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Aktien aus Schwellenländern: Das Potenzial freisetzen

Tim Love, Investment Director, Emerging Markets Equities, ist davon überzeugt, dass Aktien aus Schwellenländern derzeit falsch bewertet, unterbewertet und völlig missverstanden werden. Er ist der Meinung, dass nur ein "Risk-on"-Katalysator fehlt, um das Potenzial dieser Aktien freizusetzen. Was für ein Katalysator könnte das sein?

13. März 2024

Die offensichtlichen Katalysatoren für die Schwellenländer sind traditionell zwei Schlüsselfaktoren: der Höchststand des Dollars und die Zinsentscheidungen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC). Beide Faktoren werden sich meiner Meinung nach innerhalb des nächsten Jahres, möglicherweise sogar innerhalb von sechs Monaten, auswirken. Mit Blick auf die Zukunft glaube ich, dass es mit liquiden Investment-Grade-Anleihen, steigenden Renditen und einer ausreichend grossen Spanne beim Emerging Markets / EM-Anleihenindex positive Carry-Trade-Möglichkeiten geben wird, die im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren der entwickelten Welt bezüglich der Risikoprämie attraktive Alternativen bieten. Ich denke daher, dass die Konvergenz dieser Faktoren zu einer Kapitalverschiebung von den entwickelten Märkten (DM) zu den Schwellenländern (EM) führen könnte. Diese Bewegung, die durch die dollargewichteten Kapitalkosten angetrieben wird, könnte eine positive Dynamik von Anlagemöglichkeiten im Bereich der Schwellenländer in Gang setzen.

Warum könnten EM-Anleger noch stärker von Zinssenkungen profitieren?

Der US-Markt hat die Zinssenkungserwartungen bereits eingepreist, während etwa zwei Drittel der erwarteten Zinssenkungen in den Aktienkursen einkalkuliert sind. Der dortige Markt ist deutlich gestiegen und lässt wenig Spielraum für weitere Gewinne. Im Gegensatz dazu haben die Schwellenländer nicht den gleichen Aufschwung erlebt. Für diese Verzögerung gibt es verschiedene Gründe, darunter Unterschiede bei den inländischen Fundamentaldaten und eine fehlende geldpolitische Lockerung in den letzten zehn Jahren.

Die DM haben von der Normalisierung nach einer langen Phase der geldpolitischen Lockerung profitiert, während die EM meiner Meinung nach weiterhin für potenzielle Gewinne bereit sind. Wenn die DM anfangen, sich zu verlangsamen, werden die Anleger nach Alternativen suchen, wie EM-Währungen oder lokale Währungen mit attraktiven Renditen. Dies dürfte den Kurs der Schwellenländerwährungen in die Höhe treiben, und ihre Renditen werden infolgedessen sinken. Dies könnte letztlich Kapital in den Aktienmarkt treiben. Meiner Meinung nach bieten EM-Aktien im Vergleich zu Anleihen eine ansprechende Rendite, was sie zu einem attraktiven Ziel für Anleger macht, die nach Wachstumschancen suchen.

Beneidenswertes Risiko-Ertrags-Verhältnis

Im Laufe der Zeit haben die Schwellenländer eine enorme Entwicklung durchgemacht. Im Jahr 2004 umfasste der EM-Index nur vier der elf führenden Länder mit Investment-Grade-Rating. Heute haben wir einen bemerkenswerten Wandel erlebt. Neun der elf führenden Schwellenländer verfügen jetzt über einen Investment-Grade-Status. Der jüngste Zeitraum von 2010 bis 2023 glich einem verlorenen Jahrzehnt für Schwellenländeraktien, vergleichbar mit den schwierigen Jahren von 1994 bis 2004, die durch die Asienkrise, die der Mexikokrise folgte, und die Russlandkrise gekennzeichnet waren. Darüber hinaus beeinträchtigten der Ausbruch von SARS und die Dotcom-Blase diese Märkte zusätzlich. Doch dann kam der Wendepunkt. Nach diesen turbulenten Zeiten ereignete sich eine massive Neubewertung der Schwellenländer. Die Anleger begannen, ihr Potenzial neu zu erkennen.

Interessanterweise sind die Bewertungen, die wir 2003 beobachtet haben, denen von heute sehr ähnlich. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied: die Renditen. Damals waren die Schwellenländer in Bezug auf die Rendite weniger attraktiv. Heute bieten sie einen grösseren Wert und sind meiner Meinung nach besser vorhersehbar. Was das attraktive Risiko-Rendite-Profil anbelangt, so ist die aktuelle Situation mit der von 2003 vergleichbar. 

Verändertes Ertragsprofil in den Schwellenländern

Das Ertragsprofil der Schwellenländer hat sich grundlegend verändert, was viele noch nicht ganz erkannt haben. Jetzt geht es mehr um Halbleiter, viel mehr um interaktive Medien und Dienstleistungen, ein viel breiter gefächertes Bankangebot und E-Commerce. In Indien zum Beispiel hat sich der Schwerpunkt weg von staatlichen Telekommunikationsunternehmen, Öl-, Gas-, Bergbau- und Stahlunternehmen verlagert. Diese alteingesessenen Sektoren verlieren im Index an Boden. Der Einfluss von Aktien mit hoher Governance, d. h. mit einem starken Management und hoher Transparenz, wird immer deutlicher. Diese widerstandsfähigen Unternehmen tragen erheblich zum Index bei.

Warum sind die meisten Schwellenländeraktienmärkte hinter den DM zurückgeblieben?

Die Schwellenländer wurden in letzter Zeit vor allem von einem Land in den Abgrund gezogen, und zwar von China. Der Wohlstandsverlust dort war überwältigend gross, und er ist eher ideologisch als rein marktgetrieben. Wenn man China ausklammert, schneiden die Schwellenländer besser ab als die Industrieländer mit Ausnahme der USA. So verzeichnete der MSCI EM Latin America 10/40 Index (USD) im vergangenen Jahr einen beeindruckenden Zuwachs von 34,05 %. Die Realität spiegelt wider, dass sich die Menschen im Allgemeinen für das leichteste Geld entscheiden. Und das leichteste Geld sind derzeit US-Staatsanleihen, die eine Rendite von 5 % bieten. Die Schwellenländer werden jedoch unter dem Gesichtspunkt des Risiko-/Ertragsverhältnisses noch attraktiver, da sie in der Regel ein grösseres Aufwärtspotenzial aufweisen, wenn sich das globale Wachstum umkehrt. Und genau an diesem Punkt befinden wir uns jetzt.

Ausblick für China

Die Aussichten für China sind meiner Meinung nach nicht gut. Verschuldung, Deflation, Demografie, Arbeitslosigkeit, fehlende ausländische Direktinvestitionen und sogar Kapitalverkehrskontrollen sind allesamt keine guten Indikatoren. Es wird wahrscheinlich noch einige Konkurse wie den von Evergrande geben, bevor wir den Lehman-Moment erleben. Für China spricht, dass die Bankbilanzen entschuldet werden, das Ende der Schattenkreditgeber gekommen ist, die eiserne politische Unterstützung gut ist und die geschlossene Kapitalbilanz hilft. Ausserdem gibt es in China immer noch einige qualitativ hochwertige Aktien, die unter zyklischen Gesichtspunkten interessant sind und Anlagemöglichkeiten bieten könnten.

Indiens glänzende Aussichten

Indien ist in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil von China. Die demografischen Gegebenheiten und das Schuldenprofil sind viel attraktiver. Die Arbeitslosenquote in Indien ist viel niedriger und ausländische Direktinvestitionen strömen ins Land. Auch die Überweisungen von Indern im Ausland, die ins Land zurückfliessen, sind enorm. Die Tatsache, dass es keine Kapitalverkehrskontrollen gibt, unterstreicht Indiens Engagement für offene Märkte. Die Investoren erkennen das Potenzial des Landes und sind an einer Beteiligung interessiert. Die strategische Positionierung Indiens in Verbindung mit der wachsenden Mittelschicht und der wachsenden Verbraucherbasis deutet darauf hin, dass das Land tatsächlich auf dem richtigen Weg ist und ein vielversprechendes Bild für seine Zukunft zeichnet. 

Die Schwellenländer haben im Allgemeinen eine fantastische Demografie, mit Ausnahme von China, das immer noch unter der Ein-Kind-Politik leidet. In Indien ist das Gegenteil der Fall. Mit einem Durchschnittsalter von 27 bis 28 Jahren hat Indien eine junge Bevölkerung. Weniger Schulden und eine junge Bevölkerung bedeuten mehr zukünftige Steuerzahler, mehr Reformprogramme, mehr Geldüberweisungen und mehr ausländische Direktinvestitionen. Diese Steuerzahler tragen zu Wirtschaftswachstum und Stabilität bei.

Argentiniens Weg der Reformen

Argentinien ist eines meiner Lieblingsthemen, und ich habe im Januar ein paar Wochen dort verbracht. Das Land hat mit dem neuen libertären Präsidenten Javier Milei einen bedeutenden politischen Wandel erlebt. Milei, das Äquivalent eines Thatcherschen Reformisten, ist mit einer sehr reformorientierten und marktfreundlichen Agenda an die Macht gekommen. Trotz seiner Mehrheit ist sich Milei bewusst, dass sein politischer Handlungsspielraum begrenzt ist. Er hat daher erkannt, dass er schnell handeln muss, um Reformen durchzusetzen.

Milei hat die Währung bereits erheblich abgewertet, und zwar um mehr als 40 bis 50 %, wodurch der informelle Kurs an den offiziellen Kurs angeglichen wurde. Dennoch hat Argentinien immer noch mit einer monatlichen Inflation im zweistelligen Bereich zu kämpfen, was einer jährlichen Rate von 140 % entspricht. Die Herausforderung besteht darin, das empfindliche Gleichgewicht zu halten. Wenn der offizielle Zinssatz um 40 % gesenkt wird, verbleibt ein Zeitfenster von drei bis vier Monaten, bevor eine weitere Abwertung notwendig wird. Wird nicht rechtzeitig gehandelt, besteht die Gefahr einer weiteren Abwertung des Schwarzmarktkurses. Die jüngste Ablehnung des umfassenden Wirtschaftsreformgesetzes durch den argentinischen Nationalkongress war ein Rückschlag für Mileis Reformprogramm.

Ein Erfolg von Mileis Reformen würde sowohl dem argentinischen Volk als auch der Wirtschaft zugute kommen. Argentinien, das mit reichlich Ressourcen gesegnet ist, hat das Potenzial, den Status als globales Kraftzentrum zu erlangen. Das Land steht jetzt an einem Scheideweg, und die richtige Politik könnte sein immenses Potenzial freisetzen.

Eine gute Zeit

Eine Neubewertung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) könnte der Katalysator sein, der das Lebenselixier der Schwellenländer wieder in den Vordergrund rückt, so wie es 2004-2008 der Fall war. Das Timing könnte jetzt ebenso atemberaubend sein. Meiner Meinung nach sollten die Anleger die Gelegenheit frühzeitig ergreifen und sich bewusst sein, dass sich die Schwellenländer in einem frühen Zyklus befinden. Wenn die Märkte eine weiche Landung einpreisen und das globale Wachstum an Schwung gewinnt, werden die Schwellenländer davon profitieren. Unter ihnen stechen die exportorientierten Industrieländer wie Taiwan, Korea und Mexiko hervor, die das Potenzial haben, sich zu verdoppeln und zu verdreifachen. 

Zwischen 2003 und 2008 erlebten die Schwellenländer einen bemerkenswerten Aufschwung und holten den S&P 500 Index nach einem Jahrzehnt der Underperformance nicht nur ein, sondern übertrafen ihn sogar. Der MSCI Emerging Markets Index verzeichnete zwischen dem 30. April 2003 und dem 30. April 2008 ein erstaunliches Wachstum von 354,03 % und übertraf damit das bescheidene Wachstum des S&P 500 Index von 50,12 %. Dieser Trend deutet darauf hin, dass die aufstrebenden Volkswirtschaften in der Lage sind, Performance-Lücken rasch zu schliessen und in frühen Phasen eines neuen Zyklus einen Sprung nach vorn zu machen. Da wir an der Schwelle zu einem neuen Zyklus stehen, bin ich der Meinung, dass die Schwellenländer derzeit an einem ähnlichen Bewertungspunkt wie in der Vergangenheit positioniert sind, jedoch mit einem potenziell noch grösseren Aufwärtspotenzial.

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Tim Love

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