Diese Seite verwendet Cookies

Um Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu bieten, verwendet die GAM-Website Cookies. Sie können vollständige Informationen über die Verwendung von Cookies hier lesen. Ihre Privatsphäre ist uns wichtig und wir empfehlen Ihnen, unsere Datenschutzerklärung hier zu lesen.

Ok

Returning to Growth – eine Beschleunigung von Trends

24. Juli 2020

Niall Gallagher von GAM Investments sieht Hinweise auf eine wirtschaftliche Erholung. Vieles wird jedoch davon abhängen, ob weitere Lockdowns verhängt werden.

Eine Vielzahl von Mikroindikatoren deutet darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Aktivität schneller erholt, als viele es sich noch vor zwei Monaten hätten vorstellen können. Die grosse Frage bleibt, ob diese Erholung lediglich darauf basiert, dass nun die Ausgaben nachgeholt werden, die während des Lockdowns nicht möglich waren, oder ob sie wirklich von Dauer ist. Nach unserer Einschätzung hängt dies davon ab, ob es eine schwerwiegende zweite Welle geben wird und wie die Politiker und Konsumenten darauf reagieren. Sollten eine gravierende zweite Welle und weitere allgemeine Lockdowns ausbleiben, dürfte sich die Erholung als nachhaltig erweisen.

Erste Hinweise dafür gab es Mitte April aus China, Südkorea und Japan. Dort verzeichneten zahlreiche Bereiche des Binnenkonsums – sowohl bei Waren als auch bei Dienstleistungen – ebenso wie in der Industrie einen starken Anstieg. Diese Wachstumsbeschleunigung setzte sich im Mai und Juni fort. Verschiedene Daten zur Kreditkartennutzung der Bank of America, Visa und MasterCard zeigen, dass in den USA insgesamt wieder so viel ausgegeben wird wie vor der Covid-19-Krise. Dabei sind die Bundesstaaten, die den Lockdown als erstes aufgehoben haben, am weitesten auf dem Weg der Erholung und des Wachstums vorangekommen. Das Gleiche gilt grösstenteils auch für Europa. Dabei sollte nicht ausser Acht gelassen werden, dass über 50% der Erträge der an den europäischen Aktienmärkten notierten Unternehmen ausserhalb von Europa erwirtschaftet werden.

Treten wir gerade in eine Phase der Rückkehr zum Wachstum ein? Nach unserer Einschätzung ganz klar ja. Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen dieser Krise und früheren Krisen ist die Rolle der Fiskalpolitik und insbesondere von Fiskaltransfers/des Kurzarbeitergelds. Die Zahlung dieser Entgeltersatzleistung hat Massenentlassungen und Arbeitslosigkeit verhindert – damit wurde für die Konsumenten eine Einkommensquelle gesichert. Die umfangreichen Fiskaltransfers, die mit dem Umstand einhergingen, dass die Verbraucher das Geld aufgrund des Lockdowns nicht ausgeben konnten, führten dazu, dass sich grosse Mengen an Ersparnissen und Bargeld auf den Bankkonten ansammelten. In vielen Fällen war das beabsichtigt, im Ergebnis jedoch «schwimmen die Konsumenten im Geld». Sofern sie bereit sind, ihre Überschüsse oder Mehreinnahmen auszugeben, dürfte die Erholung nachhaltig sein und die Staatshaushaltslöcher (zumindest teilweise) wieder stopfen. Entscheidend für das Verbrauchervertrauen ist, dass keine weiteren allgemeinen Lockdowns verhängt werden, welche die Wirtschaft lahmlegen. Nur dann sind die Konsumenten bereit, Geld auszugeben, ohne sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz und ihre Existenz machen zu müssen.

Strukturelle Veränderungen wurden durch die Krise beschleunigt, unter anderem die Verlagerung der Ausgabenströme vom Offline- zum Online-Bereich, die stärkere Digitalisierung der Arbeitswelt durch das Arbeiten im Home Office, das Wachstum der asiatischen Mittelschicht und der stärkere Fokus auf höhere öffentliche Ausgaben für eine «umweltfreundlichere» Wirtschaft. Wir sind davon überzeugt, dass alle diese strukturellen Trends andauern und durch die aktuelle Krise sehr wahrscheinlich beschleunigt werden.

Darüber hinaus erwarten wir Erholungspotenzial in weiteren Bereichen des Marktes, die während der Krise aufgrund der rückläufigen bzw. ausbleibenden Nachfrage stark betroffen waren. Das bedeutet nicht, dass wir uns auf «Value» – in vielen Fällen ein Synonym für «strukturell schwächelnd» – stürzen, sondern unser Augenmerk auf diejenigen Aktivitätsbereiche lenken, die ein moderates Wachstum versprechen. Zu den Sektoren, für die wir eine Nachfrageerholung erwarten, falls sich die Wirtschaft nachhaltig erholen sollte, zählen Automobile, das Bauwesen und Baustoffe sowie bestimmte Industriebereiche. 

Ein Bereich, bei dem wir allgemein vorsichtig sind, ist die Reisebranche einschliesslich verwandter Sektoren wie dem Tourismus. Dies schliesst schwächere Bereiche und spezielle Bereiche der Luxusgüterbranche ein. Bei Kurzstreckenreisen und dem Freizeittourismus erwarten wir eine allmähliche Erholung, die sich jedoch weitgehend auf Reisen innerhalb überschaubarer Regionen konzentrieren wird, jedoch vorerst nicht mit einer Erholung bei Langstreckenreisen, da Konsumenten und Unternehmen von Fernreisen Abstand nehmen. Dies wird nicht nur deutliche Einbussen für den Langstrecken-Flugverkehr bedeuten, sondern sich auch auf den Reiseeinzelhandel auswirken. Solide Unternehmen der Luxusbranche mit starker China-Präsenz profitieren potenziell von der Fokussierung auf den Binnenkonsum, während schwächere Marken möglicherweise durch das Fernbleiben der internationalen Langstreckentouristen belastet werden.

Insgesamt bleiben wir bei den Aussichten für europäische Aktien optimistisch. Vieles wird jedoch davon abhängen, ob weitere Lockdowns verhängt werden.

Wichtige rechtliche Informationen
Quelle: GAM wenn nicht anders vermerkt. Die Informationen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und den Standpunkt von GAM im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld widerspiegeln. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen übernommen. Die Performance in der Vergangenheit ist kein Indikator für die aktuelle oder zukünftige Entwicklung. Die Bezugnahme auf ein bestimmtes Wertpapier ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dieses Wertpapiers.
Invalid MyFavouriteContentDialogViewModel detectedTitleText or MessageText is not populated