Die Überwindung der „Flaschenhals-Rezession“

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Thomas Funk von GAM Investments erläutert, was die „Flaschenhals-Rezession“ ausgelöst hat und kommentiert die Auswirkungen auf produzierende Unternehmen.

05. Januar 2022

Lieferengpässe bei Industriegütern werden zu einem immer grösseren Problem und entwickeln sich zu einem vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung als „Flaschenhals-Rezession“ bezeichneten Phänomen.1 Die Lage verschärfte sich im Oktober, als industrielle Halbfabrikate auf vielen Ebenen knapp wurden. Dafür gibt es mehrere Gründe, darunter nicht zuletzt die durch die Weihnachtszeit beschränkten Transportkapazitäten. Zudem funktionieren die Logistikketten, insbesondere im internationalen Handel, noch immer nicht effizient. Beispielsweise stauen sich grosse Containerschiffe ausserhalb der Häfen und dringend benötigte Güter können nicht entladen werden. Da einige Lagerbestände erschöpft sind, führt dies zunehmend zu Produktionsunterbrechungen. In zwei Bereichen ist dies am deutlichsten erkennbar: in der Automobilproduktion und der Herstellung von Elektroartikeln. Die Prognosen zur Automobilproduktion für 2021 wurden ständig nach unten korrigiert. In einigen Werken wurde die Produktion mangels elektronischer Bauteile kurzfristig gestoppt. Auch Apple musste die Fertigung von Mobiltelefonen der neuesten Generation drosseln.

Landis+Gyr, ein Schweizer Hersteller von Stromzählern und Software für Versorger, veröffentlichte kürzlich eine bemerkenswerte Liste mit derzeit knappen elektronischen Produkten.2 Vor allem Produkte auf Halbleiterbasis sind erwartungsgemäss knapp, was zu einem Boom beim Bau neuer Halbleiterfabriken führt. Auf der Liste von Landis+Gyr stehen jedoch überraschenderweiseauch einfache elektronische Bauteile wie Dioden und Transistoren. Es ist schwer vorstellbar, dass solche Komponenten während der Covid-19-Pandemie plötzlich knapp wurden. Viel wahrscheinlicher ist es aus unserer Sicht, dass sie irgendwo in der Logistikkette steckengeblieben sind und einen Bestand bildeten, der nicht abgerufen werden konnte, vorübergehend aus der Wertschöpfungskette genommen wurden und nun fehlen. Infolge dieser Engpässe sind einige produzierende Unternehmen für die kommenden Monate mit geringeren Umsätzen konfrontiert. Bei der Gewinnentwicklung rechnen wir daher bei verschiedenen Herstellern mit einer Abschwächung der Gewinndynamik – mit anderen Worten mit einer „Flaschenhals-Rezession“.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Endnachfrage nach den Produkten intakt bleibt. Die Haushalte haben während der durch Covid-19 bedingten Lockdowns gespart, was bedeutet, dass erhebliche Mittel für den Konsum vorhanden sind und dies hat sich in den Verkaufszahlen niedergeschlagen. Seit Mitte 2020 befinden sich die meisten Unternehmen auf einem Erholungskurs, da sie die während der Pandemie verzeichneten Umsatzeinbussen wieder aufgeholt haben. Wir gehen nun davon aus, dass sich die Spanne für die Gewinnentwicklung insbesondere aufgrund der Verknappung industrieller Halbfabrikate vergrössern wird. Die durch die Flaschenhals-Rezession bedingten Ertragsausfälle werden allerdings voraussichtlich zu einem Nachfragestau führen, der nach und nach aufgelöst werden kann, sobald die fehlenden Halbfabrikate wieder verfügbar sind. Es ist wichtig, sich nicht nur auf die Probleme zu konzentrieren, sondern auch Investitionen zu tätigen, um das Geschäft mittel- und längerfristig anzukurbeln. Es gibt mehrere starke Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung sowie in neue Produkte und den Kapazitätsausbau investieren, um sich besser zu positionieren und neue Einnahmequellen für die Zukunft zu erschliessen.

2Landis+Gyr, Präsentation der Halbjahresergebnisse für das Geschäftsjahr 2021 vom 28. Oktober 2021
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Thomas Funk

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