möglichen Auswirkungen auf ihre jeweilige Anlageklasse.

Gesundheitswesen

Christophe Eggmann, Investment Director und Dr. Jenna Denyes, Senior Healthcare Analyst, Healthcare Equities

Der Rauch um die US-Wahlen verzieht sich allmählich, doch einiges war schon längere Zeit absehbar und unsere Prognose eines gespaltenen Kongresses scheint sich zu bewahrheiten. Die Anzahl der Sitze könnte sich noch immer leicht zugunsten der einen oder der anderen Partei verändern. Die von vielen Beobachtern erwartete «blaue Welle» blieb jedoch aus. Für den Gesundheitssektor hätte ein deutlicher Sieg der Demokraten vermutlich negative Konsequenzen in Form sinkender Medikamentenpreise gehabt. Eine republikanisch dominierte Regierung birgt jedoch ebenfalls Risiken für diese Branche, da der Oberste Gerichtshof an Teilen des «Affordable Care Act» (ACA) festhält. Eine gespaltene Regierung stellt letzten Endes das beste Ergebnis für den Sektor dar. Aufgrund unserer Übergewichtung in Biotechnologie und Pharma gehen wir davon aus, dass es sich sowohl auf unsere Engagements als auch auf diese Teilsektoren insgesamt positiv auswirken wird. Umfassende, gravierende Änderungen sind in naher Zukunft nicht zu erwarten, was die Anleger in diesem Bereich beruhigen dürfte. Nach unserer Einschätzung wird der endgültige Ausgang der Präsidentschaftswahl dieses erfreuliche Ergebnis für den Sektor nicht trüben.

Technologie

Amanda Lyons, Investment Manager, Technology Equities

Nun ist offiziell bekannt, dass Biden die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Ein Aspekt im Zusammenhang mit der Wahl, der den Technologiesektor definitiv beeinflusst, ist das Referendum in Kalifornien. In diesem Staat wurde nicht nur über den Präsidenten abgestimmt, sondern auch über Prop. 22, das als Gegenvorschlag zum kalifornischen Gesetz AB5 eingebracht wurde, welches besagt, dass Unter-Auftragnehmer als Angestellte zu behandeln sind und damit Anspruch auf Sozialleistungen und Mindestlohn haben. Prop. 22 fordert, dass die Unter-Auftragnehmer weiterhin als «Selbstständige» eingestuft werden, räumt ihnen jedoch gewisse Zusatzleistungen ein (allerdings ausschliesslich für tatsächlich abgeleistete Arbeitszeiten, nicht für Wartezeiten). Zum Berichtszeitpunkt waren 80% der kalifornischen Stimmen ausgezählt – mit einem Ergebnis von 58% für Prop. 22.

Dies stellt ein wichtiges Signal für Konzerne wie Uber und Lyft dar, aber auch für Lebensmittellieferdienste wie Grubhub und DoorDash (Privatunternehmen). Sowohl Uber als auch Lyft haben 100 Millionen US-Dollar in die Kampagne investiert, um Prop. 22 durchzusetzen. Ein Scheitern hätte ihre Kosten erheblich in die Höhe getrieben und ihre Geschäftsmodelle infrage gestellt. Vor allem aber hätten infolge einer mehrheitlichen Ablehnung von Prop. 22 in Kalifornien andere Bundesstaaten ähnliche Gesetze auf den Weg gebracht, was nun tendenziell unwahrscheinlich ist.

Für Biden dürfte eine Regulierung des Technologiesektors nach dem Amtsantritt kaum Priorität haben – Gesundheit und Wirtschaft werden sicher im Vordergrund stehen. Sowohl Trump als auch Biden haben angekündigt, «Section 230» des im Jahr 1996 für eine kommerziellere Regelung des Internets erlassenen «Communications Decency Act» aufzuheben. Ihre Einwände gegen das Gesetz rühren aus völlig gegensätzlichen Motivationen. Trump befürchtete die Zensur konservativer Meinungsäusserungen, während Biden eher über gefährliche Inhalte besorgt ist, die als übermässige Stimmungsbeeinflussung von rechts interpretiert werden könnten.

Bislang hat sich Biden wenig zu den Technologieriesen geäussert und noch keine politischen Berater für den Bereich Technologie ernannt. In Interviews liess er bereits durchblicken, dass es ihm mehr um Content-Moderation als um Wettbewerbspolitik geht. Die Demokraten des Repräsentantenhauses legten einen Bericht vor, der wesentliche Änderungen des Kartellrechts befürwortet. Danach soll das Aufkaufen kleinerer Wettbewerber begrenzt und der Warenverkauf dahingehend beschränkt werden, dass eigene Produkte auf eigenen Plattformen angeboten werden, was insbesondere Amazon belasten würde. Im Kartellrecht soll der Schaden für Arbeitnehmer oder Innovationen berücksichtigt werden, anstatt ausschliesslich der Schaden für Konsumenten. Eine grosse Sache – bedenkt man, dass das Hauptargument der Konzerne bisher lautete, der Konsument erhalte die Produkte kostenlos, wo liege da der Schaden? Darüber hinaus plädiert der Bericht für eine Aufstockung der Mittel an die «Federal Trade Commission», deren Tätigkeit derzeit durch beschränkte Budgets beeinträchtigt wird. Sollte Biden diesen Bericht unterstützen, wäre dies ein herber Schlag für den Technologiesektor. Eine Änderung des Kartellrechts kann jedoch Jahre in Anspruch nehmen und dürfte bis vor den Obersten Gerichtshof gehen.

Asiatische und chinesische Aktien

Jian Shi Cortesi, Asia/China Growth Equities

Im Hinblick auf asiatische Aktien schätzen wir Bidens Wahlsieg insgesamt positiv ein. Es ist davon auszugehen, dass er eine weniger aggressive Handelspolitik verfolgen wird als Trump, was den asiatischen Exporten zugutekommen dürfte, insbesondere Export-orientierten Ländern wie Korea, China und Singapur.

Chinesische Aktien dürften ebenfalls von der Präsidentschaft Bidens profitieren. Trumps Handelskrieg und seine harte Haltung gegenüber China und chinesischen Technologieunternehmen lösten in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Korrekturen bei chinesischen Aktien aus. Wir sind zwar der Meinung, dass die Rivalität zwischen den USA und China anhalten wird, doch Biden wird vermutlich einen zunehmend weniger zerstörerischen Weg einschlagen, um die wirtschaftlichen, handelspolitischen und finanziellen Bande mit China zu lösen. Kurzfristig wird der neue Präsident mit innenpolitischen Themen beschäftigt sein und sich um COVID-19 und die Wiederherstellung der Wirtschaft sowie der von Trump gekappten Beziehungen kümmern. Deshalb ist in naher Zukunft nicht mit wesentlichen China-Massnahmen der Regierung Biden zu rechnen. Für die amerikanisch-chinesischen Beziehungen bedeutet dies eine relativ stabile Phase, was die Marktstimmung in China heben dürfte.

Ein grösserer Risikofaktor ist Bidens Fiskalpolitik, mit der er die Steuern für US-amerikanische Unternehmen erhöhen und somit ihre Gewinne schmälern könnte. Der US-Aktienmarkt ist der überwiegende Stimmungsmacher der globalen Märkte. Löst die Besorgnis um eine höhere Unternehmenssteuer hier eine Verkaufswelle aus, könnte sich diese weltweit an den Märkten fortsetzen. Dieses Szenario würde sich auf die Aktienmärkte Asiens ebenfalls nachteilig auswirken.

Hypothekenbesicherte Wertpapiere

Tom Mansley, Investment Director, Asset Backed Fixed Income

Der grösste Faktor, der die Fiskalpolitik nach der Wahl beeinflussen könnte, ist ein nach wie vor von den Republikanern kontrollierter Senat und damit das Ende der «blauen Welle», die zahlreiche Medien vorhergesagt hatten. Dies würde bedeuten, dass es zu einer rationaler handelnden Regierung kommt, da neue Gesetze nur als Ergebnis von Verhandlungen beider Parteien zustande kämen. Die Corona-Hilfsmassnahmen dürften weniger umfangreich ausfallen, während die Inflationserwartungen und die Anleihenrenditen relativ stabil blieben.

Wohnimmobilien werden vom Einzug der demokratischen Regierung im Weissen Haus voraussichtlich profitieren, da sich ihre Politik weitgehend positiv auf den Wohnimmobilienmarkt auswirkt, beispielsweise durch Steuererleichterungen für geringverdienende Mieter oder für den Kauf des ersten Eigenheims bzw. den Plan, staatliche und lokale Steuern wieder abzugsfähig zu machen. Selbst wenn diese Massnahmen nicht umfänglich im Senat durchgesetzt werden können, hat sich das Kräfteverhältnis zumindest zugunsten einer Partei verlagert, die den Wohnsektor begünstigt. Zudem würde ein Senat mit einer republikanischen Mehrheit dafür sorgen, dass deutliche Steuererhöhungen ad acta gelegt werden, was Hauseigentümern zugutekommt.

Dennoch gilt es zu beachten, dass diese Faktoren besicherte Gewerbehypotheken, etwa für Bürogebäude und grosse Einkaufszentren, nicht zwangsläufig begünstigen, da die Demokraten nicht planen, diese institutionellen Eigenkapitalanteile zu retten. Auch Agency-MBS könnten gut abschneiden, da die Biden-Regierung die Privatisierung von Fannie Mae und Freddie Mac nicht mit dem gleichen Nachdruck verfolgen wird wie Trump.

Die Hypothekenzinsen fielen in der vergangenen Woche auf ein Rekordtief von 2,78% seit Beginn der Aufzeichnungen durch Freddie Mac im Jahr 1971. Dies hält einerseits die derzeit starke Nachfrage nach Wohneigentum aufrecht, da es für neue Käufer erschwinglich bleibt, und erlaubt andererseits Eigentümern, ihre Zinszahlungen durch Refinanzierung zu verringern. Mit einem geteilten Kongress und einem geringeren Zinserhöhungsdruck dürften Wohnimmobilien länger erschwinglich, die Nachfrage nach Wohneigentum hoch und die Kreditwürdigkeit von bestehenden Eigentümern solide bleiben, da geringere Hypothekenzahlungen erforderlich sind. Vor den Lockdowns aufgrund von COVID-19 lag die Arbeitslosenquote in den USA auf einem Rekordtief von 3,5%, und der Wohnimmobilienmarkt war so stark wie eh und je. Der enorme Anstieg der Arbeitslosigkeit (der Höchststand lag bei über 14%) verursachte Unsicherheit am US-amerikanischen Wohnimmobilienmarkt. Mittlerweile sank die Quote wieder unter 7%, und die neu gewählte Regierung wird versuchen, Arbeitslosenhilfen aufzustocken, um Zahlungsrückstände gering zu halten.

Gleichzeitig ist der Bestand an zum Verkauf stehenden Häusern extrem geschrumpft. Hypothekenbanken haben Schwierigkeiten, mit dem Volumen an Hypothekenkäufen und Refinanzierungen Schritt zu halten. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die jüngsten Preisanstiege bei Immobilien nicht auf eine Lockerung der Kreditanforderungen zurückzuführen sind. Im Gegenteil – das durchschnittliche FICO-Rating neuer Hypotheken für Käufe ist in diesem Jahr sogar gestiegen. Der Bestand an Wohnimmobilien, die zum Verkauf stehen, hat ein Allzeittief erreicht, und dies bei gleichbleibend hoher Nachfrage und erschwinglichen Preisen, gemessen an den historischen Standards. Unterm Strich dürfte die neue Regierung den Wohnimmobilienmarkt sowie Konsumentenkredite positiv beeinflussen. Der Case-Shiller National Home Price Index lag 5,7% über dem Wert vom vergangenen Jahr und wir erwarten, dass er sich weiterhin gut entwickeln wird.

Wichtige rechtliche Informationen
Die Informationen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und den Standpunkt von GAM im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld widerspiegeln. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen übernommen. Die Performance in der Vergangenheit ist kein Indikator für die aktuelle oder zukünftige Entwicklung. Die erwähnten Finanzinstrumente dienen lediglich der Veranschaulichung und sind nicht als Direktangebot, Anlageempfehlung oder Anlageberatung zu verstehen.
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