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Fondsmanagerportrait: Tim Love

30. Oktober 2018

Gemeinsam mit seinem langjährigen Kollegen Joaquim Nogueira verwaltet Tim Love bei GAM Investments seit vielen Jahren Portfolios mit Schwellenländeraktien. Diese Zusammenarbeit hat gute wie schlechte Zeiten überdauert, und Tim Love ist nun optimistisch, dass wir uns an der Schwelle zu einer langfristigen Wachstumsphase für die Schwellenländer (EM) befinden. Fraglich sei aber, ob die Industrieländer in der Lage sein werden, Schritt zu halten.

«Falls die Schwellenländer Sie nicht interessieren, sollten Sie unbedingt etwas daran ändern!», sagt Tim Love forsch und erzählt, warum Erfahrungen, die er in früher Kindheit gemacht hat, die Weichen für eine Karriere mit Fokus auf die Schwellenländer gestellt haben. Tim Love ist Sohn eines Diplomaten und in Hongkong, Argentinien, Ägypten, Russland, Washington und Brüssel aufgewachsen. Dadurch hat er seiner Ansicht nach wertvolle Einsichten gewonnen, die er in den Entscheidungsfindungsprozess einfliessen lassen kann.

Die ersten Jahre

«Bis ich zehn Jahre alt war, wuchs ich in Hongkong auf, wohin ich zwölf Jahre später zu Beginn meiner Laufbahn im Fondsmanagement zurückkehrte. Meine ersten Jahre dort fielen in die Mao-Zeit, und ich war fasziniert davon, die Zeit der Kulturrevolution aus nächster Nähe mitzuerleben. Die Schriften von Jung Chang – die durch ihre Autobiographie ‹Wilde Schwäne› weltbekannt wurde – hatten enorme Wirkung auf mich, vor allem ihre Beschreibungen zu Maos Einfluss auf China und ihre eigene an persönlichen Dramen und Kämpfen reiche Geschichte. Zumal sie sie aus ihrer Sicht als Frau erzählte.»

«Am Wochenende zeltete ich gern in der Nähe eines kleinen Fischerdorfes, das später zu Shenzhen, einem der bedeutendsten Börsenplätze Chinas, wurde. Ich konnte daher als Kind die frühen Triebe der Entwicklung spriessen sehen. Als ich als junger Mann dorthin zurückkehrte, wurde ich Zeuge, wie dies zur Vorlage für die Sonderwirtschaftszone wurde – es war herrlich, so ein transformatives Projekt zu erleben.»

«Im Jahr 1982 erlebte ich ein weiteres wichtiges Kapitel der Wirtschaftsgeschichte mit. Denn zur Zeit des Falkland-Krieges lebte ich in Argentinien. Ich stand damals praktisch zwischen zwei Stühlen, denn ich hatte sowohl britische Freunde, die im Militär dienten, als auch Freunde und Bekannte vor Ort, die zum Wehrdienst eingezogen wurden. Ich war gleichsam mittendrin, was mir deutlich vor Augen führte, dass Kriege sinnlos und für beide Seiten schmerzvoll sein können.»

«Dank des Diplomatenstatus meines Vaters hatte ich zudem Gelegenheit, bereits in jungen Jahren zu hören, wie man sich in diplomatischen Kreisen ausdrückt. Ich hörte, wie Lobbyisten versuchten, führende Politiker für ihre Sache zu gewinnen, und wie CEOs von Unternehmen ihre Einschätzungen und Ansichten in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Religionen verbreiteten. Ein Verständnis für die verschiedenen Kulturen und die Art und Weise zu entwickeln, wie sie interagieren, übte Faszination auf mich aus. Ich nutze aktiv mein Wissen über grundlegende kulturelle Unterschiede, das ich in meiner Jugend erworben und um ‹lokale› Faktoren wie Liquidität und Regulierung erweitert habe. Für mich ist das unverzichtbar, denn in schwierigen Zeiten treten diese Unterschiede häufig deutlicher zu Tage.»

«Nach meiner Ausbildung arbeitete ich in den Abteilungen für Prüfung und strategische Beratung bei PwC, ehe ich – infolge einer Versetzung aus London – nach Hongkong zurückkehrte und Aktienportfolios verwaltete. Ich war zudem sechs Jahre auf der ‹Verkaufsseite› als Head of Strategy bei ING / Barings tätig. Dort stellte ich Joaquim ein, dessen Fähigkeiten in diametralem Gegensatz zu meinen stehen. Sie ergänzen sich daher ausgezeichnet – dies ist ein Grund dafür, dass unsere Zusammenarbeit seit vielen Jahren so gut funktioniert. Ich werte es als Privileg, die Entwicklungen im Universum der Schwellenländer aus nächster Nähe und mit eigenen Augen sehen zu können. Deshalb liebe ich meinen Job so sehr.»

Ein Tag im Leben von ...

«So etwas wie einen typischen Tag gibt es nicht!», sagt Tim Love, als wir versuchen, uns ein Bild von den Herausforderungen zu machen, die ein so riesiges Anlageuniversum mit sich bringt. «Wir analysieren kontinuierlich 30 Kernländer (und beobachten 35 Frontier Markets aus gesamtwirtschaftlicher Sicht). Jede der Lokalwährungen kann sich über einen ganzen Zyklus betrachtet gegenüber dem US-Dollar um +/- 65% bewegen. Anleger und Vermögensverwalter fassen die EM häufig zu einer grossen Gruppe zusammen, doch das Universum ist unglaublich heterogen. Daher glauben wir, dass die Zeit der Beta Trades in den EM längst vorüber ist. Veränderungen des gesamtwirtschaftlichen Klimas können zudem die Generierung von Alpha zuweilen komplett zum Erliegen bringen. Daher wenden wir viel Zeit für das Risikomanagement mittels Top-down-Overlays auf.»

«Die Zusammensetzung des MSCI EM Index hat sich in den letzten fünf Jahren auch massiv verändert. So ist die Gewichtung der Sektoren Energie und Rohstoffe von rund 45% auf 14% gesunken. Man sollte daher nicht erwarten, dass sich der Index genauso verhalten wird wie in der Vergangenheit. Beispielsweise reagiert er heute deutlich weniger empfindlich auf einen starken US-Dollar, als es früher gewöhnlich der Fall war. Für die EM insgesamt war 2018 ein schwieriges Jahr, jedoch ist der Rückgang viel geringer, als er in früheren Phasen mit steigenden Anleihenrenditen und einem starken US-Dollar ausgefallen wäre.»

«Als erstes sehe ich mir jeden Tag die aktuellsten Nachrichten an und schaue, wie sie sich auf das Extremrisiko in unserem Portfolio auswirken. Die besten Barometer für die politischen oder externen Risiken sind die Kredit- und Devisenmärkte, die beide erheblich grösser sind als das Aktienuniversum. Das Wunder der modernen Technik macht es möglich, dass ich Portfoliokennzahlen und sämtliche Analysen, die an der Börse veröffentlicht werden, auf meinem Mobilgerät abrufen kann. Das erledige ich während der 40-minütigen Zugfahrt ins Londoner Zentrum. Sobald ich im Büro ankomme, versuche ich, nicht zu viel Zeit im Sitzen zu verbringen. Ich bin ein grosser Freund von Stehpulten. Dadurch bin ich beim Arbeiten viel beweglicher und bleibe auch im Kopf wacher.»

«Eines der herausragenden Merkmale von GAM Investments ist die Möglichkeit, Informationen mit Kredit- und Devisenexperten auszutauschen. Ich finde diesen kollegialen Geist wirklich gut, und die unstrukturierte Natur der Interaktion ist die ‹geheime Zutat›, durch die das auch funktioniert. Wir setzen keine Meetings um der Meetings willen an, sondern nehmen Kontakt miteinander auf, wenn dies nötig ist.»

Der Rest von Tim Loves Arbeitstag ist mehr oder weniger von Analysen und Firmenmeetings geprägt; er vergleicht dies gern mit einer Kombination aus Monopoly und 3D-Schach. Tim Love lässt es sich nicht nehmen, nochmals zu betonen, dass die Risikoaufteilung und -minderung sowie der Portfolioaufbau wichtiger sind als die Generierung von Alpha und darüber hinaus die «Gewinnchancen» erhöhen. Und wie entspannt er sich am liebsten von einem anstrengenden Arbeitstag?

Sport und Erholung

«Entweder gehe ich schwimmen, oder ich laufe eine Runde durch die Wälder in Wimbledon. Das ist das alte Revier von Heinrich VIII., und über die Jahrhunderte hat sich dort praktisch nichts verändert. Was könnte erholsamer oder gesünder sein, als gedankenverloren durch einen uralten Eichenwald zu laufen?»

Da wir ohnehin gerade über Möglichkeiten sprechen, sich zu erholen, kommt die Rede zwangsläufig auf das Thema Urlaub – zumal sich Tim auf eine wohlverdiente freie Woche freut.

«Wenn ich an Urlaub denke, will ich Flughäfen um jeden Preis vermeiden, da ich schon beruflich so viel Zeit auf Fernreisen verbringe. Ich liebe es einfach, mit meiner Familie in Cornwall oder Dorset im Südwesten Englands Urlaub zu machen. Dort surfe ich gern, besuche Musikfestivals, lese oder gehe wandern.»

«Es ist schwierig, ganz abzuschalten. Selbst im Urlaub lese ich weiterhin meine elektronischen Newsfeeds der South China Morning Post und die englischen Ausgaben von Tageszeitungen aus Dubai, der Türkei und Argentinien. Allerdings nehme ich mir jeden Tag Zeit für das Rätsel in The Times und lese auch ein wenig zur Ablenkung – besonders gern die Kurzfassungen der Theaterstücke, die im Londoner West End aufgeführt werden.»

«Im letzten Urlaub habe ich ‹Trash› von Andy Mulligan gelesen und an einem einzigen Tag verschlungen. Darin geht es um kleine Kinder auf den Philippinen, die auf einem Schrottplatz leben. Die Geschichte eignete sich sehr gut für die ganze Familie – für Erwachsene geht es darin um Armut und Politik, für ein Kind um eine Abenteuergeschichte.»

Optimistische Einschätzung zur Entwicklung von Schwellenländeraktien

Tim Love ist überzeugt, dass die spannende Reise für die Schwellenländer weitergehen wird. «Wir glauben, dass es durchaus Gründe gibt, die wahrscheinliche Entwicklung von Schwellenländeraktien zuversichtlich einzuschätzen. Anders als in den USA sind die Bewertungen nicht angespannt, und in den letzten Jahren wurden in Sachen Unternehmensführung und wirtschaftliche Stabilität erhebliche Fortschritte erzielt.

Wir sind fest davon überzeugt, dass mittel- bis langfristig orientierte Anleger in Schwellenländeraktien sicherstellen müssen, dass sie lokale Programme für Strukturreformen richtig beurteilen. So bemüht sich etwa Saudi-Arabien, das eine Aufnahme in den MSCI Emerging Markets Index anstrebt, seine Abhängigkeit von Rohstoffexporten zu verringern. Dazu legt das Land seinen Fokus stärker auf Hochtechnologie. Einige lobenswerte Ziele bilden die Grundlage für die Initiative «Saudi 2030». So will das Land etwa im Government Effective Index von Platz 80 auf Platz 20 vorrücken.»

«In China könnte das ‹One Belt, One Road›-Programm in den Bereichen Wirtschaft und Diplomatie den Welthandel grundlegend verändern. In Indien wiederum haben die von Ministerpräsident Modi angestossenen Reformen im Bankensektor und die Einführung digitaler IDs das Land deutlich verändert. Binnen weniger Wochen hat sich Indien von einem der datenärmsten zu einem der datenreichsten Länder entwickelt.»

«In den kommenden Jahren werden wir meiner Ansicht nach Zeugen eines gewaltigen Wandels werden, der fast einem Tsunami gleicht, der über die Welt hinwegfegt. Falls tatsächlich ein solcher Tsunami kommen sollte, dann habe ich vor, auf dieser gewaltigen Welle zu reiten.»

Wichtige rechtliche Hinweise
Die Angaben in diesem Dokument dienen lediglich zum Zwecke der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und geben die Ansicht von GAM unter den derzeitigen Konjunkturbedingungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Die vergangene Performance ist kein Indikator für die laufende oder künftige Wertentwicklung.
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