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Fondsmanager im portät Tom Mansley

6. februar 2019

Schwingt ein Pendel an seinem Schwerpunkt vorbei auf eine Seite, muss es auf der anderen Seite die gleiche Strecke zurücklegen.

«Im Anleihenbereich werden die Anlagenpreise seit Jahren sehr stark von der staatlichen Politik und den Zentralbanken beeinflusst, und das Pendel ist zu weit ausgeschlagen.» Dieser Meinung ist Tom Mansley, Co-Manager der Hauptstrategie von GAM Investments für Mortgage-Backed Securities (MBS) mit einem verwalteten Vermögen von über USD 1 Mrd.

«Wussten Sie, dass in den USA der Markt für MBS grösser ist als der Markt für Unternehmensanleihen?» Dies ist gewiss ein interessanter Ausgangspunkt für ein Gespräch. Tom Mansley merkt ausserdem an, dass MBS rund 24% des gesamten US-Markts für festverzinsliche Anlagen ausmachen – das zweitgrösste Segment nach US-Treasuries.

Dafür sorgen, dass die Zahlen stimmen

Mansley ist ein Zahlenmensch. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er gleich drei programmierbare HP-12C Taschenrechner sein Eigen nennt. «Bei dem hier, den ich in der Hand halte, sind meine Initialen eingraviert. Die einzige Stelle, an der man sie eingravieren kann, ist die Lücke zwischen dem Display und dem HP-Logo. Vor langer Zeit war ich mal im Market-Making für Hypothekenderivate wie Interest-only-Strips tätig, die Rechte auf Zinszahlungen verbriefen. Alle meine Kollegen in der Handelsabteilung verwendeten einen HP-12C. Also musste ich sicherstellen, dass meiner nicht vertauscht wurde.»

«An diesen Geräten gefällt mir am besten, dass sie die umgekehrte polnische Notation beherrschen, bei der man keine Klammern verwenden muss – man kann also mit seinen komplexen Berechnungen einfach weitermachen und dadurch Zahlen zuhauf produzieren.»

«Ich habe Mathematik schon immer geliebt – mein Studium in Mathematik und Computerwissenschaft habe ich mit einem Bachelor of Science abgeschlossen und an der Pace University meinen MBA gemacht. Später, nachdem ich begonnen hatte zu arbeiten, absolvierte ich ein Master-Studium in Mathematik am Courant Institute der New York University.»

Und was am MBS-Markt begeistert einen Mathematiker auch nach 24 Jahren Erfahrung in diesem Fachgebiet nach wie vor?

«Der Hypothekenmarkt bedeutet viel Mathematik. Bei Collateralised Mortgage Obligations (CMOs) zum Beispiel wird der Hypothekenbestand in Tranchen mit unterschiedlichen Ertrags- und Risikoprofilen unterteilt. Beim sogenannten ‹Strippen› von Wertpapieren werden wiederum die Cashflows aus Zins- und Kapitalzahlungen voneinander getrennt und jeweils gesondert verbrieft. Diese Instrumente sind hochkomplex, sodass für eine objektive Beurteilung sowohl Fachwissen als auch mathematische Fähigkeiten erforderlich sind. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass der Markt auf einer sehr einfachen Prämisse basiert – die Anleger tragen die mit der – ggf. vorzeitigen – Rückzahlung verbundenen Risiken und erhalten im Gegenzug die zugehörigen Cashflows. Das Schwierige daran ist, die Modelle zu verstehen. Für mich ist das aber kein Problem, denn ich habe sie ja mitentwickelt.»

Erste Erfahrungen und Karrierehöhepunkt

Mansley kann sich kaum noch an den ersten Tag seiner beruflichen Laufbahn bei Chase Asset Management (heute JP Morgan) erinnern. Lebhafter ist seine Erinnerung an die ersten Erfahrungen im Arbeitsleben.

«Mit 14 Jahren durften wir ein paar Stunden arbeiten, solange wir unsere ‹Arbeitsunterlagen› von unserem Schulleiter abzeichnen liessen. Ich fing früh an zu arbeiten und hatte viele verschiedene Jobs. Einer meiner Lieblingsjobs war aber der bei Baskin Robbins: Eiskrem verkaufen.»

«Das Schlechte an einem Job in der Gastronomie ist die Bezahlung. Arbeitgeber in den USA dürfen per Gesetz weniger als den Mindestlohn zahlen, weil davon ausgegangen wird, dass die Arbeitnehmer Trinkgelder erhalten. Aber als Eisverkäufer habe ich natürlich keine Trinkgelder bekommen. Am besten an diesem Job gefallen hat mir, dass ich die Menschen glücklich gemacht habe. Denn alle meine Kunden wollten ein Eis haben. Und genau das habe ich ihnen verkauft!»

«Am Ende der High School hatte ich meine eigene Firma für Landschaftsbau. Ich komme aus einer Unternehmerfamilie. Mein Grossvater hatte einen Gerätehandel gegründet, der am Ende der Grossen Depression sehr profitabel wurde. Ironischerweise musste der Betrieb zur Zeit der Rezession nach der Krise im Jahr 2009 geschlossen werden. Also konnte ich genauso gut eine Karriere an den Kapitalmärkten anstreben.»

Und was war der Höhepunkt Ihrer Karriere?

(Mansley hält kurz inne.) «Der grösste Erfolg in meiner beruflichen Laufbahn ist für mich wohl der Aufbau von Singleterry Mansley Asset Management, die 2014 in GAM Investments eingegliedert wurde. Mein Freund und Kollege Gary Singleterry hatte den Grundstein dafür gelegt, und gemeinsam steigerten wir das verwaltete Vermögen auf über USD 400 Mio., bis schliesslich GAM auf uns aufmerksam wurde.»

«Die Sache ist aber die: Wenn man nur zu zweit ist, hat man eine ganze Menge Aufgaben zu erfüllen … Chief Financial Officer, Chief Investment Officer, Chief Operating Officer, Head of Sales, um nur einige zu nennen. In dieser Phase unserer Karriere kommt es uns daher gut gelegen, innerhalb des unterstützenden Umfelds von GAM Investments einfach eigenständig das zu tun, wonach uns wirklich ist.»

Alternative Karrieren

Sicherlich Mathematikprofessor ... oder?

«Offen gestanden, wenn ich kein Fondsmanager wäre, würde ich wohl einen medizinischen Beruf haben. Aber ich bin jetzt 50 Jahre alt und mir ist natürlich klar, dass eine solche berufliche Veränderung, die eine langjährige Ausbildung erfordert, nicht gerade realistisch ist.»

«Die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist erheblich kürzer. Deshalb habe ich das gemacht und war bis vor wenigen Jahren jeden Dienstagabend in meinem Wohnort als freiwilliger Rettungssanitäter im Einsatz. Das erklärt zum Teil, wie es zu meinem Engagement in der gemeinnützigen Organisation Nova Hope for Haiti gekommen ist.»

«Diese Organisation nahm 2002 ihre Arbeit auf. Anfangs entsandte sie zweimal jährlich freiwillige medizinische Hilfskräfte in ein entlegenes Dorf an der Südspitze der haitianischen Halbinsel. Bei jeder dieser Missionen wurde für eine Woche eine provisorische Krankenstation errichtet, in der rund 1 000 Patienten behandelt wurden. Heute betreibt NOVA zwei dauerhafte Krankenstationen mit voll ausgestatteten Apotheken und Labors an zwei Standorten in Haiti: Das neueste Gebäude befindet sich in Cavaillon, eine weitere Krankenstation in Boileau. Dort arbeiten zwei Ärzte, fünf Krankenschwestern, Laboranten, Apotheker und andere Helfer wie Hausmeister und Sicherheitspersonal. Das Personalmanagement an einem derart abgelegenen Standort ist eine echte Herausforderung und erfordert regelmässige Besuche unserer Teams bei Nova Hope. Deshalb werde ich von Zollbeamten oft gefragt, warum in meinem Pass so viele Stempel aus Haiti sind!»

«Nova Hope versorgt ihre Patienten mit Medikamenten, die in grosser Menge aus Amsterdam importiert werden. Dadurch können wir Kinder, die von Darmwürmern befallen sind, für etwas mehr als 1 US-Dollar behandeln. Ausserdem haben wir einen Brunnen gebohrt, der sauberes Trinkwasser liefert, was dazu beiträgt, die Kindersterblichkeit zu verringern. Bei meinen regelmässigen Reisen nach Haiti kommt mir immer noch meine Erfahrung als Rettungssanitäter zugute, denn ich kann die Patienten auf die Untersuchung beim Arzt vorbereiten, ihre Vitaldaten messen und notieren usw.»

«Bei meinem Besuch im Mai 2017 ging es jedoch in erster Linie darum, die Fortschritte der Wiederaufbauarbeiten nach dem verheerenden Hurrikan Matthew zu bewerten. Wir haben Saatgut und Bananenbäume gekauft, um den Ackerbau wieder anzuschieben, und in der Nachbarschaft unserer Krankenstation Häuser repariert oder wiederaufgebaut. Bereits mit wenig Geld lässt sich in Haiti viel erreichen. Zum Beispiel war das Haus auf dem Foto völlig zerstört, und der komplette Wiederaufbau kostete nur USD 2 600.»

«Eines der Häuser, die wir wiederaufbauten, lag eine Meile von unserer Krankenstation entfernt an einem Berghang. Eines Tages stürzte es um 2 Uhr nachts ein. Die Bewohner, eine Mutter und ihre fünf Kinder, mussten daraufhin den Berg hinabsteigen – während eines schweren Sturms und bei völliger Finsternis. In unserer Krankenstation suchten sie Zuflucht, bis der Sturm vorüber war. Die Menschen dort sind uns dankbar für die medizinische Versorgung, die wir ihnen bieten, und wir sind ihnen dafür dankbar, dass sie uns lehren, was Mut und Stärke wirklich bedeuten.»

«Ich bin der Schatzmeister von NOVA und meine Frau ist Vizepräsidentin. Wir haben uns also beide dieser guten Sache verschrieben und engagieren uns gern dafür. Ich lernte meine Frau an der Hochschule kennen, und meine beiden Kinder (das ältere promoviert derzeit an der Northwestern University, das jüngere studiert an der Lehigh University) erinnere ich oft daran, dass eine Bildungseinrichtung ein viel besserer Ort ist, um dauerhafte Beziehungen aufzubauen, als eine Kneipe!»

Tom Mansley ist ganz offenkundig ein leidenschaftlicher Mensch, der sich seinen ganzen Enthusiasmus für seine Arbeit sowie seine Familie und seine privaten Interessen bewahrt. Ausserdem ist er begeistert von den Chancen, die die Zukunft ihm bietet.

Das Pendel schwingt zurück

«Der Einfluss der staatlichen Politik und der Zentralbankentscheidungen auf die Anleihenmärkte lässt nun endlich nach. In der nächsten Phase des Marktgeschehens dürften die Marktkräfte wieder in den Vordergrund rücken und zugleich eine normalere Ordnung wiederhergestellt werden. Wenn die Beeinflussung der Märkte weiter abnimmt, werden wieder die Fundamentaldaten darüber entscheiden, welche Wertpapiere Gewinne oder Verluste erzielen.» «Wir sollten uns über diese Phase des Zyklus freuen, denn die unbeabsichtigten Folgen und sozialen Kosten, die ein Nebenprodukt der Beeinflussung der Märkte durch die Zentralbanken sind, hätten nicht mehr sehr viel länger hingenommen werden können. Viel zu viele Menschen, die es sich nicht unbedingt leisten können, haben ihre Ersparnisse fürs Alter in Hochzinsanleihen angelegt, weil sie mit den Erträgen von Titeln mit höherem Rating nicht auskommen und daher ihr Kapital antasten müssten.»

«Wir sehen stichhaltige Gründe für Optimismus an den Märkten für hypothekenbesicherte Wertpapiere. Die meisten nach der Finanzkrise emittierten Papiere sind im Vergleich zur Situation vor der Krise anlegerfreundlicher. Der für ein bestimmtes Rating erforderliche Umfang der nachrangigen Tranche von MBS hat sich seit der Krise deutlich erhöht, und bei vielen strukturierten Wertpapieren muss der Emittent gemäss den Vorschriften des Dodd-Frank-Act zudem einen Anteil von 5% des von ihm verkauften Wertpapiers behalten. Zudem muss ein Kreditinstitut, das Hypothekendarlehen vergibt, laut Dodd-Frank-Act «nach angemessener Abwägung in gutem Glauben beurteilen, ob ein Verbraucher in der Lage ist, durch Wohneigentum besicherte Verbraucherkredite zurückzuzahlen».

«Wir sollten jedoch nicht vergessen: Wenn das Pendel so weit schwingt wie in letzter Zeit, kommt es häufig zu Fehlbewertungen, insbesondere in komplexeren Segmenten des Hypothekenmarkts, die häufig übersehen werden. Unsere Aufgabe ist es, solche Bewertungsanomalien zu identifizieren und entsprechend zu nutzen.»


Wichtige rechtliche Hinweise
Die Angaben in diesem Dokument dienen lediglich zum Zwecke der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und geben die Ansicht von GAM unter den derzeitigen Konjunkturbedingungen wieder. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben wird keine Haftung übernommen. Die vergangene Performance ist kein Indikator für die laufende oder künftige Wertentwicklung.