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VARPS : Zeit zum Nachdenken

7. Mai 2019

Tim Love, Investment Director bei GAM Investments, schildert die enormen Chancen, die ein Engagement in Frontier Markets bieten kann, und erläutert seine Meinung zu den Aussichten für Vietnam, Argentinien, Rumänien, Pakistan und Saudi-Arabien im Jahr 2019. Er weist jedoch gleichzeitig darauf hin, dass es unerlässlich ist, die Entwicklung dieser Märkte stets aufmerksam zu beobachten.

Vor einigen Jahren tauchte die Bezeichnung «BRICS» auf, ein Kürzel für eine Gruppe von Ländern – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika –, die als Wachstumsmotoren der Welt angesehen wurden. Da einige dieser Länder in den Folgejahren Wirtschaftskrisen oder politische Veränderungen erfuhren, begannen die Anleger, ihren Blick auf Frontier Markets zu richten – Länder, die interessante Wachstumschancen bieten, sich aber in einer früheren Phase des Entwicklungszyklus befinden.

Unsere bevorzugten Frontier Markets sind die sogenannten VARPS: Vietnam, Argentinien, Rumänien, Pakistan und Saudi-Arabien. Diese Länder boten Anlegern in den vergangenen Jahren hervorragende Chancen zur Gewinnerzielung. Nachfolgend erläutern wir unsere Marktprognosen für das laufende Jahr.

Vietnam

Vietnam hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt, und wir beurteilen das Land weiterhin sehr positiv. Im letzten Jahrzehnt wies das Land ein starkes und stabiles Wirtschaftswachstum aus, das sich auch 2019 fortsetzen dürfte. Die eingeleiteten Reformen ermöglichten Vietnam eine Steigerung seiner landwirtschaftlichen Exporte wie beispielsweise Fischereierzeugnissen und Kaffee, währenddessen seine zunehmende Beliebtheit als Urlaubsziel zu einer Vielzahl von Bauprojekten führte. Zudem sorgt die wachsende Mittelschicht in Sektoren wie der Milchwirtschaft für Auftrieb, da die Konsumenten ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf gesunde Lebensmittel und eine vollwertigere Ernährung richten. Darüber hinaus sind wir davon überzeugt, dass die Aufnahme Vietnams in den MSCI Index, die im Laufe dieses Jahres erfolgen wird, für anhaltend hohe Bewertungen sorgen wird.

Allerdings musste Vietnam im letzten Monat erste Fälle der afrikanischen Schweinepest bestätigen. Obwohl ein Risiko besteht, dass sich die Seuche weiter ausbreitet, wurde sie bisher auf die Nordprovinz an der Grenze zu China eingegrenzt. Wir werden die Entwicklung aufmerksam verfolgen.

Argentinien

Die Regierung von Mauricio Macri bemüht sich nach Kräften, Argentinien durch diverse Reformen wieder zu einem Anlageziel zu machen. Nach unserer Einschätzung stellt das Land jedoch ein politisches Risiko mit anhaltenden Währungsproblemen dar.

Wir sind davon überzeugt, dass diverse innenpolitische Probleme und ein breit angelegtes Programm geldpolitischer und fiskalischer Straffungsmassnahmen für eine Fortsetzung der Rezession auch in diesem Jahr verantwortlich sein werden. Es wird interessant sein, die weitere Entwicklung der Reformen zu beobachten. Allerdings könnte es klüger sein, abzuwarten, bis einige dieser Gegenwinde nachlassen. Aus diesem Grund halten wir ein reduziertes Engagement in lokal notierten Wertpapieren argentinischer Unternehmen für ratsam. American Depositary Receipts (ADRs) stellen eine bessere Möglichkeit dar, in argentinische Aktien zu investieren. Sobald es Argentinien jedoch gelingt, seine wirtschaftliche Rezession und die Volatilität seiner Währung zu überwinden, stellen der Banken- und der Stromsektor des Landes sehr attraktive Anlagemöglichkeiten dar.

Rumänien

Rumänien ist im Wesentlichen eine typische «Wette auf die Konvergenz» zur Europäischen Union (EU) und hat im Laufe der Jahre von zahlreichen starken Rückenwinden profitiert. Beispielsweise verfügt das Land über eine eigene Währung, den rumänischen Leu, den die Zentralbank durch ein kontrolliertes Floating steuert, um Wechselkursschwankungen zu reduzieren. Darüber hinaus profitierte Rumänien vom EU-Wiederaufbaufonds, und die lokalen Unternehmen erzielen sehr gute Fortschritte in der Erfüllung von ESG-Kriterien (ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Kriterien). Insgesamt fördern diese Faktoren die Attraktivität Rumäniens als interessantes Anlageziel.

Ende 2018 schockierte die rumänische Regierung die Anleger jedoch mit einer Steuer auf den Bankensektor des Landes. Damit löste sie einen Kursrutsch rumänischer Bankaktien aus und signalisierte eine sozialistischere Regierungspolitik. Die Ratingagenturen drohten daraufhin, ihre Ausblicke für Rumänien zu senken. Zudem kritisierten die Mitglieder des Euroblocks und die rumänische Zentralbank diesen Schritt heftig, woraufhin die Bankensteuer teilweise wieder rückgängig gemacht wurde. Damit bleibt jedoch unsicher, wie das Land das Defizit im Staatshaushalt in den Griff bekommen möchte.

Aus diesen Gründen sind wir bei Anlagen in Rumänien vorsichtiger geworden und nehmen vorerst eine abwartende Haltung ein. Um zu einer optimistischeren Einschätzung zurückzukehren, bedarf es unserer Meinung nach einer Änderung der Regierungspolitik.

Pakistan

Die Kurse pakistanischer Aktien schossen zur Mitte des Jahres 2018 in die Höhe, nachdem MSCI die Aufnahme der Aktien des Landes in den Emerging Markets Index angekündigt hatte.

Das Land mit einer beachtlichen Bevölkerung von 97 Millionen Menschen profitiert von zahlreichen Infrastrukturprojekten im Rahmen des USD 46 Mrd. umfassenden sogenannten Chinesisch-Pakistanischen Wirtschaftskorridors. Es gibt aber auch einige Risiken, insbesondere die zunehmenden Spannungen in der Kaschmir-Region und das hohe Leistungsbilanzdefizit des Landes. Aktuell liegen die Bewertungen jedoch in einem ausserordentlich attraktiven Bereich. Insbesondere Zementunternehmen – einfach aufgebaut und politisch unkompliziert - werden von uns favorisiert. Darüber hinaus bieten sie eine Möglichkeit, auf den Bauboom im Land zu setzen.

Saudi-Arabien

Dank eines enormen Privatisierungsprogramms, das staatliche Vermögenswerte freisetzen soll, bietet Saudi-Arabien nach unserer Einschätzung attraktivere Investmentgelegenheiten. Die neue, reformfreudige Regierung strebt nach einer stärkeren Diversifikation der Wirtschaft, um sich von der Abhängigkeit von Rohöl zu lösen. Saudische Versicherungsunternehmen und Banken dürften die Nutzniesser eines solchen Schritts sein. Sofern sich die richtigen Gelegenheiten ergeben, könnte Saudi-Arabien im Laufe des Jahres 2019 aus der Anlageperspektive eine Überlegung wert sein.

Im Endeffekt lohnt es sich nach unserer Einschätzung, Engagements in Frontier Markets in ein Schwellenländerportfolio einzubeziehen, vor allem, weil sie Zugang zu den kommenden Wachstumsmärkten bieten, die zu gegebener Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit in den MSCI EM Aktienindex aufgenommen werden. Ferner sind wir der Ansicht, dass diese Frontier Markets zusätzliche Diversifikation in ein breiteres Schwellenländerportfolio bringen. Aufgrund ihrer geringeren Liquidität im Vergleich zu höher entwickelten Schwellenmärkten wie China oder Indien weisen sie von Natur aus keine Korrelation zu den Schwellenländern als Ganzem auf. Wie bereits oben hervorgehoben, kann das politische und wirtschaftliche Klima dieser Länder jedoch volatil sein, sodass es wichtig ist, jede Veränderung aufmerksam zu beobachten.


Wichtige rechtliche Hinweise
Die Angaben in diesem Dokument dienen lediglich zum Zwecke der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und geben die Ansicht von GAM unter den derzeitigen Konjunkturbedingungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Die vergangene Performance ist kein Indikator für die laufende oder künftige Wertentwicklung.
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