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Fondsmanagerportrait: Julian Howard

30 Dezember 2019

Nachdem er zunächst eine juristische Berufslaufbahn ins Auge gefasst hatte, wurde Julian Howard Investment Writer. Er trat im Jahr 2007 bei GAM Investments ein, wo er ins Investment Management wechselte und jetzt Lead Investment Director des Londoner Teams für Multi-Asset-Lösungen ist.

Er hat ein grosses Interesse an den USA, sowohl in persönlicher als auch in beruflicher Hinsicht. Kürzlich wurde er in der Branchenrangliste Wealth Manager’s Top 100 for 2019 aufgeführt, einer jährlichen Analyse der führenden Fondsselektoren Grossbritanniens und der Kanalinseln.

Zurück zu den Grundlagen

Der Finanzsektor lebt von Veränderungen. Seit der Erfindung des Bankwesens im Italien des vierzehnten Jahrhunderts streben Finanzfachleute unentwegt nach Innovation – immer mit Blick auf den «nächsten grossen Coup». Julian Howard, mit 20 Jahren Erfahrung ein Veteran der Branche, betrachtet diese Entwicklung als zirkulär. Inmitten des ganzen Wirbels um Kryptowährungen und «Big Shorts» ist er der Ansicht, dass am Ende alles auf Aktien hinausläuft.

«Alle Nicht-Aktienanlagen reduzieren im Endeffekt den Hebel eines Portfolios. Eine Abkürzung gibt es nicht. Es ist weder einfacher noch komplexer als das.»

Die Einfachheit liegt seiner Meinung nach am Instrument. Eine Aktie ist möglicherweise der grundlegendste Baustein des Fondsmanagements, ein Anspruch an die menschliche Fähigkeit zur Innovation und gewinnbringenden Verwertung neuer Ideen. Die Komplexität ergibt sich dagegen zumindest zum Teil aus der Gier. Als 2008 die globale Finanzkrise ausbrach, brachte sie ein tückisches System aus vor Fachbegriffen strotzenden Hintertürgeschäften mit abstrakten Instrumenten zutage, die von den wenigsten verstanden wurden, erklärt Julian Howard.

Heute beobachtet er ein «blindes Vertrauen in exotische Alternativen», das angesichts ihrer Unzuverlässigkeit ebenso rätselhaft ist. «Wir haben erkannt, dass sich ein überlegenes Wachstum hauptsächlich daraus ergibt, Unternehmen zu besitzen. Das war nicht immer so. Früher gab es keine grosse Unterscheidung zwischen ausgewogenen, wachstumsorientierten und vorsichtigen Ansätzen, da alles die meiste Zeit funktionierte – Hedgefonds und Anleihen warfen konstant Erträge ab. Die Asset Allocation spielte keine Rolle. Inzwischen ist sie möglicherweise wichtiger als je zuvor.»

Die Folgen sehen

Als Lead Investment Director für Multi-Asset-Lösungen bei GAM in London hat Julian Howard seine Fähigkeit geschärft, mit einem Umfeld im ständigen Wandel zurechtzukommen. Er begann seine Berufslaufbahn bei JP Morgan, wo in er New York das anspruchsvolle Schulungsprogramm des Unternehmens absolvierte. Zunächst arbeitete er einige Zeit in der Handelsabteilung für US-Treasuries, bevor er zur Käuferseite wechselte. Er erinnert sich an seinen ersten Eindruck von Amerika als dynamisches und vielfältiges Land. Vor allem die Finanzbranche strahlte eine Intensität aus, die im Rechtswesen, seiner ersten Berufswahl, einfach fehlte.

«Ein Rechtsanwalt berät, muss aber in der Regel nicht mit den Folgen seiner Ratschläge leben. Als Investmentmanager müssen Sie sie tragen. Ich wollte die Folgen sehen und daraus in der Folge bessere Entscheidungen ableiten. In dieser Hinsicht ist das Finanzwesen strukturell lohnender.»

Trotz ihrer offensichtlichen Unterschiede weisen Rechts- und Finanzwesen gewisse zentrale Ähnlichkeiten auf, wie Julian Howard einräumt. «Bei einer Kapitalanlage muss zunächst die Sachlage beurteilt werden. Ständig muss man Überzeugungsarbeit leisten – bei Kunden und anderen Fondsmanagern, aber auch bei den Vertriebsteams. Es ist ein konstantes Verkaufsgespräch. Wie in dem Film Glengarry Glen Ross geht es immer um den Abschluss.»

Dieser Film handelt von einer Gruppe konkurrierender Immobilienmakler, die in einem Verkaufswettbewerb gegeneinander antreten. Jeder setzt seine eigenen Methoden ein, um sein Ziel zu erreichen. Julian Howard bedauert den Verlust des Individualismus in der Investmentbranche. «Manager, die Mitarbeitende einstellen, sind nicht bereit, Geduld für einen Kandidaten aufzubringen, der nicht gleich voll loslegen kann», stellt er fest. «Die jüngeren Kollegen betrachten ihre Ausbildung als Vorqualifikation. Da sich die Branche immer stärker spezialisiert und der Wettbewerb unglaublich hart geworden ist, wächst der Anteil der Neueinsteiger, die sich seit ihrem 18. Lebensjahr mit nichts anderem beschäftigt haben als mit Wirtschaft oder Finanzwesen.»

Julian Howard sieht es jedoch in der Investmentbranche durchaus als vorteilhaft an, wenn jemand unterschiedliche Lebenserfahrungen und Qualifikationen mitbringt. «British Airways stellt zum Beispiel nicht gerne Piloten ein, die bereits eine private Fluglizenz haben. Die Fluggesellschaft möchte die Kandidaten selbst schulen, statt jemanden einzustellen, der bereits Routine hat. Jemand, der sich bisher nicht mit Kapitalanlagen befasst hat, aber in diese Branche wechseln möchte, kann sich jederzeit in die Vorgehensweise eines Unternehmens wie GAM einarbeiten – und dabei etwas Neues einbringen. Wir müssen Schulung zu einem Teil der aktuellen Bemühungen um Vielfalt machen.»

Der Investmentmanager verkörpert selbst diese Philosophie. Als ehemaliger Geschichtsstudent kam er im Jahr 2007 zu GAM, zunächst als Investment-Kommunikationsmanager im Managed Portfolios Investment Team, das seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1983 bestand. Er ist überzeugt, dass diese spezialisierte Rolle für die grosse Bedeutung der Kommunikation stand, obschon sie ein ungewöhnlicher erster Schritt auf dem Weg zu seiner letztendlichen Funktion als Fondsmanager war. «Dass jemand aus dem Marketing, IT/Operations oder irgendeinem anderen Teil des Geschäfts Investmentmanager wird, kommt heute praktisch nicht mehr vor. Das ist sehr schade. Diese Kompetenzen können eine einzigartige Perspektive eröffnen. Den Rest kann man sich über berufliche Qualifikationen und Erfahrung aneignen.»

Die Kunst des Verhandelns

Wo erkennt Julian Howard Anlagechancen? « Wir interessieren uns für alles, was mit den USA zu tun hat. In turbulenten Zeiten fliesst Kapital nach Amerika. Der US-Dollar ist die dominante Währung. Die amerikanischen Kapitalmärkte sind die besten der Welt und US-Manager erzielen dank ihrer darwinistischen Geisteshaltung konstant gute Ergebnisse.» In der Tat wächst die US-Wirtschaft trotz der kontroversen Regierung beständig weiter – mit einem annualisierten BIP-Wachstum von 3,1% im ersten Quartal 2019.

Er verweist aber auch auf das 2009 erschienene Buch American Rust von Philipp Meyer (deutscher Titel: Rost), einen von den Kritikern hochgelobten Roman, der die Ausgrenzung der amerikanischen Arbeiterklasse thematisiert. Vor dem Hintergrund der Post-Industrialisierung und -Globalisierung in Amerika veranschaulicht die Handlung die landesweite Depression im Zusammenhang mit dem «neuen goldenen Zeitalter». Julian Howard bezeichnet das an John Steinbeck erinnernde Werk als «etwas deprimierend». Doch trotz des düsteren Themas stellt er fest: «Letztendlich lautet die Botschaft, dass immer noch Hoffnung auf eine massvollere Haltung und einen vernünftigen Ansatz in der Zukunft besteht. Wenn wir die Globalisierung richtig bewerten, können alle davon profitieren.»

Aus der Investmentperspektive erkennt er den analytischen Kontrast des Buches zwischen den gut geführten Unternehmen der USA und den sozialen Herausforderungen des Landes.

«Es geht darum, wie sehr sich Amerika verändert hat. Als Land sind die USA mit enormen Herausforderungen in den Bereichen Erwerbsbeteiligung, Waffenkontrolle, Opioide und vielen weiteren konfrontiert. Das Buch bringt das wirklich gut auf den Punkt.»

Trotzdem ist Julian Howard der Ansicht, dass die dauerhafte Sonderstellung der USA zum grossen Teil der konstant erstklassigen Führung von Wirtschaftsinstitutionen und Unternehmensleitungen zu verdanken ist, zusammen mit der Vorrangstellung des US-Dollars. Die gute Nachricht laute, wie er abschliessend bemerkt, dass das «Beste der USA» dank der grossen, liquiden Kapitalmärkte für internationale Anleger leicht zugänglich sei.

Anlageregeln

Julian Howard ist in Grossbritannien geboren und aufgewachsen und fasst seine bisherige Berufslaufbahn als Streben nach einem besseren Verständnis der Welt zusammen. Mit dieser Haltung ist sein Ansatz für Kapitalanlagen sehr international.

«Der Grundgedanke besteht darin, die Welt um uns herum zu beurteilen und Entscheidungen auf dieser Basis zu treffen», erklärt er. «Wenn man richtig liegt, ist das fantastisch. Im Hinblick auf diesen intellektuellen Anspruch betrachte ich den Beruf des Investmentmanagers als einen der besten der Welt und es ist wirklich sehr befriedigend, Erträge für den Kunden zu erzielen.»

Er hat sich der Theorie verschrieben, dass die Verwaltung von Geld weniger kontinuierlichen Input erfordert, als uns viele in der Branche glauben machen wollen. Bill Gates zitierte einst einen Ratschlag, den ihm Warren Buffett gegeben hatte: «Aktivität ist kein Ersatz für Ernsthaftigkeit.»

Julian Howard sieht darin eine gute Beschreibung seiner eigenen Anlagephilosophie. Die bekannte Redensart «Geld arbeiten lassen» hält er für einleuchtend, da Aktien den menschlichen Fortschritt abbilden. In Stocks for the Long Run (deutscher Titel: Aktien für die Ewigkeit) identifiziert sein Investmentvorbild Jeremy Siegel eine langfristige Rendite von 6,6% als typisch für Aktienanlagen. «Die intellektuelle Herausforderung besteht darin, die Grundregeln von Kapitalanlagen zu identifizieren. Danach sollte man aber nicht zu viel überlegen.»

Wie er schon sagte: «Es ist weder einfacher noch komplexer als das.»

Wichtige rechtliche Hinweise
Die Angaben in diesem Dokument dienen lediglich zum Zwecke der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und geben die Ansicht von GAM unter den derzeitigen Konjunkturbedingungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Die vergangene Performance ist kein Indikator für die laufende oder künftige Wertentwicklung.