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FondsManagerPortrait: Jian Shi Cortesi

9. Mai 2019

Schon seit ihrer Kindheit, geht Jian Shi Cortesi gerne mit Geld um. Mit ihrem Eintritt bei GAM Investments im Jahr 2010 machte sie ihre Leidenschaft zum Beruf und übernahm die Verantwortung für ein asiatisches und ein chinesisches Aktienportfolio.

«Mit der Zeit habe ich meine eigene Philosophie gefunden, eine Mischung aus wertorientierten- und Wachstumsansatz, unter Betonung unterschiedlicher Aspekte dieser Konzepte. Ich finde Wachstumsunternehmen interessant, die ihren Umsatz und ihr Ergebnis ausbauen können und gleichzeitig vernünftig bewertet sind. Auch wenn wir vielleicht anfangs etwas zu viel zahlen müssen, kann ein Unternehmen bei gutem Wachstum schon nach ein paar Jahren äusserst attraktiv sein. Beim wertorientierten Ansatz geht es dagegen allein darum, einen geringen Preis zu zahlen und eine Sicherheitsmarge zu haben.»

Kindheit in China

Jian Shi Cortesi wuchs in China auf, wo sich bereits in der weiterführenden Schule ihr Interesse im Umgang mit Geld zeigte. «Ich bot meiner Familie an, mich um die Finanzen zu kümmern. Ich verwaltete die Haushaltskasse, überwachte den Kauf von Verbrauchsgütern und Lebensmitteln, erfasste die Ausgaben und zahlte die Rechnungen. Es machte mir Spass und gab mir das Gefühl, wichtig zu sein.»

Ihre Eltern, beide Ingenieure, legten grossen Wert aufs Sparen. Die junge Jian begleitete ihren Vater regelmässig zur Bank, die auf sie eine grosse Faszination ausübte. «Ich machte meinen Bachelor in Peking und verdiente mein erstes Geld mit Nachhilfeunterricht in Englisch, Übersetzungen und als Reiseführerin. Eines Tages fragte ein Bekannter meinen Vater, ob er in eine Firma investieren wolle, die kurz vor dem Börsengang stand. Mein Vater lehnte ab, aber mein Interesse war geweckt und ich steckte meine ganzen Ersparnisse in dieses Unternehmen. Es war der Telekommunikationsanbieter CITIC Guoan Information Industry, dessen Aktienkurs sich bereits nach wenigen Monaten verdoppelte.»

Der Aktienkauf und die attraktiven Erträge begeisterten Jian Shi Cortesi so sehr, dass sie begann, Anlagen-Research zu betreiben. «Die meisten Bücher in China befassten sich mit dem Versuch, die Marktentwicklung vorherzusagen. Ich ergänzte dies, indem ich Fachartikel und Kursdiagramme studierte. Rückblickend kann ich sagen, dass nichts davon so richtig gut funktionierte. Mitte der 1990er bis in das Jahr 2000 gab es in China eine Hausse. Deshalb war es bei jeder gekauften Aktie wahrscheinlich, dass sie stieg.»

Nach dem Bachelor-Abschluss in Internationaler Betriebswirtschaftslehre arbeitete Jian Shi Cortesi bei Dow Jones in Peking als Redakteurin für asiatische Märkte. «Bei dieser Aufgabe wuchs mein Interesse für Aktienanlagen, sodass ich im Jahr 2000 ein MBA-Studium in den USA anhängte und weitere Fachliteratur zu diesem Thema las. Die Bücher über Benjamin Graham und Warren Buffett inspirierten mich dazu, eigene Ideen für meine Investitionen zu entwickeln.» Sie verschlang alles, was an Literatur über Buffett zu finden war, und erwarb Aktien an Berkshire Hathaway, woraufhin sie an den jährlichen Hauptversammlungen in Omaha teilnehmen durfte. «Seine Philosophie hat mich geprägt», so Jian Shi Cortesi.

Die Umsetzung ihres Traums

In den USA arbeitete sie zunächst als Aktienanalystin und später als Anlagestrategin mit dem Schwerpunkt asiatische Aktien. «Ich wollte schon immer gerne Fondsmanagerin werden. Nachdem ich im Jahr 2009 einen Schweizer geheiratet hatte, zogen wir in die Schweiz, was mich im Jahr 2010 zu GAM führte. Hier konnte ich meinen Traum verwirklichen.»

Wie Jian Shi Cortesi sagt, konzentrierte sie sich zu Beginn auf wertorientierte Anlagen und versuchte herauszufinden, welche Anlagen im Vergleich zu ihrem tatsächlichen Wert günstig waren. «Ich tappte einige Male in die ‹Value-Falle› und machte Fehler. Doch mit der Zeit nahm ich auch Wachstumsaspekte in meinen Ansatz auf. In Asien und China bieten Wachstumsaktien die besten Chancen. Nicht selten erzielen sie über eine lange Zeit hinweg Umsatz- und Gewinnwachstum.» Sie erweiterte ständig ihr Wissen mit Fachliteratur und lernte aus ihren eigenen Fehlern, wenn Unternehmen nicht die erwarteten Ergebnisse verzeichneten.

Fokus auf die richtigen Marktbereiche

Jian Shi Cortesi ist überzeugt, dass man sich zuerst auf die richtigen Bereiche konzentrieren muss, bevor man in einen bestimmten Markt investiert. «Auch ein mittelmässiger Stockpicker kann richtig gut abschneiden, wenn er an der richtigen Stelle ansetzt. In den 1980ern war zum Beispiel Japan besonders attraktiv, in den 1990ern Technologie und in den 2000ern Rohstoffe. Bei meiner Arbeit betrachte ich China und Asien insgesamt, um herauszufinden, wo sich die besten Gelegenheiten auftun. Aktuell sind die grossen Trends Konsumwachstum und technologischer Fortschritt – diese Bereiche wachsen schneller als die übrige Wirtschaft, was sich in ihrem Ertragspotenzial niederschlägt. Deshalb konzentriert sich meine Aktienauswahl derzeit auf diese Bereiche.» Sie meidet indes Sektoren wie die Schwerindustrie und Rohstoffe, die ihrer Ansicht nach nicht vom Konsumaufschwung profitieren werden.

Das Ergebnis ist ein konzentriertes Portfolio mit einer Diversifikation in Wachstumsaktien und Substanzwerten. Wachstumsaktien, von denen Jian Shi Cortesi in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine gute Performance erwartet, möchte sie beibehalten. «Normalerweise geben wir sie erst auf, wenn sie stark überbewertet sind – wobei das mitunter schwer zu beurteilen ist. Entpuppen sie sich als ‹Shooting Stars› [d. h., sie wachsen wesentlich schneller als erwartet], verkaufen wir sie. Substanzwerte veräussern wir dagegen, sobald die Bewertungen ausgeschöpft sind oder sich die Fundamentaldaten des betreffenden Unternehmens verschlechtern.»

Neben dem Aufspüren von Chancen rund um technologische Innovationen sind Konsumausgaben infolge der aufkeimenden Mittelschicht, vor allem in China, ein weiteres zentrales Thema. «Insgesamt steigt das Einkommen der Mittelschicht. Was geschieht mit diesem Geld? Es fliesst in zyklische Konsumgüterunternehmen und wird für Gesundheit, Finanzdienstleistungen und Versicherungen ausgegeben.»

Jian Shi Cortesi weiss, dass Asien sowohl für seine Technologiehardware als auch für Tourismus, hauptsächlich in Südostasien, bekannt ist. Deshalb konzentriert sie sich auf die Stärken, die noch ausgebaut werden können.

Kurzfristige und langfristige Erfolgserlebnisse

Ihre Freizeit widmet sie vor allem der Familie. «Die Arbeit ist meine Leidenschaft. Ich liebe meinen Beruf, aber ich habe auch ein traditionelles Familienbild und verbringe gerne Zeit mit meinem Mann und meinem achtjährigen Sohn. Mein Mann hat viele Hobbys, zum Beispiel Wein oder Reisen, und trifft sich gerne mit Freunden.» Ihr Interesse für den Umgang mit Geld und für Banken hat Jian Shi Cortesi ganz offensichtlich an ihren Sohn weitergegeben, der gern Kassierer spielt.

Einen Ausgleich zu ihrem Arbeitsalltag findet sie in der Gartenarbeit, bei der sie sich entspannen kann. «Ich finde es schön, Sträucher zu schneiden, zu säen und Blumen zu pflanzen. Dadurch komme ich an die frische Luft. Im Gegensatz zum Fondsmanagement, wo man manchmal einen langen Atem braucht, bringt die Gartenarbeit schnelle Erfolgserlebnisse. Harte Arbeit und ein fester Wille genügen im Portfoliomanagement nicht immer, um die gewünschten Ergebnisse zu erreichen. Im Garten zeigen sich sehr schnell die Früchte meiner Arbeit.»

Seit Kurzem besucht sie auch einen Flamenco-Kurs und räumt scherzhaft ein, dass sie dafür vielleicht mehr Begeisterung als Talent hat.

Jian Shi Cortesi erklärt, dass der Berufsverband für Chartered Financial Analysts (CFA) ihr Leben in Bezug auf ihren Beruf und ihren Wohnort stark beeinflusst hat. Sogar ihren Ehemann hat sie bei einer CFA-Konferenz kennengelernt. «Ich bin aktives Mitglied der CFA Society Switzerland und engagiere mich seit dem Jahr 2012 ehrenamtlich für den Verband. Demnächst werde ich in den Verwaltungsrat eintreten. Es gibt mir ein gutes Gefühl, einen Beitrag zu leisten und etwas zurückzugeben.»

Die Vielfalt Asiens

Obwohl ihr Anlageprozess in den USA entwickelt und durch westliche Investoren beeinflusst wurde, ist sich Jian Shi Cortesi der Bedeutung ihres kulturellen Hintergrunds sowie ihrer lokalen Kenntnisse bewusst, wenn sie in China investiert. «Dass ich in China aufgewachsen bin, ist ein grosser Vorteil. Die Abläufe in Branchen, Sektoren und Unternehmen ändern sich meist schneller als anderswo, sodass man sehr beweglich sein muss.»

«Ich spreche regelmässig mit meinen Kollegen Ernst Glanzmann und Reiko Mito, die für unsere japanischen Fonds verantwortlich sind. Sie setzen auf langfristiges, qualitätsorientiertes Wachstum. Das würde mir auch gefallen, doch dieser Stil lässt sich nicht so einfach auf China anwenden. Insgesamt ist die Region Asien sehr vielseitig, zum Beispiel wenn man die Unterschiede zwischen Ländern wie Thailand und Korea betrachtet. Europäische Länder haben dagegen mehr Gemeinsamkeiten. Es ist schwierig, sich in jedem Land perfekt auszukennen. Deshalb kann ich aufgrund meines Hintergrundwissens in China mehr in die Tiefe gehen. In anderen Teilen Asiens konzentriere ich mich eher auf Large-Cap-Unternehmen.»

Dass sie die Portfolios von der Schweiz aus verwaltet, eröffnet ihr neue Perspektiven, findet Jian Shi Cortesi. «Manche Informationen kommen bei mir ein paar Stunden später an als an den lokalen Märkten, aber ich richte mich ohnehin selten nach den Meldungen. Bei meinem Ansatz geht es weniger um Schnelligkeit. Zudem fallen mir, wenn ich nach Asien reise, Veränderungen auf, die mir entgehen würden, wenn ich dort leben würde. Sie springen mir regelrecht ins Auge, was ich für einen Vorteil halte. Ich werde weniger abgelenkt und lasse mich nicht von lokalen Stimmungen beeinflussen. Mit einer gewissen Distanz kann ich entspannter bleiben und auch mal Ideen verfolgen, die sich nicht am allgemeinen Konsens orientieren. Man braucht eine starke Persönlichkeit, um ein eigenständiges Denken zu wahren.»

Trotz allem bleibt sie bescheiden. Dass sie erst kürzlich von der Zeitschrift Investment Week im Rahmen der Women in Investment Awards 2018 als Fund Manager of the Year nominiert worden ist, erwähnt sie nicht, obwohl sie darauf zu Recht stolz sein kann. Die Auszeichnung wird Frauen in der gesamten Branche für besondere Leistungen verliehen.


Wichtige rechtliche Hinweise
Die Angaben in diesem Dokument dienen lediglich zum Zwecke der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und geben die Ansicht von GAM unter den derzeitigen Konjunkturbedingungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Die vergangene Performance ist kein Indikator für die laufende oder künftige Wertentwicklung.
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