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Fondsmanagerportrait - Ernst Glanzmann

Donnerstag, 5. März 2020

Detektivarbeit im BilanzdschungelAktive Japanfonds haben es nicht leicht in einer Welt, die tausende spannender Anlagethemen bietet. Die Aktienblase und mindestens ein verlorenes Jahrzehnt haben vielen Investoren das Interesse am Land der aufgehenden Sonne genommen. Ernst Glanzmann, der sich seit 25 Jahren mit Japan beschäftigt, hat naturgemäss eine andere Sicht der Dinge und erklärt, warum sich Anleger die Chance auf gute Renditen dort nicht entgehen lassen sollten.

Das Timing hätte sicher besser sein können: Direkt nach dem Platzen der Aktienblase im Jahr 1989 fing Ernst Glanzmann in seinem neuen Job als Junior-Aktienanalyst für Japan bei der Bank Leu an. An den holprigen Start erinnert er sich noch gut: „Ich musste mich binnen kürzester Zeit in eine Materie einarbeiten, von der ich zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatte. Nach dem fulminanten Bullenmarkt ging es plötzlich nur noch abwärts und jeder wollte von mir wissen, wie es nun weitergeht. Das war wirklich ein Sprung ins kalte Wasser.“ Das Interesse an der Aktienanalyse hat ihm dieser holprige Start allerdings nicht verleidet: „Ich wollte Analyst werden, weil mir die Detektivarbeit gefällt, die dazugehört um ein Unternehmen wirklich zu verstehen. Ich will auch die Leichen im Keller finden, wenn es denn welche gibt.“

Stress bedeutet weniger Fehler

Glanzmanns „Praktikerkarriere“ wäre vermutlich heute in dieser Form gar nicht mehr möglich. Schliesslich wird mittlerweile kein Analyst mehr ausgebildet, der keinen Hochschulabschluss vorweisen kann. Er begann seine Laufbahn in der Finanzbrache jedoch mit einer Banklehre bei einer kleinen Schweizer Regionalbank. Die nächsten Stationen führten ihn nach Zürich an die Börse, wo er für die Zürcher Kantonalbank in der Börsenabrechnung arbeitete. „An der Wertpapierwelt war ich schon immer interessiert“, erklärt Glanzmann, „auch wenn dieser Job vor allem ein Papierkrieg war.“ Dem Börsengeschehen nochmal ein Stück näher kam Glanzmann dann als Börsentelefonist bei der Bank Leu. „Damals wurde der Handel auf dem Parkett ausgeführt, wo sich die Händler am Ring gegenseitig die Orders zuriefen. Um das Börsenparkett verteilt waren die Telefonisten-Büros. Dort nahmen Bankmitarbeiter die Aufträge der Kunden telefonisch entgegen, um dann zu den Händlern am Ring zu sprinten, damit diese sie sofort ausführen konnten. Der Job war oft richtig hektisch, doch eine erstaunliche Lehre habe ich daraus gezogen: Wenn wir sehr viel zu tun hatten, passierten keine Fehler. Wenn es aber ruhig war, haben sich Fehler eingeschlichen.“

Der Sprung nach ganz oben

Im Jahr 2000, nach 10 Jahren als Analyst bei der Bank Julius Bär wechselte er intern auf eine Stelle als Junior-Portfoliomanager für japanische steht. Glanzmann präzisiert: „Ein iPhone besteht aus etwa 1'000 Teilen, davon stammen die Hälfte aus japanischer Produktion. Entsprechend sind solche Komponentenhersteller in unseren Fonds vertreten. Des Weiteren setzen wir auf Einzeltitel aus den Branchen IT, Automation, Gesundheitsausrüstung und dem Konsumgüterbereich. Bei der Automation geht es nicht nur um reine Maschinenhersteller, sondern auch um die Optimierung der Produktionsabläufe – seit Jahrzehnten eine Spezialität der Japaner.“

Um immer auf dem Laufenden zu bleiben reist Glanzmann zusammen mit seiner Co-Managerin Reiko Mito, die selbst Japanerin ist, jedes Jahr mehrere Wochen nach Japan. Allerdings ändern sich auch dort die Zeiten. Glanzmann erinnert sich: „Wenn ich in meinen Anfangsjahren eine Fabrik besucht habe, glich das einem Staatsbesuch. Es war neben der japanischen auch noch die Schweizer Flagge gehisst und die Arbeiter standen Spalier wenn ich aus dem Wagen stieg. Ein ziemlich surreales Gefühl.“ Er ergänzt: „Dieses kleine Beispiel zeigt schon wie unterschiedlich die Kultur in Japan ist. Ich finde das sehr faszinierend. Und als von Natur aus neugieriger Mensch bin ich Neuem gegenüber generell sehr aufgeschlossen.“ 

Passion Reisen

Diese Neugierde treibt Glanzmann auch in seiner Freizeit in entlegene Winkel dieser Erde. Die unwirtlichsten Gegenden, Nordpol und Südpol, hat er bereits besucht. „Natürlich darf man sich eine organisierte Reise zum Nordpol nicht vorstellen wie in einer Fernsehdokumentation über die frühen Entdecker. Wir wurden hingeflogen, somit war der Aspekt körperlicher Fitness eher vernachlässigbar. Den Südpol erreichte ich per Schiff. Die dort lebenden Kaiserpinguine sind von allen meinen Reisen noch immer die schönste Erinnerung. Sie sind ebenfalls sehr neugierig und kommen ganz nah heran, wenn man in die Hocke geht und sich ruhig verhält.“

Abseits ausgetrampelter Pfade unterwegs zu sein zieht sich durch Glanzmanns Biographie. „An meine Reise nach Indonesien in den 1980er-Jahren denke ich immer wieder gerne zurück. Das Land war damals noch nicht sonderlich touristisch erschlossen, was man auch den Menschen dort anmerkte. Ich habe nie so eine Herzlichkeit erfahren wie dort.“ Doch es muss nicht immer nur die Ferne sein. Gerne ist Glanzmann im Berner Oberland unterwegs zum Wandern und Skifahren. Nicht unweit davon wuchs er in der Gegend von Huttwil zusammen mit seinem Bruder in einem kleinen Dorf auf einem Bauernhof auf. „Natürlich musste ich auf dem Hof meiner Eltern mithelfen bis ich die Banklehre begann. Allerdings konnte ich mir ein Leben als Landwirt nicht vorstellen. Dankenswerterweise hat mein Bruder später den Hof übernommen und führt ihn jetzt weiter.“ 

Pläne für die Pensionierung

Auch wenn bis dahin noch viele Jahre vergehen werden, befasst sich Glanzmann schon jetzt mit der Zeit nach seiner Karriere: „Ich interessiere mich hobbymässig für das Malen mit Ölfarben. Um allerdings die nötige Musse dafür zu haben, denke ich, dass ich das ernsthaft erst nach meiner Pensionierung betreiben werde.“ Bis dahin bleibt er den schönen Dingen des Lebens zugeneigt: „Ich würde mich schon als Geniesser bezeichnen. Beispielsweise bin ich immer auf der Suche nach guten Restaurants und spiele auch gerne mal eine Runde Golf.“ Daher freut er sich auch schon wieder auf seinen nächsten Trip nach Japan: „Ich wurde bisher noch nie in einem Restaurant enttäuscht. Man kann gehen wohin man will, der Service ist immer zuvorkommend, das Essen immer erstklassig.“ So lässt Glanzmann bei einem guten Abendessen nochmal die Erkenntnisse des Tages Revue passieren und ist zufrieden wenn er wieder ein paar Leichen im Keller, oder aber viel besser, ein paar viel versprechende Anlageideen finden konnte.

 



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