Erhöhte Inflation und steigende Zinsen: Was ist die Lösung?

LOKALE PRODUKTE UND DIENSTLEISTUNGEN ANZEIGEN

Wählen Sie Ihr Land

Angesichts des schwierigen Anlageumfelds haben wir fünf der klügsten Köpfe von GAM Investments und unseren Partnerunternehmen gebeten, uns ihre Einschätzungen darüber mitzuteilen, wie Anleger in einer Welt zunehmender Inflation und steigender Zinsen Anlageerträge schützen und Portfoliorisiken diversifizieren können.

26. April 2022

Weltweit erreichen die Inflationsraten die höchsten Werte seit mehreren Jahrzehnten, und die Zentralbanken versuchen verzweifelt, darauf zu reagieren. Im März stieg die Inflation in den USA auf 8,5 % und damit auf den höchsten Stand seit 40 Jahren, während die Inflation im Vereinigten Königreich auf vergleichbar hohe 7 % und in der Eurozone auf 7,4 % kletterte. Nach zwei Jahren der Unsicherheit und der durch die Covid-19-Pandemie verursachten Versorgungsengpässe sowie dem Schock des Ukraine-Russland-Konflikts steht die Weltwirtschaft unter dem Druck ständig steigender Preise. Vor diesem Hintergrund ändern die Zentralbanken rasch ihre globalen Wachstumsprognosen und reagieren, indem sie die Geldhähne zudrehen. Die US-Notenbank Federal Reserve erhöhte die Zinsen im März um 25 Basispunkte, und der Vorsitzende Jerome Powell deutete an, dass auf der Sitzung im Mai eine weitere Erhöhung um 50 Basispunkte möglich sei. Zentralbanken anderer Industrieländer, wie die Bank of England, reagieren mit ähnlichen Erhöhungen. Infolge der galoppierenden Inflation, der Zinserhöhungen und der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten müssen sich die Anleger auf ein Umfeld einstellen, das sich deutlich von dem des vergangenen Jahrzehnts unterscheidet.

Gregoire Mivelaz - Nachrangige Schuldtitel

Während die Aussicht auf steigende Zinsen für Anleihegläubiger im Allgemeinen eine grosse Herausforderung darstellt, können nachrangige Anleihen, d. h. Anleihen, die für Kapitalunterlegungszwecke und nicht für Finanzierungszwecke ausgegeben werden, durch eine hohe Kreditqualität Kapitalerhalt bieten, hohe und stetige Erträge liefern und weniger empfindlich auf Zinsveränderungen reagieren. Nicht alle Sektoren und Anleihen sind gleich: Nachrangige Schuldtitel werden meist in einem Fixed-to-Floater-Format begeben, was eine geringe Sensibilität gegenüber Zinsveränderungen bietet. Darüber hinaus emittiert der Finanzsektor in Europa, der Sektor, der am stärksten von steigenden Zinsen profitiert, die Mehrheit der nachrangigen Anleihen. Wir sind davon überzeugt, dass sich europäische Kreditinstrumente besser entwickeln werden als US-amerikanische, da die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen vermutlich weniger oft anheben wird als die Federal Reserve (Fed). Aufgrund dieser Faktoren sind wir der Überzeugung, dass nachrangige Schuldtitel nicht nur eine Ergänzung zu hochverzinslichen Strategien darstellen, sondern im derzeitigen Umfeld Teil der Lösung sind. Ferner sind wir der Ansicht, dass aktuell der beste Einstiegszeitpunkt für diese Assetklasse für die nächsten zwei bis drei Jahren gegeben ist.

Adrian Owens - Makro global und Fremdwährungsanleihen

Wir sind davon überzeugt, dass die Zentralbanker vor grossen Herausforderungen stehen, da die Wachstumsrisiken angesichts des inflationären Umfelds zugenommen haben und durch den Krieg in der Ukraine noch verschärft wurden. Infolge dieser Wachstumssorgen war ein Ausverkauf der Zinsen am “kurzen Ende” zu beobachten. In diesem Umfeld halten wir “Break-Evens” für attraktiv. Zweitens könnte es vorteilhaft sein, Zinskontrakte leer zu verkaufen. Die Zinsen werden nach unserer Einschätzung deutlich stärker steigen, als die Anleger derzeit eingepreist haben. Daher ist die Möglichkeit, Märkte wie die USA, das Vereinigte Königreich und Europa zu “shorten”, sehr sinnvoll. Eine weitere Strategie in einer Welt höherer Zinsen besteht darin, Portfolios so zu positionieren, dass sie nur eine begrenzte Korrelation mit traditionelleren Anlageklassen aufweisen, wie beispielsweise “Relative-Value-Trades”. Wir sind der Überzeugung, dass Inflationsschutz, die Positionierung für höhere Zinsen und Relative-Value-Trades angesichts des Gegenwinds, den wir derzeit erleben, mehr denn je Sinn ergeben.

Tom Mansley - Hypothekenbesicherte Wertpapiere

Hypotheken- und forderungsbesicherte Wertpapiere bieten ein Credit-Engagement, das den Anlegern attraktive Renditen ermöglicht, solange die Kredite solide sind. Hypotheken weisen zwei Verteidigungslinien auf, um in dieser Situation Kapitalrückzahlungen zu erhalten. Nummer eins ist der Kreditnehmer und Nummer zwei ist der Vermögenswert, der hinter der Hypothek steht. Was den Kreditnehmer betrifft, so liegt die Arbeitslosigkeit in den USA aktuell bei unter 4 %, was bedeutet, dass es einen starken Arbeitsmarkt gibt. Darüber hinaus ist der Einkommensanteil, der für die Bedienung von Schulden wie Hypotheken, Autokredite und Studentenkredite aufgewendet wird, auf einem Rekordtief, seit die US-Notenbank Anfang der 1980er Jahre mit der Erhebung dieser Daten begann. Infolgedessen sind Zahlungsrückstände und Zwangsvollstreckungen gering.

Darüber hinaus sind die Immobilienpreise erheblich gestiegen, was bedeutet, dass die Vermögenswerte, die die Darlehen sichern, sehr solide sind. Wir sind davon überzeugt, dass die Preise auch in Zukunft gut fundiert sind, da ein rekordverdächtig niedriger Bestand an Häusern zum Verkauf steht und eine sehr starke Nachfrage nach Häusern vorherrscht. Das bedeutet, dass die Kredite solide sind und infolgedessen ein sehr geringes Zinsrisiko, eine niedrige Volatilität und eine geringe Korrelation zu anderen Vermögenswerten aufweisen. Da die Spreads aktuell auf einem höheren Niveau liegen als vor der Covid-19-Pandemie, sind wir der Ansicht, dass wir uns an einem attraktiven Einstiegspunkt befinden, um in Zukunft eine hohe Rendite erzielen zu können. Die Inflation wird die Löhne in die Höhe treiben und mit steigendene Löhnen sollte es einfacher werden, Hypothekenzahlungen zu leisten. Darüber hinaus unterstützt die Inflation die Immobilienpreise, so dass der Vermögenswert zusätzlich an Sicherheit gewinnt, was ein Kreditengagement durch Hypotheken sicher macht.

John Seo - Katastrophenanleihen und versicherungsgebundene Wertpapiere

Katastrophenanleihen und versicherungsgebundene Wertpapiere sind ihrer Natur und Konstruktion nach Instrumente mit flexiblen Zinssätzen, die sich gut an Zinssteigerungen und Inflation anpassen. Da die Kupons variabel verzinst werden, fliesst jeder Basispunkt, um den die Zinssätze am kurzen Ende der Kurve steigen, direkt in den Kupon ein.

Hinsichtlich der Inflation passen die Versicherungsgesellschaften ihre Prämien jedes Jahr sorgfältig an die erfahrene und erwartete Inflation an, so dass das Geschäft per se an die Inflation gebunden ist.

Eine dritte Besonderheit von Katastrophenanleihen und versicherungsgebundenen Wertpapieren liegt darin begründet, dass ein Umfeld voller Angst, Unsicherheit und Zweifel den Absatz von Versicherungen und Rückversicherungen befördert. Es ist eine psychologische Reaktion auf das Umfeld, in dem wir uns befinden, dass die Nachfrage nach Versicherungen und Rückversicherungen deutlich zunimmt und mithin die Bereitschaft, höhere Prämien zu zahlen, steigt.

Der Vorteil der Marktunsicherheit besteht also darin, dass sie die Versicherungsprämien in die Höhe treibt, was aber nicht zwangsläufig mit einem höheren Risiko einhergeht, denn ein Markteinbruch oder selbst ein tragisches Ereignis wie der Krieg in der Ukraine werden nicht zu einem Erdbeben oder einem Wirbelsturm führen.

Paul McNamara - Schwellenländeranleihen

Die Schwellenländer (EM) werden jetzt interessant, da die globalen Wachstumsmuster begonnen haben, sich zu verschieben. In den letzten anderthalb Jahren haben die Schwellenländer aufgrund langsamerer Impfraten oder anhaltender Abschottung unterdurchschnittlich abgeschnitten, während der US-Dollar stark geblieben ist. Da das Wachstum in den Schwellenländern und in Europa wieder anzieht, stellt die Dollar-Stärke kein grosses Hindernis mehr dar, das es zu überwinden gilt. Im gegenwärtigen inflationären Umfeld könnten steigende Rohstoffpreise den Exporteuren in den Schwellenländern und hier insbesondere den südamerikanischen Ländern, zugute kommen, da die Industrieländer auf die Rohstoffe aus den Schwellenländern angewiesen sind. Darüber hinaus ist Covid-19 zu einem weitaus geringeren Problem geworden, und das Ende der Abschottung wird voraussichtlich das Wachstum weltweit ankurbeln und das Wachstumsungleichgewicht der letzten Jahre verringern.

Wichtige rechtliche Informationen
Die in diesem Dokument enthaltenen Informationen dienen lediglich zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. Die in diesem Dokument enthaltenen Meinungen und Einschätzungen können sich ändern und spiegeln die Sichtweise von GAM im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld wider. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen wird keine Haftung übernommen. Es gibt keine Garantie, dass die Prognosen eintreffen werden. Die genannten Finanzinstrumente dienen lediglich der Veranschaulichung und sind nicht als direktes Angebot, Anlageempfehlung oder Anlageberatung zu verstehen. Vermögenswerte und Allokationen können sich ändern. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die aktuelle oder zukünftige Entwicklung.

Gregoire Mivelaz

Fund Manager, ATLANTICOMNIUM S.A.
Meine Insights

Adrian Owens

Investment Director
Meine Insights

Tom Mansley

Investment Director
Meine Insights

Dr. John Seo

Mitgründer und Geschäftsführer von Fermat Capital
Meine Insights

In Verbindung stehende Artikel

The Disruptive Strategist - Gamifizierung von allem

David Goodman

The Disruptive Strategist - KI und maschinelles Lernen: Automatisierung der Kreditlandschaft

Kevin Kruczynski

The Disruptive Strategist: Der perfekte (Speicher-)Sturm

Mark Hawtin

Investment-Meinungen
Invalid MyProfileDialogViewModel detectedTitleText or MessageText is not populated